Spielbericht Europa League: RSC Anderlecht – Hamburger SV

Was für ein Spiel, was für ein Viertelfinaleinzug! – Der Hamburger SV hat sich in einem spektakulären Europa League-Rückspiel für die nächste Runde qualifiziert. In einem dramatischen und hochspannenden Spiel zitterten sich die Norddeutschen beim RSC Anderlecht zu einer 3:4-Niederlage. Dank dem 3:1-Erfolg aus dem Hinspiel wurde das HSV-Viertelfinalticket noch eingelöst.

Romelu Lukaku, Anderlecht
(seh) Anderlecht. Der Hamburger SV hat sich am Donnerstagabend in das Viertelfinale der Europa League gezittert. In einem dramatischen Rückspiel beim belgischen Rekordmeister RSC Anderlecht kassierten die Hanseaten zwar eine 3:4-Niederlage, doch dank des 3:1-Erfolgs aus dem Hinspiel kam es nicht zum Aus.

Das Exklusiv-Interview mit Marcus Berg

PERSONAL & TAKTIK

HSV-Coach Bruno Labbadia setzte auch in der Europa League-Partie auf das Sturmduo Ruud van Nistelrooy und Mladen Petric. Guy Demel, der im Hinspiel wegen einer Gelb-Sperre ausfiel, war wieder dabei – spielte jedoch nicht in der Startelf. Labbadia musste Dennis Aogo ersetzen und ließ Tomás Rincón von Beginn an auflaufen. Zudem musste Elia draußen bleiben, stattdessen bekam Tunay Torun das Vertrauen. Anderlechts Trainer Ariel Jacobs konnte wieder auf Mittelfeldspieler Mbark Boussoufa zurückgreifen, der im Hinspiel verletzt fehlte. Zudem rückte Matías Suárez in die Startelf der Belgier – er ersetzte den verletzten Hinspieltorschützen Jonathan Legear.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Am 11. Mai 1977 gewann der Hamburger SV zum ersten Mal einen Europapokal. Gegner im Finale des Europapokals der Pokalsieger war der RSC Anderlecht. 33 Jahre später ging es für beide Klubs um den Einzug in das Viertelfinale der Europa League. Die Norddeutschen hatten im zweiten Duell des Achtelfinales die Nase vorne, denn im Hinspiel siegten die Rothosen mit 3:1.

Die Belgier wollten eine Woche nach der Pleite in Hamburg zumindest vor heimischer Kulisse noch einmal alles probieren, um die Wende zu schaffen. In der Anfangsphase begannen die Akteure vom RSC Anderlecht mit einem großen Druck und einem hohen Tempo. Mladen Petric bekam allerdings in der 4. Minute auch die erste HSV-Chance.  Die Hanseaten übernahmen langsam die Kontrolle und konnten den stürmischen Beginn der Gastgeber beruhigen. Petric (15.) und Anderlechts Juhasz und Mazuch (35.) hatten weitere nennenswerte Einschussmöglichkeiten.

Das kontrollierte Spiel der Hanseaten wurde drei Minuten vor dem Halbzeitpfiff durch den 1:0-Führungstreffer belohnt. Jerome Boatang sorgte mit einem sehenswerten Distanzschuss, nach zu kurzer Abwehr der gegnerischen Defensive, für den ersten Torerfolg in Anderlecht. Mit seinem ersten Europa League-Tor schien er den Hamburger SV auf die Siegesstraße gebracht zu haben. Fast im Gegenzug köpfte Anderlechts 16-jähriger Stürmerstar Lukaku den 1:1-Ausgleich über die Linie. Mit seinem vierten Treffer im laufenden Wettbewerb leitete Lukaku die Wende ein, denn die Gastgeber kamen in der zweiten Minute der Nachspielzeit sogar zur 2:1-Führung. Suarez verwandelte einen Elfmeter und sorgte für eine angeheizte Stimmung im weiten Rund des Stadions.
 
SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Fünf bis sechs schläfrige Minuten sorgten dafür, dass der Hamburger SV eine scheinbar sichere Halbzeitführung noch aus der Hand gab. Mit einem 2:1 im Rücken kamen die Akteure des belgischen Rekordmeisters hoch motiviert aus der Kabine zurück und zelebrierten gleich in der Anfangsphase, ähnlich wie in Halbzeit eins, großes Pressing.

Für den Hamburger SV war es vor allem mit dem 1:2-Rückstand im Rücken wichtig, frühzeitig das Glück in der Offensive zu suchen. Die erste große Gefahr gab es allerdings im Strafraum der Gäste: Nach einem Schuss von Kouyate (48.) musste David Jarolim gleich zu Beginn der zweiten 45 Minuten auf der Linie retten. Die Hanseaten suchten dennoch eine passende Antwort und fanden diese in Person von Marcell Jansen, der in der 54. Minute eine starke Vorarbeit von Mladen Petric zum 2:2-Ausgleich nutzte.

Die Belgier brauchten zu diesem Zeitpunkt drei weitere Tore um den Traum vom Viertelfinale noch wahr machen zu können. Wer nun glaubte, dass der Hamburger SV nach dem 2:2-Ausgleich die nötige Sicherheit zurückgewinnen konnte, lag damit komplett falsch. Biglia (59.) und Boussoufa (66.) erhöhten innerhalb von nur sieben Minuten auf 4:2. Anderlecht drückte auf den fünften Treffer und Mladen Petric erlöste seine Mannschaft eine Viertelstunde vor dem Ende von der Umklammerung der Belgier. Dennoch konnte man beim Stande von 4:3 noch längst keine richtige Prognose abgeben – erst mit dem Schlusspfiff war klar, dass sich der Hamburger SV gegen eine kampfstarke Truppe vom RSC Anderlecht in das Viertelfinale der Europa League gezittert hatte.

