Spielbericht Europa League (H): Fenerbahce Istanbul – FC Twente Enschede

Es schien alles für Fenerbahce zu laufen: Trotz einer mäßigen Leistung gingen die Gastgeber in der zweiten Hälfte in Führung. Ein Schweizer Nationalspieler machte ihnen dann jedoch einen Strich durch die Rechnung.

Blaise N'Kufo, FC Twente - ADO Den Haag (foto ANP)
Von Daniel BUSE

Istanbul. Mit einer Überraschung endete der Spieltag in der Europa League: Fenerbahce Istanbul verlor in der Gruppe H gegen den FC Twente Enschede mit 1:2 (0:0). Dabei gaben die Türken einen 1:0 Vorsprung aus der Hand und wurden durch einen Doppelpack von Blaise N’Kufo geschlagen.

PERSONAL & TAKTIK

Bei Fenerbahce war Roberto Carlos rechtzeitig zum Europa League-Auftakt fit und spielte von Beginn an auf seiner linken Seite. Auf dem Papier las sich die Aufstellung von Fener-Trainer Christoph Daum als 4-3-3, aber auf dem Feld stand der Spanier Daniel Güiza oft als einzige Spitze da.

Gäste-Coach Steve McClaren schickte seine Mannschaft ebenfalls im typisch-holländischen 4-3-3 ins Auswärtsspiel. Bei seinen drei Mittelfeldspielern entschied er sich mit Cheikh Tioté und Wout Brama für zwei defensivere Akteure und gegen den offensiveren Theo Janssen.
 
SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Die erste Hälfte war aus Fenerbahce-Sicht eine große Enttäuschung. Der Anfang war jedoch gut, denn in den ersten zehn Minuten konnten die Gastgeber Twente schwer unter Druck setzen. Die Niederländer mussten sich erst ordnen und schafften das nach einigen Problemen. Nach einer Viertelstunde konnte Enschede die Partie ausgeglichen gestalten. Die einzige richtige Chance des Durchgangs hatte Kazim Kazim, der mit seinem flachen Schuss an Twente-Torwart Sander Boschker scheiterte (16.).

Im weiteren Verlauf zeigte sich, dass es sogar die Gäste waren die einen leicht besseren Eindruck machten, weil die Mittelfeldspieler bei ihren Angriffen schneller Anschluss suchten als bei Fenerbahce, wo Güiza in der Luft hing. Es passierte ganz wenig – und das gefiel den Fans in Istanbul nicht, die ihre Mannschaft mit Pfiffen in die Kabine verabschiedeten.
 
SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Die zweite Hälfte war deutlich interessanter, denn es entstanden durch die nachlassenden Kräfte Räume im Mittelfeld. Die erste große Chance des Durchgangs hatte Fenerbahces Alex, der freistehend aus acht Metern einen Kopfball weit über das Tor schickte (58.). Doch Twente hielt auch in der zweiten Halbzeit gut mit und hatte durch Bryan Ruiz eine tolle Möglichkeit. Der Costa Ricaner verzog aus sieben Metern und traf nur das Außennetz (63.).

Es war eine Standardsituation, die schließlich das erste Tor brachte: Der eingewechselte Mehmet Topuz hämmerte einen Freistoß aus 22 Metern knallhart zum 1:0 in die Torwartecke (68.). Twente-Keeper Sander Boschker blieb reaktionslos in der Tormitte stehen. Lange konnte sich Fenerbahce allerdings nicht über die Führung freuen: Nach einem Steilpass von Theo Janssen machte Blaise N’Kufo mit einem Linksschuss, der unter Volkan Demirel durchrutschte, nur vier Minuten später das 1:1 (75.).

Und damit nicht genug: Twente traf auch noch zum 1:2. Einen Freistoß bekam die Fener-Abwehr nicht weg und der Ball kam wieder zu N’Kufo, der aus 11 Metern einfach draufhielt und einschoss. Danach hatte Fenerbahce in der Schlussphase eigentlich nur noch eine große Chance. Bei einem Versuch von Alex rettete Ronnie Stam kurz vor der Torlinie (81.).

SCHLÜSSELSPIELER

Bei Fenerbahce stand die Innenverteidigung bis auf die Szene zum 1:2 sicher. In der Offensive machte der eingewechselte Mehmet Topuz viel Dampf und spielte deutlich besser als der unglückliche Daniel Güiza, dem nichts gelang.

Bei den Niederländern war Doppel-Torschütze Blaise N’Kufo der gefeierte Mann. Außerdem bot Wout Brama eine starke Leistung im defensiven Mittelfeld, denn er schaltete Fenerbahces Spielmacher Alex bis auf zwei Szenen aus. Der kleine Miroslav Stoch überzeugte als wuseliger Linksaußen und bereitete der türkischen Abwehr viele Probleme.
 
SCHLÜSSELSZENE

Das 2:1 war der Siegtreffer, aber entscheidend für den weiteren Verlauf der Partie war der schnelle Ausgleich, den Twente nach dem 0:1-Rückstand erzielte. Nur vier Minuten nach dem Gegentreffer waren die Niederländer wieder zurück im Spiel, weil Blaise N’Kufo mit seinem schwächeren linken Fuß einfach abzog und Volkan Demirel überwand (75.).
 
SPIELER DES SPIELS: Blaise N’KUFO

Stürmer werden an ihren Toren gemessen – und Blaise N’Kufo machte am Donnerstag in Istanbul die entscheidenden zwei für seine Mannschaft. Und es waren zwei typische Stürmertore, die der Schweizer zu bieten hatte. Einmal kurz entschlossen abgezogen und einmal einfach am richtigen Platz: N’Kufo unterstrich seinen Wert für den FC Twente und zeigte, dass er auch auf europäischer Bühne treffen kann.
 
SCHIEDSRICHTER – Note: 8

Claudio Circhetta musste keine kniffligen Situationen beurteilen und hatte deshalb überhaupt keine Probleme mit der Partie.

Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

SPIELNOTE: 6

Die erste Halbzeit war schwach und ereignisarm, aber der zweite Durchgang entschädigte dafür, weil durch die Räume im Mittelfeld mehr Tempo ins Spiel kam. Es gab nach der Pause deutlich mehr Chancen und das Duell blieb bis zum Ende spannend.

FAZIT

Ein überraschender Sieg der Gäste in Istanbul, in einem Spiel das auch als Unentschieden-Spiel durchgegangen wäre. Fenerbahce gelang nicht viel und der FC Twente zeigte, dass er auch spielerisch mithalten kann. Den Unterschied machten die Stürmer aus: Während Blaise N’Kufo seine beiden Chancen eiskalt nutzte, kam Daniel Güiza für Fener zu keiner Chance.

Eure Meinung: Wie habt Ihr das Spiel zwischen Fenerbahce und dem FC Twente gesehen?


 
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