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Läuft es wie immer in den letzten Jahren, wird Cristiano Ronaldo am Samstagabend erneut gegen eine deutsche Mannschaft als Verlierer vom Platz gehen.

Berlin. Die DFB-Kicker werden vor dem Knaller-Auftakt der Europameisterschaft gegen Portugal nicht müde zu betonen, dass die „Seleccao“ weit mehr als nur Cristiano Ronaldo sei. Das ist sicher richtig, doch der Ex-Weltfußballer ist nicht nur der Kapitän der Iberer, sondern auch der Spieler, auf den die Philosophie und die Angriffsbemühungen zugeschnitten sind. Stoppt man ihn, ist das in der Regel die halbe Miete.

Wie man Ronaldo in den Griff bekommt, das wissen die Deutschen. In den letzten sechs Jahren maß sich „CR7“ vier Mal in Diensten von Klub und Nationalelf mit Gegnern aus Deutschland und am Ende hatte er nur wenig zu jubeln.

„Eins-gegen-Eins kann man Ronaldo nicht stoppen. Man muss ihn als Mannschaft verteidigen“, stellte Phillip Lahm unter der Woche nochmals klar. Der Außenverteidiger war es bei den vergangenen Aufeinandertreffen, der Ronaldo den Zahn zog. Am Samstag wird er das allerdings nicht tun dürfen. Bundestrainer Joachim Löw hat sich früh positioniert: Lahm wird auf der linken Seite verteidigen und damit nur selten auf den Real-Star treffen.
 
PORTUGAL
GRUPPE B
DIE LETZTEN FÜNF SPIELE
Ergebnis
 BOSNIEN - PORTUGAL
0:0
 PORTUGAL - BOSNIEN 6:2
 POLEN -  PORTUGAL 0:0
 PORTUGAL - MAZEDONIEN 0:0
 PORTUGAL - TÜRKEI 1:3

Jerome Boateng oder Lars Bender auf einen dieser beiden wird es auf der rechten Seite von Deutschlands Viererkette hinauslaufen. Wie sie Ronaldo am besten in den Griff bekommen, zeigen die folgenden vier Beispiele:

8. Juli 2006, WM in Deutschland, Spiel um Platz 3 (1:3)


Das ganze Turnier hatte Philipp Lahm als Linksverteidiger der DFB-Elf bestritten, im Spiel um Platz drei ließ ihn Teamchef Jürgen Klinsmann auf der rechten Abwehrseite ran. Lahm bekam es dort abwechselnd mit Simao und eben dem jungen Cristiano Ronaldo zu tun. Der Portugiese galt damals noch als Rohdiamant, seine Leistungen bei Manchester United waren schwankend. Bei der WM hatte er zuvor vor allem mit dem provozierten Platzverweis gegen seinen Klubkameraden Wayne Rooney für Schlagzeilen gesorgt.

Im Halbfinale hatten die Portugiesen gegen Zinedine Zidanes Franzosen den Kürzeren gezogen. Die Enttäuschung darüber saß bei Ronaldo und Co noch spürbar tief, die Deutschen hatten dagegen das Last-Minute-Aus gegen Italien besser verwunden und gingen spürbar motivierter zu Werke.

Ronaldo verzettelte sich oft in Einzelaktionen. Er wich oft auf die rechte Seite aus, um sich Lahms Bewachung zu entziehen, doch auch gegen Marcell Jansen hatte er Probleme. Den Deutschen gelang es, den damals 21-Jährigen permanent in Zweikämpfe zu verwickeln. Ronaldo wirkte zusehends frustriert und bei der 1:3-Niederlage seiner Mannschaft nahm er keinen positiven Einfluss auf das Spiel Portugals.

Im Gedächtnis blieb von Ronaldo an jenem Abend nur eine bemerkenswerte Schwalbe: Von Christoph Metzelder im Zweikampf nicht berührt, hob er spektakulär ab und noch in der Luft griff er sich ans Scheinbein und schaute mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Schiri Toru Kamikawa. Die TV-Kameras fingen diese Szene glänzend ein und der japanische Unparteiische fiel darauf nicht rein.

