Die beste EM-Elf aller Zeiten - mit Zidane, van Basten & Maldini

Vor der Auslosung am Freitag blickt Goal.com zurück und kürt die beste EM-Elf aller Zeiten. Welche Akteure sind bei den vergangenen 13 Turnieren besonders hervorgestochen?

Von Carlo Garganese

Zidane and Cannavaro in France-Italy of Euro 2000 (AFP)

Der Countdown läuft - am Freitag ist EM-Auslosung. Portugal, Tschechien, Irland und Kroatien haben sich noch über die Play-offs qualifiziert und sich zu den Gastgebern Polen und Ukraine sowie zu den übrigen Teilnehmern Spanien, die Niederlande, Deutschland, Italien, England, Russland, Griechenland, Schweden, Dänemark und Frankreich gesellt.

Diese 16 Länder werden den EM-Titel unter sich ausmachen. Seit 1960 wird alle vier Jahre ein Europameister ermittelt, die Endrunde in Polen und der Ukraine ist die 14. Ausgabe dieses Turniers.

Die EM-Geschichte kann auf legendäre Spiele zurückblicken und wurde geprägt von Ausnahmespielern wie Franz Beckenbauer  oder Zinedine Zidane - Goal.com hat nun die beste EM-Elf aller Zeiten gekürt. Grundlage für unsere Auswahl waren die Auftritte bei Europameisterschaften, die Spiele in anderen Wettbewerben wurden nicht berücksichtigt.

Formation: 3-4-1-2


Dino Zoff (Italien – 1968, 1980)

40 Jahre war der legendäre Ex-Juve-Keeper, als er 1982 mit Italien die Weltmeisterschaft gewann - und auch bei seinen Europameisterschafts-Partien zeigte er große Auftritte. Sieben EM-Spiele und zwei Endrunden hat Zoff auf dem Konto, wovon drei in die Verlängerung gingen - dabei musste er nur zweimal hinter sich greifen. Vor allem 1968 bei den Partien im Halbfinale gegen die UdSSR und im Wiederholungsspiel des Endspiels gegen Jugoslawien war er ein großer Rückhalt für sein Team, das in jenem Jahr den Titel gewann.



Matthias Sammer (Deutschland - 1992, 1996)

War bei Deutschlands EM-Sieg 1996 in England bester Spieler des Turniers. Agierte dabei als einer der letzten Liberos, ehe diese Position gänzlich aus dem Weltfußball verschwand und führte das in die Jahre gekommene DFB-Team mit starken Auftritten in der Defensive zum Sieg, wobei er auch immer wieder in die Spitze vorstieß - und dabei zwei Tore erzielte. Eines davon war der wichtige Siegtreffer im Viertelfinal-Spiel gegen Kroatien. Sammer war auch Teil des deutschen Teams, das 1992 in Schweden auf dem zweiten Platz landete.



Franz Beckenbauer (BRD – 1972, 1976)

Die westdeutschen EM-Sieger aus dem Jahr 1972 werden von einigen als das beste europäische Team aller Zeiten angesehen. Der Anführer war kein geringerer als Franz Beckenbauer, Deutschlands vielleicht größter Fußballer der Geschichte. Der „Kaiser“ ließ den sowjetischen Angreifern im Endspiel nicht den Hauch einer Chance und hatte so entscheidenden Anteil am 3:0-Erfolg des BRD-Teams. Vier Jahre später spielte er sein letztes großes Turnier und war Teil der Mannschaft, die im legendären Halbfinale gegen Jugoslawien einen 0:2-Rückstand in ein 4:2 umwandelte und sich trotz einer ähnlichen Aufholjagd im Finale letztlich mit Platz zwei zufriedengeben musste.



Paolo Maldini (Italien – 1988, 1996, 2000)

Der vielleicht größte Linksverteidiger aller Zeiten wurde in gleich drei EM-All-Star-Teams gewählt. Er betrat die ganz große Bühne bei der Euro 1988 bereits mit 19 Jahren, als er Spaniens besten Spieler Michel fast vollständig abmeldete. Die Azzurri schieden im Halbfinale gegen die UdSSR aus, und auch zwölf Jahre später durfte Maldini den EM-Pokal nicht in die Höhe stemmen, als Frankreich im Endspiel in der vierten Minute der Nachspielzeit ausgleichen konnte. Während der Euro 2000 bildete Maldini zusammen mit Fabio Cannavaro, Alessandro Nesta und Keeper Francesco Toldo eine kaum zu bezwingende Defensiv-Formation.



Wilfried Van Moer (Belgien – 1980)

Die wohl schönste Geschichte der EM-Historie schrieb Wilfried Van Moer. Der Belgier brach sich 1972 beim Viertelfinal-Sieg gegen Italien das Bein, nachdem er zuvor für sein Team eingenetzt hatte. Seine Nationalmannschafts-Karriere schien beendet - bis sich der Trainer-Legende Guy Thys vor der EM 1980 an den Veteran erinnerte und ihn für das entscheidende Quali-Spiel gegen Portugal nominierte. Van Moer traf in jenem Spiel und wurde mit 35 Jahren zum Star der Endrunde, der sein Team bis ins Finale führte, wo man mit 1:2 gegen die BRD verlor.



