Spielbericht Europa League: Rubin Kasan - VfL Wolfsburg

Bereits vor dem Spiel war klar, dass den Deutschen Meister in der russischen Kälte ein heißer Fight erwartet. Genau diese Prognose traf ein: Der VfL mühte sich bei schlechten Platzverhältnissen zu einem am Ende verdienten 1:1.

Von Dirian EL AMINE

Zvjezdan Misimovic, VfL Wolfsburg (Getty Images)
Kasan. Beim 1:1 des VfL Wolfsburg hatte das Team von Trainer Köstner schwer zu arbeiten, denn Rubin Kasan präsentierte sich vor allem in der ersten Halbzeit stärker und mit mehr Zug zum Tor. Bei eisigen Temperaturen von unter -10°C avancierte letztlich Zvjezdan Misimovic zum Spieler des Spiels. Er sicherte den Wölfen den Ausgleichstreffer.

PERSONAL & TAKTIK

Der russische Gastgeber trat im klassischen 4-4-2-System an, Sibaya erhielt den Vorzug vor Routinier Sergey Semak. Taktisch war das Spiel Kasans auf die Flügel ausgelegt: Die offensiven Außenverteidiger Salukvadze und vor allem Ansaldi sollten die Wolfsburger Defensive in Verlegenheit bringen. Die Wölfe mussten auf ihren Torjäger Grafite verzichten, der durch Obafemi Martins ersetzt wurde. Außerdem fehlte Verteidiger Barzagli verletzungsbedingt. Für ihn rückte Riether in die Viererkette.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE


Auf einem schon vor dem Anpfiff schwer in Mitleidenschaft gezogenen Spielfeld präsentierten sich die Hausherren gleich wacher und investierten mehr Laufbereitschaft in das Spiel. Bei einem Zweikampf mit Abwehrhüne Madlung musste Kasans Stürmer Bukharov kurzzeitig mit blutender Nase das Feld verlassen. Dem Bemühen der Russen zum Trotz erspielte sich der VfL die erste gute Chance, doch Dzeko vergab nach Gentners Vorarbeit. Die Partie war vor allem in der Anfangsviertelstunde von zahlreichen Zweikämpfen und aggressiver Arbeit gegen den Ball geprägt. Vor allem Josué und Hasebe zeigten dabei ihre Qualitäten in der Ballrückeroberung. Nach einem Foulspiel des Japaners Hasebe aber, kam Kasan zu einer guten Möglichkeit: Noboa schoss den fälligen Freistoß frech vor das Tor von VfL-Keeper Hitz, der 1,98 Meter große Orekhor verfehlte per Kopf das Ziel nur knapp.

In der Folge versuchte es Wolfsburg zeitweise mit langen Bällen, erfolgreich jedoch waren nur die Dribblings von Misimovic über rechts. Unordnung in der Wolfsburger Defensive sorgt letztendlich für den Führungstreffer in der 29. Minute: Der starke Ansaldi flankt von links in den Strafraum und Noboa kann nach Kabzes Kopfballverlängerung zum 1:0 einlochen. Nur zwei Minuten später verhindert Hitz mit einer Glanzparade einen höheren Rückstand – Bukharov kam frei zum Schuss. Der Deutsche Meister aus Wolfsburg suchte anschließend nach Mitteln, um die stabile Defensive der Russen zu knacken, doch Gentners Distanzschüsse blieben ohne große Wirkung.

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE


Schon zu Beginn des zweiten Durchgangs war deutlich zu sehen, dass sich der weitere Verlauf sehr ausgeglichen gestalten wird: Kasan konnte die Laufbereitschaft und Dynamik aus der ersten Halbzeit nicht durchhalten, schaltete einen Gang zurück. Dem VfL Wolfsburg mangelte es zuweilen an Ideen und Struktur, auch wenn die Bemühungen der Gäste klar ersichtlich war. Der letzte Warnschuss an das Team von Lorenz-Günther Köstner kam dann in der 61. Minute: Gökdeniz spielt Stürmer Bukharov frei, der Ball landet aber landet direkt in den Armen des aufmerksamen Wolfsburger Schlussmannes Hitz.

