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Spielbericht Europa League-Qualifikation: Hertha BSC – Bröndby IF
Hertha BSC schafft nach der Niederlage im Hinspiel (1:2) doch noch die Wende und erreicht die Gruppenphase der Europa League. Gegen Bröndby IF siegen die Herthaner im Rückspiel nach tollem Kampf und viel Moral mit 3:1 (0:0). Dabei reicht den Berlinern eine sehr starke Viertelstunde zu einer atemberaubenden Wende.
Von Dennis WEINACHT
Berlin. Bröndby IF verpasst den Einzug in die Gruppenphase der Europa League. Gegen Hertha BSC verlieren die Dänen letztlich unglücklich aber verdient, weil die Bundesliga-Truppe das Spiel dominiert und mit einer tollen Moral das Ergebnis noch in buchstäblich letzter Sekunde zum Guten wendet.
PERSONAL & TAKTIK
Hertha-Trainer Lucien Favre veränderte seine Mannschaft im Vergleich zum letzten Spiel auf zwei Positionen. Für die Akteure Marc Stein und Maximilian Nicu rückten Christoph Janker und Artur Wichniarek in die Startelf. Bei den Gästen gab es im Vergleich zum Hinspiel keinerlei Änderungen. Die Dänen vertrauten der selben Mannschaft, die schon im ersten Aufeinandertreffen clever zum Erfolg kam.
SPIELVERLAUF: 1. HÄLFTE
Der Bundesligist versuchte direkt vom Anstoß weg die Verhältnisse klar zu regeln. So vergab Wichniarek bereits nach wenigen Sekunden, als er den Pfosten des gegnerischen Tores nur knapp verfehlte. Dieses Bild sollte sich auch in den folgenden Minuten weiter durchsetzen. Die Hertha war das klar bessere Team, drängte hier auf die frühe Führung, um doch noch den Einzug in die Gruppenphase zu erreichen. Es ergaben sich immer wieder Tormöglichkeiten, wobei der Abschluss oft nicht präzise genug war. Bemerkenswert aber, wie bemüht die Gastgeber das Spiel angingen und wie druckvoll und selbstbewusst sie trotz der Niederlage im Hinspiel ihr Heil in der Offensive suchten.
Nach der Hälfte des ersten Durchgangs wurde dann dieses klare Bild etwas verändert. Nun war auch Bröndby besser im Spiel, die Dänen standen nun kompakter und attackierten die gegnerischen Spieler früher. Allerdings sollte im Gang nach vorne noch nicht allzu viel gehen. Die beste Möglichkeit der Gäste vergab Morten Rasmussen nach 44 Minuten, als er mit einem Schuss am toll reagierenden Jaroslav Drobny scheiterte. Dennoch: Zur Pause wäre eine Führung der Berliner absolut in Ordnung gewesen. Die Mannschaft spielte flott nach vorne und ein Tor wäre unlängst möglich gewesen. Noch aber war es nicht gefallen. Noch stand bei den Berlinern das Aus in Europa bevor.
SPIELVERLAUF: 2. HÄLFTE
Besser wurde es im zweiten Durchgang auch erst einmal nicht. Ganz im Gegenteil: Die Schwachstelle der Berliner war an diesem Abend die mitunter nicht konzentrierte Defensive, die Bröndby immer wieder Raum zum Kontern bot. Die Dänen nutzten dies und gingen in Führung. In Folge eines Eckballs gab es Konfusion in der Abwehr der Berliner. Der Ball konnte nicht geklärt werden und plötzlich kam Morten Rasmussen an das Spielgerät und versenkte dieses im Netz (51.). Die Fans und die Spieler der Hertha protestierten auf Abseits. Aber das war es nicht! Bei den Berlinern war lediglich ein dicker Fehler im Defensivverbund passiert. Ein Fehler, der noch sehr, sehr teuer werden konnte.
Denn nun benötigten die Gastgeber schon drei Treffer, um sicher in der kommenden Runde nach 90 Minuten zu sein. Die richtige Reaktion ließ die Mannschaft aber vermissen. Zunächst fehlte der ganz große Zug zum Tor und das Team von Trainer Favre wirkte etwas verunsichert. Glück, dass Bröndby nicht noch das 2:0 nachlegte, als sich Krohn-Dehli super durchtankte, dann aber völlig frei im Strafraum vor Drobny knapp neben das Tor schob (66.). Das wäre sicherlich der Todesstoß für die Hertha gewesen, die nun endlich wieder aufwachen musste. Viel Zeit war nicht mehr.
