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Der Chelsea-Stürmer macht noch immer den Anschein, als hätte er kein Vertrauen in sich selbst. Goal.com fragt bei Profis nach, die seinen mentalen Zustand beurteilen.

 Ben Hayward
 Experte für Spanien
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Analyse
:

Fernando Torres ist wieder da – wenn auch nicht auf Hochtouren. Der Chelsea-Star, der sich, nachdem er von Trainer del Bosque im Frühjahr bei einem Testspiel nicht in den Kader berufen wurde, schon aus dem EM-Kader der Spanier gestrichen sah, belebte den kaum vorhandenen Angriff der La Roja gegen Italien.

Der 28 Jahre alte Stürmer hatte im Freundschaftsspiel gegen Südkorea vor der EM seine Torstatistik für Spanien auf 28 Treffer ausgebaut und beansprucht seitdem mehr Einsatzzeit für das kontinentale Turnier. Gegen Italien ließ er jedoch zwei Eins-gegen-Eins-Situationen nach der Auswechslung von Torschütze Cesc Fabregas liegen.

Das Vertrauen in sich selbst, so scheint es, ist und bleibt gering. Geht es nach dem ehemaligen Liverpool-Stürmer und heutigen Experten des spanischen Fernsehens – Michael Robinson – gibt es indes noch Hoffnung. Er selbst hatte psychische Probleme, als der 1979 von Preston für viel Geld zu Manchester City wechselte.

Aus psychologischer Sicht

In einem Gespräch mit Goal.com untersuchte Magdalena Otero, Co-Direktor des Paradoxo Psychologie Studios, den Zustand von „El Nino“.

Gefühlslage

Wenn sich eine Person in einer Spirale von negativen Ereignissen befindet, die auf externe Faktoren zurückzuführen sind, können sie anfangen zu glauben, keine Kontrolle mehr über die Situation zu haben – was sehr schlecht ist. Diese Empfindungen sind falsch und gefährlich, denn eine Person sollte immer das Gefühl haben, die Kontrolle über eine Situation zu haben und die Fähigkeit das zu ändern, was passiert.

Verletzungen

Körper und Geist sind eins. Wenn jemand mental nicht auf der Höhe ist, ist er abgelenkt und teils unbeholfen. Somit ist man anfälliger für Verletzungen. Bei jeder Art von Krankheit oder Verletzung ist der Geist der Schlüssel zur Genesung. Stress beispielsweise erzeugt Spannungen in den Muskeln, was den Sportler wiederrum anfälliger für Verletzungen macht.

Angst

Die Angst kann dein schlimmster Feind werden, weil sie dein Verhalten dahingehend manipulieren kann, die Dinge nicht zu tun, die du eigentlich machen musst. Fernando Torres steht ständig unter gewaltigem Druck – sei es durch eine teure Vertragsunterschrift, den Erwartungen einer ganzen Nation oder dem Gedanken an die Fußballfans in der ganzen Welt. Das Beste, was man in diesen Situationen tun kann, ist zu versuchen, alles um sich herum zu vergessen und einfach zu genießen. Das Spielen zu genießen, so wie Torres es zu seinen besten Zeiten getan hat.

Iago Lago | @iagolazo
„Du hörst ja nicht auf ein guter Fußballspieler zu sein“, sagte Robinson gegenüber Goal.com. „Aber manchmal verbietet dir deine emotionale und seelische Verfassung einfach dein Potenzial abzurufen und die maximale Leistung auf den Platz zu bringen. Fernando Torres selbst hat nicht aufgehört, ein guter Spieler zu sein. Er führt den Ball hervorragend und er hat eine gute Technik – das ist alles nicht weg.“

Seit seiner schweren Knieverletzung vor der vergangenen WM ist Torres ein Schatten seiner selbst. Trotz seiner unglaublich harten Arbeit, um doch noch rechtzeitig ins Team zurückzukehren, hatte es nicht gänzlich gereicht. Er war kein wichtiger Bestandteil des Teams, als Spanien zum Weltmeister gekürt wurde.