SCHLÜSSELSPIELER & -SZENEN

Der Hamburger SV ging mit einer fast sicheren 1:0-Führung in die Halbzeit – dieses Ergebnis wäre wohl die sichere Eintrittskarte für das Viertelfinale gewesen. Vor dem Seitenwechsel drehten die Belgier allerdings die Partie in eine 2:1-Führung. In Halbzeit zwei kamen die Hanseaten immerhin schnell zum 2:2-Ausgleich und verschafften sich somit zum ersten Mal die nötige Luft, den nötigen Vorsprung für das Viertelfinale der Europa League. Jansens drittes Tor in der Europa League war jedoch noch längst nicht der ersehnte Befreiungsschlag, dieser kam erst in der 75. Minute, als Mladen Petric auf 3:4 verkürzte.

SPIELER DES SPIELS: Moubarak Boussoufa

Anderlechts Trainer Ariel Jacobs konnte wieder auf Mittelfeldspieler Mbark Boussoufa zurückgreifen, der im Hinspiel verletzt fehlte. Boussoufa durfte gleich in der Startelf auflaufen und präsentierte sich durchaus als guter Ideengeber. Er gab wenige Sekunden vor dem Seitenwechsel die entscheidende Flanke zum 1:1-Ausgleich und war beim dritten Treffer seiner Mannschaft ebenfalls in der Entstehung beteiligt. Der Marokkaner erzielte dann in der 66. Minute den Treffer zum 4:2 – es war sein zweites Tor in der Europa League. Boussoufa wurde am häufigsten gefoult, teilte aber gleichzeitig auch am meisten aus.

SCHIEDSRICHTER: Terje Hauge - Note: 8.5

Der norwegische Schiedsrichter Terje Hauge verfügt über eine große Erfahrung, er stand immerhin in seinem insgesamt 117. Europapokalspiel auf dem Feld – nur Hamburgs Frank Rost kam in Anderlecht auf mehr Einsätze. Der Norweger hinterließ einen starken und fehlerfreien Eindruck, zeigte in der ersten Halbzeit zum richtigen Zeitpunkt die erste Gelbe Karte der Partie.

SPIELNOTE: 9.5

Anderlecht kämpfte und ließ sich von dem Ergebnis aus dem Hinspiel nicht beirren. Der Hamburger SV versuchte, immer wieder die passende Antwort zu geben. Es war eine packende Begegnung, in der zu fast jedem Zeitpunkt alles möglich schien. Für die Zuschauer war es ein großes Spektakel, beide Mannschaften kämpften bis zum Ende.

Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

STATISTIK

Ruud van Nistelrooy hat im Hinspiel sein Startelfdebüt für den Hamburger SV gegeben und stand auch im Rückspiel wieder in der ersten HSV-Elf. In den Castrol Rankings belegt er aktuell nur den 2131. Rang – bei diesem Ergebnis wird es mit Sicherheit nicht bleiben, denn in Hamburg kommt der 33-Jährige wieder öfters zum Zug und wird sich wohl schon bald weiter nach oben kämpfen.

FAZIT

Es war spannend, es war dramatisch und es war für den Hamburger SV eine wahre Zitterpartie in Anderlecht. In der Summe haben sich die Norddeutschen das Viertelfinalticket verdient, dennoch war es eine ganz enge Geschichte.

Schon gelesen? - Das Exklusiv-Interview mit Marcus Berg

Eure Meinung: Wie habt Ihr das Spiel gesehen?


 
Goal.com-Flutlicht
  1. Teenager-Tränen: Als Cristiano Ronaldo bei der Heim-EM 2004 nur Zweiter wurde Teenager-Tränen: Als Cristiano Ronaldo bei der Heim-EM 2004 nur Zweiter wurde

    EXKLUSIV - Goal.com veröffentlicht exklusive Inhalte aus Luca Caiolis Buch „Ronaldo: Leidenschaft zur Perfektion“. Heute dreht sich alles um das Finale der EM 2004.

  2. Sieger, Enttäuschungen, Torschützenkönig: Die Goal.com-Redaktionstipps zur EM Sieger, Enttäuschungen, Torschützenkönig: Die Goal.com-Redaktionstipps zur EM

    Bald geht es endlich los - der Startschuss zur Euro fällt! Die Goal.com-Redaktion hat im Kicktipp-EM-Spezial einmal einige Szenarien durchgespielt und diverse Tipps abgegeben.

  3. Eden Hazard und die Geschichte des Millionentransfers, der ihn zu Chelsea führte Eden Hazard und die Geschichte des Millionentransfers, der ihn zu Chelsea führte

    Es ging um richtig viel Geld, als der belgische Shootingstar beiden Großklubs aus Manchester absagte und an die „Stamford Bridge“ wechselte. Dort macht er nun so richtig Kasse.

  4. Starte dein eigenes Tippspiel auf Kicktipp.de! Starte dein eigenes Tippspiel auf Kicktipp.de!

    Ob Bundesliga, Fußball International oder EM 2012 - Tippe jetzt online gegen Freunde und Kollegen in deiner eigenen Tipprunde