Günter Netzer (BRD – 1972)

Fast im Alleingang führte Netzer die BRD bei der EM 1972 im Wembley-Stadion gegen England zum Viertelfinal-Sieg, als der Mittelfeldakteur nicht zu stoppen war und beim 3:1-Erfolg der entscheidende Mann war. Der Spielmacher knüpfte im Halbfinale und im Endspiel an diese Leistung an, Westdeutschland gewann das Finale gegen die UdSSR letztlich mit 3:0. Leider konnte Netzer sich auf der großen Länderspiel-Bühne in der Folge nicht mehr beweisen, da Wolfgang Overath in der Regel den Vorzug erhielt.



Zinedine Zidane (Frankreich – 1996, 2000, 2004)

Bei seiner ersten Euro im Jahr 1996 enttäuschte „Zizou“ weitgehend, vier Jahre später aber führte er Frankreich nach dem WM-Sieg auch zum EM-Titel. In der Gruppenphase begeisterte Zidane mit seiner unwiderstehlichen „Marseilles-Drehung“, im Viertelfinale sorgte er mit einem Freistoß-Tor für den Sieg gegen Spanien und im Halbfinale erzielte er gegen Portugal das Golden Goal per Elfmeter. Auch vier Jahre später verzückte Zidane die Zuschauer, als er dreimal traf - inklusive eines fantastischen Freistoßtreffers gegen England.



Dragan Dzajic (Jugoslawien – 1968, 1976)

Dzajic ist für einige der größte linke Flügelspieler aller Zeiten und war bei der Euro 1968 der beste Spieler. Er erzielte im Halbfinale gegen England den entscheidenden Treffer mit einem sehenswerten Lupfer und traf im Endspiel gegen Italien. Jugoslawien  befand sich gegen die Azzurri bereits auf der Siegerstraße, musste dann aber den späten Ausgleich durch Angelo Domenghini hinnehmen und verlor schließlich das Wiederholungsspiel mit 0:2. Auch 1976 war Dzajic mit von der Partie und schoss im Halbfinale gegen die BRD das 2:0, die deutsche Elf konnte das Spiel in der Schlussphase aber noch drehen und gewann nach Verlängerung mit 4:2. Dzajic war ein hervorragender Dribbler und hatte großes Gefühl in seinem linken Fuß.



Michel Platini (Frankreich – 1984)

Kein Spieler konnte einer Euro derart den Stempel aufsetzen, wie es Platini 1984 tat. Der Juve-Star erzielte unglaubliche neun Tore, inklusive zwei Hattricks und war für Frankreich das, was Diego Maradona zwei Jahre später bei der WM für Argentinien war. Er agierte vor der Dreier-Mittelfeldreihe mit Fernandez-Tigana-Giresse und erzielte beim legendären 3:2-Sieg gegen Portugal in der 119. Minute des Halbfinals den entscheidenden Treffer. Auch beim 2:0-Erfolg im Endspiel gegen Spanien netzte Platini ein, als er einen Freistoß im Tor versenkte. Er gilt als der beste Passgeber aller Zeiten.



Gerd Müller (BRD – 1972)

Ohne Zweifel der beste Strafraumstürmer aller Zeiten. Seine Statistik ist in allen Wettbewerben unglaublich, die EM ist da keine Ausnahme. Bei der EM 1972 schoss er beide Treffer beim 2:1-Halbfinalsieg über Belgien, im Endspiel gegen die UdSSR traf er doppelt und hatte so entscheidenden Anteil am 3:0-Sieg der BRD. Auch im Viertelfinale traf Müller, und in der Quali-Runde netzte er in sechs Spielen sechsmal ein. Eine absolute Tor-Maschine mit einer einmaligen Länderspiel-Bilanz: In 62 Spielen erzielte Müller 68 Treffer.



Marco van Basten (Niederlande – 1988, 1992)

Van Basten war 1988 beim EM-Sieg der Niederländer der herausragende Akteur und beendete das Turnier als bester Torschütze mit fünf Treffern. In der Vorrunde erzielte er beim 3:1-Sieg gegen England alle drei Treffer, im Halbfinale gegen die BRD netzte er ein der 88. Minute zum entscheidenden 2:1 ein. In ewiger Erinnerung bleiben aber wird sein Geniestreich im Finale, als er gegen die UdSSR aus unmöglichem Winkel per Volley-Schuss traf und so für den 2:0-Endstand sorgte. Vier Jahre später verlief die EM für van Basten und die Niederlande weniger erfolgreich, als man im Halbfinale gegen Sensationssieger Dänemark verlor und er einen Elfmeter versemmelte.

Es ist schwierig bis unmöglich, sich bei einem über 50 Jahre alten Turnier auf nur elf beste Spieler zu beschränken. Es gibt zahlreiche weitere Akteure, die sich den Platz in unserer Auswahl verdient hätten, für die aber schlichtweg kein Platz war.

Deswegen seien einige dieser Spieler hier noch erwähnt: Die tschechoslowakischen  Euro-Helden von 1976, nämlich Ivo Viktor, Antonin Panenka und Zdenek Nehoda; Deutschlands Ausnahmefußballer Bernd Schuster; Frankreichs Mittelfeldmotor bei der EM 1984, Jean Tigana; Dänemarks Keeper Peter Schmeichel; das tschechische Duo Karel Poborsky und Pavel Nedved sowie Portugals Luis Figo.

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