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Lars Bender: Schweinsteiger ist ein Weltklassefußballer
17.06.2012 07:09:00
Lars Bender hat seine Chance genutzt und sich bei Joachim Löw für die Euro 2012 qualifiziert. Gegen Dänemark könnte er starten und äußerte sich nun zu seiner Situation.
Warschau. Lars Bender ist wohl in der Pole Position, um den gesperrten Jerome Boateng auf der rechten Außenbahn gegen Dänemark zu vertreten. Von 0 auf 100, so kann man seinen Start in die deutsche Nationalmannschaft und die Europameisterschaft 2012 beschreiben. Gegenüber Goal.com äußerte sich der Akteur von Bayer Leverkusen zu der Situation bei der DFB-Elf.|
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Wenn neue Spieler zur Nationalmannschaft stoßen, heißt es immer, wie gut sie aufgenommen werden. Sagt man das oft nur so daher, oder stimmt das wirklich?
Es ist so nicht nur auf Platz, sondern gerade auch außerhalb von Training und Spielbetrieb, während des Essens zum Beispiel und in der Freizeitgestaltung. Mit jedem kommst du gut aus, und mit jedem suchst du das Gespräch.
Sie sind bisher zweimal zu Kurzeinsätzen bei der EM gekommen. Was hat Bundestrainer Löw Ihnen als Aufgabe mitgegeben?
Ich kann da natürlich nicht mein eigenes Ding durchziehen. Man hat taktische Vorgaben, alles muss eine gewisse Ordnung haben. Bei einer Standardsituation etwa kann man nicht im luftleeren Raum stehen. Da muss man wissen, wo man hingehört.
Joachim Löw kann sich vorstellen, dass Sie rechts in der Viererkette eingesetzt werden. Vielleicht schon am Sonntag gegen Dänemark. Sie haben das in der Bundesliga aber noch nie gespielt. Können Sie sich trotzdem mit der Rolle anfreunden?
Ich habe das in der Jugend in einigen Partien gespielt. Das war natürlich etwas anderes als jetzt im Profibereich, aber ich denke, es spricht nichts dagegen. Ich kann die Räume ausfüllen. Für einen jungen Spieler, der zum ersten Mal zu so einem Turnier fährt, ist es grundsätzlich aufregend, überhaupt auf dem Platz zu stehen. Es ist ein tolles Erlebnis.
Haben Sie täglich Kontakt zu Ihrem Bruder?
Ja, in der Regel telefonieren wir täglich.
Ist das auch so, wenn Sie beide zu Hause sind? Sie spielen für Bayer Leverkusen, er für Borussia Dortmund.
Es ist dadurch etwas schwieriger geworden, dass wir mit unseren Mannschaften oft englische Wochen haben. Aber normalerweise sehen wir uns zweimal in der Woche, dann kommt er nach Köln oder ich fahre nach Dortmund.

Genießt Sven jetzt noch den Urlaub?
Muss er ja. Er hat bis zum 4. Juli frei. Er ist natürlich ein bisschen enttäuscht, dass er nicht zur EM fahren durfte, nachdem er zum erweiterten Kader gehört hat. Gerade aus dem Grund muss er die Freizeit nutzen, um den Kopf frei zu kriegen.
Wie schwer war es für ihn, dass nur Sie zur EM durften und nicht auch er?
Es war fast vorauszusehen, dass einer von uns nicht dabei sein würde, eventuell auch beide nicht. In dem Moment, wo man es gesagt bekommt, ist es ein schmerzhafter Moment. Aber wir sind beide jung. Deshalb hat er gesagt, dass er 2014 zur WM wieder angreift.
Er ist mit Dortmund schon zweimal Meister und einmal Pokalsieger geworden, Sie sind jetzt bei der EM. Ein wenig ausgleichende Gerechtigkeit?
So würde ich das nicht sehen. Wir können beide hochzufrieden sein, wie unsere Karriere bisher verlaufen ist. Das sind supertolle Erlebnisse, die für immer bleiben, und das zeigt, dass wir in unserer Karriere einiges richtig gemacht haben. Da muss man Tag für Tag dankbar sein. Wir spielen beide bei Topklubs in Deutschland. Und selbst wenn einer von uns in der Liga mal unten stehen würde, ist es noch immer ein Traum, den wir erleben.
Hat es einen Grund, dass Sie sich in Ihrer Spielweise so sehr ähneln?
Ich denke, wir haben schon kleine Unterschiede, aber als Spielertyp sind wir ähnlich. Wir haben viel Zeit zusammen auf dem Fußballplatz verbracht. Wenn der eine einen Schritt nach vorn gemacht hat, versucht der andere, wieder an ihn heranzukommen und ihn zu überholen. Da haben wir uns gegenseitig hochgepusht. Dass wir uns ähneln, liegt vielleicht einfach auch daran, dass wir Zwillinge sind.
Sie und Ihr Bruder laufen sehr viel. Sie erreichten in der Bundesligasaison den Spitzenwert von 13,91 Kilometern in einem Spiel vor ihrem Bruder mit 13,90 Kilometern.
Das hängt mit unserer Position zusammen. Da ist es unabdingbar, dass man ständig läuft, Räume schließt, präsent und anspielbereit ist.
Welche Gemeinsamkeiten gibt es sonst noch zwischen Ihnen?
Da sagt man, der eine ist lustig, der andere ernst, und dann sagt man das auch genau andersherum. Wir haben beide einen guten Humor und sind witzige Kerle.
Sie sind in Rosenheim geboren. Dort hat Bastian Schweinsteiger früher gespielt. War er einmal ein Vorbild für Sie?
Bastian ist in der zentralen Position ein absoluter Weltklassefußballer geworden. Wenn man dann auf der gleichen Position spielt, orientiert man sich an den Besten. Grundsätzlich möchte ich aber nicht jemanden als Vorbild nehmen. Ich glaube, den perfekten Spieler muss man sich zusammenmischen aus mehreren. Bei Bastian kann man sich aber einiges abgucken.
Was erhoffen Sie sich von der EM – ganz persönlich und einmal davon abgesehen, dass natürlich jeder in der Mannschaft Europameister werden will?
Für mich ist es einfach wichtig, das erste Turnier und die Atmosphäre aufzunehmen und Einsätze zu bekommen. Keiner weiß, ob man das noch einmal erlebt, von daher muss man es genießen. Ich möchte natürlich möglichst viele Momente mitmachen. Zu spielen, muss ein Anspruch sein. Ich bin aber in einer Position, dass ich nicht übermäßig enttäuscht bin, wenn ich mal nicht spiele. Wenn der Spielverlauf es nicht hergibt, ist es auch kein Problem. Die Mannschaft steht im Vordergrund.
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