Plötzlich zeigte Wolfsburg mehr Präsenz, Misimovic, Schäfer und Gentner gaben vor allem über die linke Seite Gas. In der 67. Spielminute gelang dann endlich der hart erkämpfte Ausgleichstreffer: Schäfer passte kurz auf Misimovic, der aus halblinker Position frei zum Torschuss kam. Dank seiner technischen Finesse zirkelt der Bosnier den Ball elegant ins lange Eck – der starke Keeper Ryzhikov ist ohne Chance. Nur neun Minuten später setzt Misimovic einen Freistoß an die Latte, nach einer Ecke wird Martins Kopfball aus zwei Metern Entfernung erfolgreich abgewehrt. In der Schlussphase war beiden Teams der Kräfteverschleiß deutlich anzumerken, Wolfsburg gab sich mit dem Unentschieden zufrieden.

SCHLÜSSELSPIELER & -SZENEN

Vor allem die starke Anfangsphase von Rubin Kasan machte den Wölfen zu schaffen. Die Offensiv-Achse der Russen um Gökdeniz und Bukharov wurde perfekt ergänzt: So schalteten sich nicht nur Außenverteidiger Ansaldi, sondern auch die Mittelfeldspieler hervorragend ins Offensivspiel ein. Noboa schoss das Führungstor, war unglaublich agil, Stabilisator in der Defensive und Kreativposten im Angriff.

Das Spiel der Wölfe wurde in der ersten Halbzeit vor allem durch Einzelaktionen geprägt: Gentners Fernschüsse und Misimovics Dribblings waren die stärksten Waffen. Nach der Pause mischten auch Edin Dzeko und vor allem Marcel Schäfer mehr mit. Dieser Einsatz wurde letztendlich mit dem verdienten Ausgelich belohnt.

SPIELER DES SPIELS: Zvjezdan Misimovic


Der Bosnier war der Aktivposten im Spiel der Wolfsburger: Auch in der schwierigen ersten Halbzeit sorgten seine Dribbings für Gefahr – Misimovic spielte rechts mit Pekarik, harmonierte links mit Gentner und später auch mit Schäfer hervorragend. Das Ausgleichstor und der Lattentreffer, der fast den Sieg beschert hatte, unterstrichen seine tolle Vorstellung.

SCHIEDSRICHTER: Pedro Proença – Note: 6


Von der ersten Minute an wurde die Partie von beiden Mannschaften recht hart und intensiv angegangen. Dabei bleib der Portugiese stets gelassen, zeigte keine einzige gelbe Karte. Vielleivht hätte eine Verwarnung zur Entschärfung des Spiels beitragen können – immerhin mussten mit Bukharov und Dzeko zwei Spieler das Feld für kurze Zeit angeschlagen verlassen. Die Vorteilsauslegung war nicht immer ganz glücklich.

SPIELNOTE: 8


Im kalten Russland bot sich den nur 9000 Zuschauern im Stadion ein sehr umtriebiges Spiel. Beide Teams hielten sich nicht zurück, sondern spielten freudig nach vorne. Auch wenn es dabei nicht unbedingt zu zahlreichen Chancen kam, sorgte vor allem die hohe Laufbereitschaft für die Qualität des Spiels. Auch kämpferisch schenkten sich die Mannschaften nichts.

STATISTIK


Der Wolfsburger Misimovic sorgte mit seinem Tor für eine gute Ausgangssituation im Rückspiel nächste Woche. Im Castrol-Ranking liegt der Bosnier auf Rang 186 und ist damit der achtbeste Mittelfeldspieler der Bundesliga. Spielt er allerdings auch in den nächsten Wochen so stark, steht einer deutlichen Verbesserung im Ranking nichts im Wege. Um Vereinskollegen Edin Dzeko allerdings einzuholen, müsste „Zwetschge“ richtig Gas geben: Dzeko liegt im Gesamt-Ranking auf Platz 14.

FAZIT

Für das Rückspiel am kommenden Donnerstag ist das Team von Coach Lorenz-Günther Köstner gewarnt: Rubin Kasan ist eine harte Nuss. Die taktische Ordnung der Russen, die technisch versierten Offensivspieler und die taktische Überlegenheit im Mittelfeld machten dem Deutschen Meister zu schaffen. Wolfsburg erwartet noch eine heiße Schlacht – wenn auch bei hoffentlich angenehmeren Temperaturen.

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