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Jens Lehmann zählt zu den prominenten EM-Kolumnisten von Goal.com. Die ersten Viertelfinalisten stehen fest und er nimmt sie exklusiv unter die Lupe.

 Jens Lehmann
 Euro 2012 Kolumnist
   

Drei Siege in der Vorrunde für uns ist ein toller Erfolg. Damit hätte ich nicht gerechnet, da die Vorbereitung, wie ich erwähnt habe, nicht optimal lief.

Auch am Sonntag hat man gesehen, dass die Spiele allesamt eng waren und man ab und an auch ein wenig Glück benötigt, um zu gewinnen. Die Mannschaft, die am meisten arbeitet, wird aber auch immer mehr Glück haben. Insofern ist es auch ein Zeichen von mentaler Stärke, Situationen wie am Sonntag zu überstehen, um dann gegen die Dänen zu gewinnen.

Hätte der Schiedsrichter jedoch den Elfmeter an Bendtner gegeben, wären wir jetzt vielleicht draußen. Insofern sollten wir uns nach dem Lattenschuss der Portugiesen, der ersten Chance von van Persie allein vor Neuer im Holland-Spiel und dem jetzt nicht gegebenen Elfmeter für die Dänen nicht mehr allzu oft darauf verlassen, dass enge Situationen immer zu unseren Gunsten ausgehen. Trotzdem hatten wir die besseren Chancen und der Sieg war verdient.

Beim Gegentor hätte die Organisation besser sein müssen und erinnerte an den Fehler im Halbfinale gegen die Spanier bei der WM in Südafrika.
 
Lukas Podolski hat sein 100. Länderspiel mit einem Tor gekrönt. Diese Anzahl an Länderspielen in seinem Alter von 27 Jahren ist eine fantastische Leistung.

Auch die Freude von Lars Bender über sein erstes und dann auch noch sehr wichtiges Tor war schön anzusehen und zeigt, dass es da einige richtig gute Jungs in der Mannschaft gibt, die man noch gar nicht richtig kennt.

Es war auch für Mesut Özil gut, dass er ein besseres Spiel gemacht hat und das zweite Tor vorbereitet hat. Das wird sein Selbstvertrauen stärken.


„Die Polen sind raus und ein wenig weine ich mit Ihnen, da ich finde, dass sowohl die Zuschauer als auch die Mannschaft eine derartige Euphorie in „Ihr“ Turnier  gelegt haben, dass man Ihnen einfach das Weiterkommen gewünscht hat.“


- Jens Lehmann

Die Russen sind überraschend rausgeflogen und bestätigen damit meine Einschätzung, dass sie einfach trotz tollen Fußballs irgendwann während eines Turniers nicht liefern, wie man sagt. Ich habe so häufig mit tollen russischen Fußballern zusammen gespielt und mich immer gefragt, woran das liegt? Eine Antwort auf diese unerwarteten Leistungsschwankungen habe ich bisher noch nicht gefunden.

Die Polen sind raus und ein wenig weine ich mit Ihnen, da ich finde, dass sowohl die Zuschauer als auch die Mannschaft eine derartige Euphorie in „Ihr“ Turnier  gelegt haben, dass man Ihnen einfach das Weiterkommen gewünscht hat. Ich hoffe, dass die Atmosphäre in Polen nicht darunter leiden wird. Drücken  wir also der Ukraine die Daumen, dass wenigstens sie es noch schaffen, auch wenn es jetzt gegen England geht.

Dort hat mein Freund Theo Walcott nach seiner Einwechslung und seinem Tor sofort gezeigt, welch Potenzial in ihm steckt. Er ist so schnell und kann die Richtung im Vollsprint wechseln wie ein Hase, was schwer zu verteidigen ist. Ich freue mich schon auf die nächste Saison, wenn er mit Poldi zusammen bei Arsenal spielt.

Nun werden die Engländer mit einem Wayne Rooney noch stärker. Sie haben international in der vergangenen Saison gezeigt, dass sie zumindest schon einmal Meister im Verteidigen sind. Und da gewinnt man ja bekanntlich die Spiele...

Cristiano Ronaldo ist zurück! Das ist sicherlich die Nachricht einer spannenden Schlussrunde in der Gruppe B. Er hat am Ende doch noch den Unterschied gemacht für die Portugiesen und seine Mannschaft in die nächste Runde geschossen. Und wenn man ehrlich ist, dies auch zurecht, da die Portugiesen selbst gegen uns hätten gewinnen können. Außerdem freut es mich immer, wenn die besten Spieler auch möglichst lange beim Turnier dabei sind.

Das krasse Gegenteil dazu die Holländer, die einfach vor allem wegen Ihrer Abwehrschwäche ausgeschieden sind. Vorne schon mit einer tollen Qualität bei van Persie oder Huntelaar versehen, ist es heutzutage einfach tödlich, wenn die Abwehrspieler nicht mehr schnell sind. Ich habe lieber mit schnellen achtzehnjährigen Verteidigern in der Champions League gespielt, als mit dreißigjährigen langsamen Veteranen. Einen schnellen Verteidiger kann man organisieren, einen langsamen dagegen fast gar nicht, der hängt immer tief hinten drin oder vermeidet Laufduelle.

Trotzdem ist es auch für einen van Persie schade, so früh ausgeschieden zu sein. Er selbst befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere, muss aber eben auch dem Leistungsgefälle innerhalb seiner Mannschaft Tribut zollen.

Die kommenden Gruppenspiele werden nun auch schon neben taktischen Zügen von der Fitness geprägt sein. Drei schwierige Spiele innerhalb von 10 Tagen für die Mannschaften filtern die fitten von den unfitten Teams heraus. Ich werde sie mit Spannung verfolgen.

Bis zur nächsten Woche dann,
Euer Jens Lehmann

 Diskutiert mit Jens Lehmann bei Twitter Jens Lehmann@jens_official

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