Aber das 1:1 folgte: Nachdem die Standards zuvor so erschreckend schlecht ausgeführt wurden, sollte ausgerechnet ein Eckball zum Tor der Berliner führen. Der eingewechselte Maximilian Nicu brachte das Leder in den Strafraum, wo Gojko Kacar den Ball mit dem Kopf in die Maschen donnerte (75.). Nun war das Ganze wieder extrem spannend, nun rannten die Berliner wieder an und nun war das Spiel wieder sehr spannend. Die Fans zitterten mit. Gab es etwa doch noch die Wende zum Guten aus Sicht des Bundesligisten?
Und ob! Nur fünf Minuten später versuchte sich Pal Dardai zum wiederholten Male aus der zweiten Reihe und donnerte das Leder damit ins Tor. Was für ein Tor! Und nun waren die Berliner wieder im Spiel. Die Verlängerung war ihnen zu diesem Zeitpunkt garantiert und unverdient war das in keinem Fall. Fast während der gesamten Partie waren die Herthaner besser im Spiel. Nur das Tor wollte nicht fallen. Jetzt aber sah es wieder besser aus. Weil Bröndby in fünf Minuten zweimal fahrlässig in der Abwehr patzte.
Und damit noch nicht genug. Wiederum nur fünf Minuten später folgte sogar das 3:1. Nach einer Flanke war wieder Kacar mit dem Kopf zur Stelle. Sensationell, wie er das Leder in die Maschen donnerte und damit dem Schlussmann keine Chance ließ. Das war die Entscheidung, das war die Wende, das war toll! Berlin zog mit diesem Tor in die Gruppenphase ein!
SCHLÜSSELSPIELER
Die Schlüsselspieler waren relativ schnell zusammenzufassen. Vor allem dem starken Gojko Kacar gelang einiges. Negative Schlüsselspieler waren die Defensivakteure beider Vereine. Sowhl die Hertha, als auch Bröndby standen in der Abwehr nicht gut und ließen dort immer wieder fahrlässig Chancen zu. Glück nur für beide Torhüter, dass das Spiel nach vorne bei beiden Truppen nicht zu einhundert Prozent passte.
SCHLÜSSELSZENE
Die Schlüsselszene war der Treffer zum 1:1. Danach merkte man den Berlinern wieder ein Aufbäumen an, danach rannten die Kicker wieder an, danach kehrte der Glauben an die eigene Stärke zurück. Die Fans waren danach auch wieder wesentlich lautstärker und nur deshalb, nur wegen dieses Umschwungs der Stimmung war ein Erfolg machbar.
SPIELER DES SPIELS: Gojko Kacar
Nicht nur wegen seiner beiden Treffer, sondern auch wegen seiner gesamten Leistung war er der Mann der Partie. Klasse, wie er immer wieder anspielbar war und alles gab. Im Kopfball war er zudem überragend. Wie der VfB Stuttgart wohl auf diese Leistung reagieren wird? Möglicherweise wird die 12-Millionen-Offerte nochmals angepasst.
SCHIEDSRICHTER: Paolo Tagliavento (Italien)
SPIELNOTE: 8, das Spiel war zu jedem Zeitpunkt sehr spannend und es gab einige starke Aktionen in beiden Reihen. Gut auch, dass die Hertha in Rückstand geriet. Zumindest für die Qualität der Begegnung war das gut. Die Wende war außerdem sehr sehenswert und bis zum Abpfiff kochte die Stimmung im Jahnstadion. (Anmerkung: Goal.com bewertet in einem Punktesystem. Es gibt demnach in allen Kategorien einen Punkt (grottenschlecht) bis zehn Punkte (weltklasse) zu erreichen.)
STATISTIK
Anstoß: Donnerstag, den 27.
August 2009 um 18.15 Uhr
Stadion: Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion
Zuschauer: 12.000
Tore: 0:1 Rasmussen (51.), 1:1 Kacar (75.),
2:1 Dardai (80.), 3:1 Kacar (85.)
FAZIT
Die Berliner ziehen letztlich auch verdient in die Gruppenphase ein. Die Mannschaft spielte sehr stark gegen Bröndby in einigen Phasen der Partie. Allerdings sind die Berliner auch merklich abhängig von einigen Akteuren. Die Dänen hingegen müssen nach großem Kampf den Abschied aus Europa akzeptieren. Berlin agierte letztlich cleverer!
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