Spielbericht UEFA-Cup: Werder Bremen - AC Milan

Schon aus der Ferne sieht man in der Hansestadt die markanten Flutlichtmasten, dort, wo die Weser einen großen Bogen macht. Und wenn diese hell erleuchten, deutete das in der Vergangenheit nicht selten auf diese emotionalen Europacup-Spiele der Grün-Weißen hin. Gegen Milan probierte sich Werder, an die glorreichen Zeiten anzuknüpfen, der Krise zu entkommen. Auf dem Grün neben der Weser kam Milan zeitweise mächtig ins Schwimmen. Aber Werder 2009 hat zwei Riesenprobleme: Jeder Fehler wird sofort bestraft. Und vorne treffen die Norddeutschen einfach das Tor zu selten.

Werder Bremen und Diego marschierten im Spaziergang ins Achtelfinale (firo)

Von Nils RESCHKE

Bremen. Diese Partie hätte durchaus auch in der Champions League stattfinden können. Stattdessen trafen sich Werder Bremen und der AC Milan in der K.o.-Runde des UEFA-Cups, wo die Fans im Weserstadion auf bessere Bremer Zeiten hofften. Doch wie schon in der Gruppenphase der europäische Königsklasse, wie auch in der Bundesliga brachte ein einziger Patzer die ansonsten über weite Strecken besseren Norddeutschen beim 1:1 (0:0) um den Lohn ihrer Mühen. „Mister Europacup“, Filippo Inzaghi, nutzte einen katastrophalen Fehlpass von Clemens Fritz zum eher schmeichelhaften Mailänder Unentschieden. Am Ende war alles wie gegen Gladbach: das bessere Team gewann das Spiel nicht trotz Diegos Treffer, für den die Goal.com Redaktion ihn zum Top of the Match wählte.

Alles wie gegen Gladbach

Werder Bremen begann da, wo es gegen Mönchengladbach aufgehört hatte: mit einem Sturmlauf aufs gegnerische Tor. Doch auch in Sachen Chancenverwertung hatte sich gegenüber der Bundesliga zunächst nichts geändert. Diegos Ecke nach 50 Sekunden fiel Alexandros Tziolis vor die Füße, der aus acht Metern jedoch nur ein Schüsschen produzierte (1.). Da war mehr drin! Dass jedenfalls dachten auch die Fans. Sie spürten einen Hauch von Werder-Wunder durchs Weserstadion wehen. Doch nach einer Viertelstunde hatte der AC Milan dann besser ins Match gefunden, das nun von vielen Fehlpässen geprägt war. Bremen ließ nicht viel zu, die Italiener ebenso wenig, einmal abgesehen von einem schönen Distanzschuss von Clemens Fritz, den Dida nicht festhalten konnte.

„Pippo“ lässt das Weserstadion verstummen

Werder Bremen überzeugte eine halbe Stunde lang durch Einsatz, Engagement und konzentrierter Deckungsarbeit. Doch dann folgte der große Auftritt des Clemens Fritz, der nach einer Balleroberung völlig ohne Not einen katastrophalen und kapitalen Fehlpass spielte. Solche Patzer darf man sich gegen eine Mannschaft wie Milan nicht leisten. Und ein Torjäger des Formats Filippo Inzaghi lässt sich so etwas nicht entgehen (36.). Das 0:1, serviert auf dem Silbertablett, nahm Werder jegliche Begeisterung. Bis zur Pause passierte nichts mehr, auch das Weserstadion war restlos verstummt.

Starker Bremer Wiederbeginn

Als Schiedsrichter Michael Dean dann zum zweiten Durchgang bat, war auch Werder wieder aufgewacht. Die Elf von Thomas Schaaf startete ähnlich agil wie auch in der ersten Hälfte, hatte gleich durch Diego und Claudio Pizarro die Chance zum Ausgleich, dessen Schüsse jedoch im letzten Moment abgeblockt wurden (47.). Anders der Freistoß von Hugo Almeida, der kurz darauf das Tor mit einem knallharten Freistoß nur um wenige Zentimeter verpasste (53.). Dieses Mal allerdings brach Werder seine Offensivbemühungen nicht nach einer Viertelstunde ab. Es folgte ein Feuerwerk der Torchancen.

Mailand schwimmt, Inzaghi kontert

Erst parierte Dida einen tollen Aufsetzer von Diego, der immer besser wurde, mit einer Klasseparade (56.), ehe der Milan-Keeper bei Almeidas Kopfball wohl chancenlos gewesen wäre (58.). Auch Tziolis Distanzschüsse wurden gefährlicher (59.). Was die Mailänder dort nun in der Abwehr zeigten, wirkte manchmal fast schon wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen. Nur wusste Werder das nicht zu nutzen. Und deswegen zogen die Italiener immer wieder gefährliche Konter auf, die eine Vorentscheidung hätten bringen können. Doch Tim Wiese vereitelte das 0:2 erst gegen Inzaghi, dann gegen Famini (59.). Kurze Zeit später hatte Bremens Schlussmann Glück, als Inzaghi nur die Latte traf (66.). Es war längst ein Rassespiel, das auf Messers Schneide stand.

Diego erlöst Bremen, Pizarro verpasst den Sieg

Es sollte schließlich bis zur 84. Minute dauern, ehe der Mann Werder Bremen mit dem hochverdienten Ausgleich auslöste, der in der Bundesliga zuletzt wegen seiner Sperre auf der Tribüne schmorrte. Diego steigerte sich in der zweiten Hälfte, wurde von Minute zu Minute stärker, immer bemüht, immer einsatzbereit – und schließlich auch vor dem Tor zur Stelle. Almeidas Kopfballablage verwertete der Brasilianer aus acht Metern zum längst fälligen 1:1 (84.). Doch das i-Tüpfelchen war den Grün-Weißen nicht vergönnt, als Ambrosinis Kopfball in der Schlussminute an die eigene Latte segelte, Claudio Pizarro anschließend das Leder übers Tor drosch. Für Werder Bremen war das 1:1 somit zwar ein versöhnlicher Ausklang einer über weite Strecken überzeugenden Partie. Wenn da eben nicht die 36. Minute gewesen wäre, die eine wesentlich bessere Ausgangslage fürs Rückspiel verhinderte.

Eure Meinung: Wie stehen die Bremer Chancen nun für das Rückspiel? Wer kommt weiter? Hat Werder noch eine Chance?



 
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