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„F**** Euro 2012“ - Die Proteste, die Wut und die Unzufriedenheit überschatten die Endrunde in Polen und der Ukraine

Goal.com wird Euch eine Woche vor EM-Beginn täglich mit speziellen Berichten auf die Probleme in Polen und der Ukraine aufmerksam machen.




BERICHT
Von Clark Whitney

Bald ist es soweit! In der kommenden Woche wird die Europameisterschaft 2012 ihren Startschuss erleben dürfen. Zehn Tage vor Turnierbeginn in Polen und der Ukraine herrscht von Danzig bis nach Donetsk allerdings eine Atmosphäre, die alles andere als in EM-Form ist.


Antipathie, Verbitterung und Feindselligkeit

Die Vorfreude in Polen und der Ukraine
ist getrübt - es herrscht Antipathie, Verbitterung und Feindselligkeit. Bedenken über Menschenhandel, Proteste gegen Yulia Tymoshenkos Verhaftung und etliche Fragen über den Mangel an Investitionen in die Infrastruktur im Vorfeld des Turniers werfen ein dunkles Licht auf das Turnier. Einer Umfrage des polnischen Zentrum der öffentlichen Meinung zufolge freuen sich lediglich 48 Prozent der Befragten über die Gastgeberrolle des eigenen Landes bei der EM.

Von Beginn an erklärten Fans verschiedener Fußball-Klubs in Polen, dass die EURO nicht das Fest für sie sei und sie an diesem Ereignis absolut nicht interessiert sind, erklärte Dr. Renata Wloch, Professorin der Soziologie an der Warschauer Universität gegenüber Goal.com. Seit einiger Zeit planen die Fans über das Internet verschiedene Demonstrationen gegen das Turnier, so Wloch weiter.


Seit einiger Zeit planen die Fans über das Internet verschiedene Demonstrationen gegen das Turnier


Wloch: Die Lage wurde unterschätzt

Sie fügte an: „Die polnische Regierung hat die Lage bei der Bekanntgabe der EM-Ausrichtung unterschätzt. Die dafür verantwortlichen Personen haben alles unterschrieben, ohne die Garantie dafür zu geben. In Polen, wo das durchschnittliche monatliche Gehalt um die 1.200 Euro beträgt, fühlen sich die Leute im Stich gelassen. Wloch führte fort: Die Stadien waren sehr teuer und es bestehen große Zweifel, ob diese Arenen in der Zukunft ihre Aufgaben erfüllen werden.


Die EM 2012 wird für Polen das erste große Sportereignis sein, das das Land ausrichtet. Insgesamt wurden über 20 Milliarden Euro für die Vorbereitungen rund um das Turnier investiert. Wloch sieht in diesen Riesensummen eine große Gefahr: Die Polen haben absolut keine Erfahrung mit solch einem großen Sportevent und den tausenden Touristen, die in das Land kommen werden. Es ist schwer zu sagen, wie sich die Atmosphäre entwickeln wird.

Fans protestieren lautstark

Unter den polnischen Klubfans herrscht eine angespannte Stimmung. Ein Anhänger eines Klubs, der anonym bleiben möchte, bestätigte, dass es am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison zahlreiche Aktionen gegen das Turnier gab und man somit gegen den modernen Fußball protestierte. Am letzten Spieltag der polnischen Ekstraklasa haben die Fans aller Klubs mit einer klaren Nachricht ihre Meinung zum Turnier geäußert: Against mod€rn football. F*** Euro 2012.


In der Ukraine sorgten indes die Aktivisten der Organisation FEMEN für große Aufregung vor dem Beginn der EM. FEMEN wurde 2008 von Studenten in Kiew gegründet und sieht es als Ziel, die Probleme rund um den Menschenhandel und Prostitution klar anzusprechen und gegen diese zu kämpfen.

Am letzten Spieltag der polnischen Ekstraklasa haben die Fans aller Klubs mit einer klaren Nachricht ihre Meinung zum Turnier geäußert: Against mod€rn football. F*** Euro 2012.
Vor vier Jahren wurden 12.000 Prostituierte in der Ukraine von der Polizei gemeldet. Mit der steigenden Zahl der Prostituierten stieg auch die Anzahl der Touristen in der Ukraine, die an sexuellen Offerten interessiert seien. FEMEN protestiert gegen solch einen Sex-Tourismus und versuchte im Mai als Protest-Ausrufezeichen zweimal die EM-Trophäe zu stehlen. Anführerinn Anna Hutsol meinte bereits vor Wochen, dass die Organisation während des Turniers auf sich in Polen und der Ukraine aufmerksam machen wird. Die Organisation kämpft nicht nur gegen den Menschenhandel sondern auch gegen die gewaltigen Summen, die einzig für das Turnier ausgegeben wurden und der Bevölkerung in keinster Weise helfen werden.

Turnier für Männer

Kazimiera Szczuka, eine der bekanntesten polnischen Feministinnen, erklärte, dass die EURO bloß eine Männerangelegenheit sei und die Frauen an diesem Turnier überhaupt nicht parizipieren können, so Wloch. Die Soziologie-Professorin an der Universität in Lemberg, Tetyana Bureychack, unterstützte die Aussge Wlochs: Bei der EURO 2012 wird überwiegend das Männergeschlecht jubeln dürfen. Die lokalen Budgets werden für Tourismus ausgegeben und die Prostitution wird in der Ukraine weiterhin Touristen anziehen. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Wochen entscheidend auf dieses Problem aufmerksam machen werden.

Hinzu kommen die großen Diskussionen um die Inhaftierung von Yulia Tymochenko. Die Anführerin der Orangenen Revolution wurde im letzten Jahr wegen vorgeworfenen Macht-Missbrauchs als politischer Gegner betrachtet und inhaftiert. Demkiv dazu: Der Fall Tymoshenko zeigt wohl am besten die derzeitige Lage in der Ukraine: Viele politische und religiöse Vertreter gaben Interviews, sammelten Unterschriften und hielten Reden, um für Tymochenkos Freiheit zu sorgen. Dennoch scheint es keine Gerechtigkeit zu geben. Viele Ultras der ukrainischen Vereine haben angeküdigkt im Turniervelrauf mithilfe der zahlriechen Kameras auf den Fall Tymochenko aufmerksam zu machen.

Trotz der politischen Anspannungen, allgemeinen Unzufriedenheit und Hooligan-Problemen wird die Europameisterschaft pünktlich am 8. Juni mit dem Eröffungsspiel in Warschau beginnen. Viele Fans werden sich das Turnier tausende Kilometer entfernt zuhause anschauen. Diejenigen, die sich auf die Reise nach Polen oder in die Ukraine machen, werden ein Turnier erleben, das faszinierend sein wird - und zwar auf mehreren Ebenen.


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