„Ich denke diese Weltmeisterschaft hat etwas mit der ganzen Sache zu tun“, erklärte Robinson. „Fernando Torres war hart zu sich selbst und gab 100 Prozent, um bei der WM-Endrunde dabei zu sein. Er tat sein bestes - aber du kannst nicht nach einer schweren Verletzung lediglich halb fit zurückkommen und gegen die besten Spieler der Welt bestehen. Die ganze Sache gipfelte dann natürlich darin, das Spanien Weltmeister wurde und sich Fernando nicht als Teil der Mannschaft fühlte. Natürlich sollte er eigentlich nicht so fühlen, aber wer kann es ihm verdenken?“

Nach der WM kehrte Torres zurück nach Liverpool, wo er aber unter Roy Hodgson nicht glücklich war. Schließlich wechselte er im Januar für 58 Millionen Euro zu Chelsea.  Für den Londoner Klub musste er um jedes Tor kämpfen. So erzielte er nur ein Tor in 18 Spielen in der Saison 2010/2011. Zudem fiel ihm der Start in die folgende Saison ebenfalls schwer. Letztlich konnte er dort 11 Treffer in sämtlichen Wettbewerben für sich verbuchen.

In Südafrika spielte Torres eine Art Opferrolle, als er sich absetzte, um Raum für David Villa zu schaffen, der so mit fünf Toren Top-Torschütze der Spanier wurde. „Torres machte keinen schlechten Job für das Kollektiv, weil er immer wieder zwei Innenverteidiger an sich zog und Villa damit Platz verschaffte.“ Robinson erinnert: „Es war ein richtiger Esel-Job. Ein unerfreulicher Job. Aber er zog zwei Verteidiger auf sich und verschaffte Villa damit eine Menge Freiheit. Wenn ich del Bosque wäre, wäre ich von seiner Leistung begeistert gewesen.“

Nun aber ist Villa nach seinem Beinbruch, den er sich während der Klub-WM mit Barcelona im Dezember zugezogen hatte, bei der Europameisterschaft nicht mit von der Partie. Kann also Torres nun der wichtigste Stürmer von La Roja werden?

Im spanischen Team sieht Vicente des Bosque Torres als eine Alternative. Robinson analysiert: „Wenn die Spanier den Ball haben, spielen sie in den gegenüberliegenden Raum. Manchmal ergeben sich für Fernando dann aber keine Wege, um in diese Räume zu stoßen. Dennoch ist er eine Alternative. Es gibt immer wieder mal die Möglichkeit, etwas direkter zu spielen, wie beim Tor der Spanier im EM-Endspiel 2008 gegen Deutschland.“

„Dies ist zwar nicht die favorisierte Spielweise der Spanier, aber es ist hervorragend solch eine Alternative in der Hinterhand zu haben. Torres ist dahingehend also wertvoll.“ Trotz fehlender Chancenverwertung nach seiner Einwechslung gegen Italien, als er für „die falsche Neun“ Cesc Fabregas ins Spiel kam, glaubt Robinson daran, dass Torres bei der Euro 2012 noch eine wichtige Rolle spielen könnte. „Er kann einer gegnerischen Abwehr noch immer Angst einflößen“, ist er sich sicher.

Robinson weiter: „Wenn Fernando Torres auf dem Platz ist, bedeutet es auch, das der Gegner etwas tiefer steht. Dies gibt der Mannschaft die nötigen Räume, um im Mittelfeld ihr Spiel aufzuziehen. Und wenn es eine Mannschaft versteht, wie man aus dem Mittelfeld agiert, dann ist das Spanien. Er bereitet Abwehrspielern Sorgen. Auch wenn er es im letzten Spiel nicht getan hat, bist du besorgt, er könne es gegen dich tun.“

Alles, was nun fehlt, sind Tore…


EURE MEINUNG: Kann Torres noch wichtig werden fürs spanische Team?

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