19. Juni 2008, EM in Österreich und der Schweiz, Viertelfinale (2:3)


Die Portugiesen trafen auf eine deutsche Nationalmannschaft, die eine durchwachsene Vorrunde hinter sich hatte und die spielerisch in allen drei Partien der Gruppenphase enttäuscht hatte. Die „Seleccao“ hatte dagegen gegen die Türken und Tschechien überzeugt, die Niederlage am letzten Spieltag gegen die Schweiz änderte am ersten Platz nichts mehr.

Cristiano Ronaldo stand das gesamte Turnier über unter besonderer Beobachtung: Bei ManUnited hatte er eine phänomenale Saison hinter sich, Tore am Fließband erzielt, die Premier League und schließlich auch die Königsklasse gewonnen. Sir Alex Ferguson hatte ihm seine brotlose Kunst weitgehend ausgetrieben und ihn zu einer wahren Tormaschine mit Vorbereiter-Qualitäten geformt. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen, denen der spätere Weltfußballer jedoch nicht gerecht werden konnte.

Er trat mehr als Vorarbeiter, denn als Vollstrecker in Erscheinung. Seine Dribblings blieben allesamt erfolglos, während seine Zuspiele auf Nuno Gomes und Simao deutlich mehr Gefahr brachten. Seine auffälligste Szene hatte Ronaldo, der es praktisch das ganze Spiel über mit Lahm zu tun hatte, als er von einem Stellungsfehler Per Mertesackers profitierte: Er kam zu seinem einzigen Abschluss der Partie. Jens Lehmann parierte zwar, Gomes stocherte den Abpraller jedoch zum zwischenzeitlichen 1:2 über die Linie. Am Ende hieß es 3:2 für Deutschland und der überragende Bastian Schweinsteiger jubelte: „Wir haben die meiner Meinung nach beste Mannschaft aus dem Turnier gekegelt.“

 „Bislang haben wir es geschafft, ihn mit gutem Zweikampfverhalten in Schach zu halten“, erinnerte sich Joachim Löw dieser Tage an die beiden Duelle mit den Portugiesen in der jüngeren Vergangenheit.

April 2012, Champions League, Halbfinale zwischen Real Madrid und Bayern München


Die Bayern gegen Real, „Bestia Negra“ gegen „Königliche Blancos“: Die Runde der letzten Acht in der Königsklasse bot den Fans einen echten Klassiker, bei dem am Ende denkbar knapp der deutsche Rekordmeister die Oberhand behielt. Wieder war es also eine deutsche Mannschaft, die Ronaldos Traum zerplatzen ließ.

Das Hinspiel in München entschied der Rekordmeister der Bundesliga mit 2:1 für sich. Kein Wunschresultat und es war ein starker Moment Ronaldos, der Real das wichtige Auswärtstor bescherte: Nach einem Konter scheiterte er zunächst selbst, ehe er für Mesut Özil auflegte und dieser einnetzte. Abgesehen davon war der portugiesische Dribbelkünstler bei Phillip Lahm in guten Händen. Lediglich zwei weitere Torschüssen, die ihr Ziel verfehlten, brachte er zustande.

Ganz anders das Rückspiel, in dem der 27-Jährige loslegte wie die Feuerwehr. Er versenkte früh einen Strafstoß nach Alabas ungeschicktem Handspiel im Sechzehner und erhöhte nach weniger als einer Viertelstunde auch auf 2:0. Dabei nutzte er Lahms einzigen echten Fehler und ließ Manuel Neuer freistehend keine Chance. Er schoss zwar anschließend noch drei Mal auf den bayerischen Kasten, ohne dabei jedoch Gefahr zu versprühen. Im Gegenteil: Je länger das Spiel dauerte, umso mehr tauchte er ab.

Die Münchener verstanden es dabei exzellent, Ronaldo zu doppeln und die Passwege zu ihm dicht zu machen. Lahm ließ bei Ballbesitz immer ein wenig Sicherheitsabstand zu seinem Gegenspieler, um diesem nicht im Dribbling gegenüberzustehen. Andererseits ließ er ihm nicht genügend Freiraum, um seine gefürchteten Distanzschüsse anzubringen. Diesen Spagat müssen am Samstagabend auch Boateng oder Bender hinbekommen.

Schließlich ging die Partie zwischen Real und den Bayern vor wenigen Wochen ins Elfmeterschießen, wo Ronaldo die Nerven versagten und sein Fehlschuss das Ausscheiden der Spanier einleitete.

EURE MEINUNG: Schafft es die DFB-Elf, Ronaldo erneut den Zahn zu ziehen?

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