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Der Wechsel zu Real Madrid ist perfekt. Aber welche Rolle ist für Toni Kroos beim amtierenden Champions-League-Sieger vorgesehen? Droht ihm sogar die Bank?

Es hatte sich lange angedeutet: Toni Kroos wird Bayern München in diesem Sommer verlassen, sich dem amtierenden Champions-League -Sieger Real Madrid anschließen. Der 24-Jährige könnte im Mittelfeld ganz neue Optionen für Carlo Ancelotti schaffen. Allerdings ist unklar, wie Kroos in das System eingebunden wird.

Perfekt! Toni Kroos wird ein Königlicher

Mit Luka Modric verfügen die Spanier bereits über einen Spielmacher, der vor allem in der Rückrunde der vergangenen Saison zumeist die halbrechte Position neben Xabi Alonso bekleidete. Angel di Maria agierte halblinks höher und brachte Dynamik im Schatten von Cristiano Ronaldo ins Spiel. Für die Integration von Kroos verfügt Ancelotti über mehrere Optionen. Goal gibt einen Überblick:

1. Modric und Kroos als Doppelacht

In der Hinrunde der Saison 2013/14 war es oft noch Modric, der in der Mittelfeldzentrale höher agierte und als eine Art herumdriftender Achter auftrat. Nach der Verletzung von Sami Khedira rückte der kleine Kroate zurück und damit an die Seite Alonsos. In dieser tieferen Position hat er sich zu einem noch genialeren Passgeber in der madrilenischen Ballzirkulation entwickelt, kann sehr gut die Angriffe im zweiten Spielfeld-Drittel einleiten.

Kroos zeichnet ebenfalls die Fähigkeit aus, den Rhythmus einer Mannschaft entscheidend mitzubestimmen. Das ist zuweilen nicht einfach wahrnehmbar, aber er kann durch kleine Anpassungen die Aktionen beschleunigen oder etwas verlangsamen. Zudem ist der 24-Jährige ein Meister darin, den Gegner aus tieferer Stellung heraus mit seinen Zuspielen regelrecht zu sezieren.

Ancelotti könnte folglich im asymmetrischen 4-3-3 Modric im Mittelfeldblock wieder nach vorn ziehen, Kroos in der Nähe von Alonso positionieren. Wenngleich der deutsche Nationalspieler damit zunächst auf der ungewohnten halbrechten Seite agieren würde und sich entsprechend einige Abläufe womöglich entwickeln müssten. Durch den immer wahrscheinlicher werdenden Abgang von Sami Khedira könnte besonders in dieser Konstellation auch Alonso seinen Stammplatz halten. Der Routinier hat sich in der jüngeren Vergangenheit vom Spielstrategen zum Abräumer entwickelt, der aber immer noch technisch stark ist, den einen oder anderen xabi-esquen Diagonalball spielen kann.

2. Modric und Kroos als Doppelsechs

Würde Ancelotti jedoch auf ein 4-2-3-1 umstellen, könnte die Luft für Alonso langsam dünn werden. Da mit Isco ein weiterer hochtalentierter Offensivspieler im Kader steht und zudem die Gerüchte um eine Verpflichtung von James Rodriguez nicht abreißen, bestünde die Möglichkeit mit einer Doppelsechs bestehend aus Kroos und Modric zu agieren. Diese Variante ist gerade in Ligaspielen denkbar.

Beide sind einerseits im eigenen Ballbesitz enorm pressingresistent und können viele Spiele mit großer Dominanz bestimmen. Der Vorwurf, diese Konstellation sei zu "offensiv", lässt sich dadurch entkräften, dass Kroos und Modric gegen den Ball starke Pressingspieler sind und mit ihrer Intelligenz Deckungsschatten mit hoher Präzision einsetzen. Besonders in puncto Pressing hat Kroos in der Vergangenheit nochmals merklich zugelegt und sich weiterentwickelt. 

Schwierig wird es für ihn nur, wenn er zu hoch auf dem Spielfeld agieren muss, die Gefahr droht, isoliert zu werden. Denn der amtierende Weltmeister ist kein dynamischer Dribbler und auch kein aggressiver Bewegungsspieler. Insofern macht die Doppelsechs mit den beiden Strategen auch Sinn.

3. Kroos als Backup?

Doch ist ein Stammplatz für Kroos überhaupt garantiert? Vielleicht hat Real Madrid ihn auch nur für die qualitative Kaderbreite geholt und er soll lediglich Modric entlasten. Diese Annahme ist nicht komplett abwegig, denn beide sind sich in einigen Punkten recht ähnlich. Es bleibt die Frage, ob Ancelotti nicht sogar ein Verbindungsspieler ausreicht und er zur Stabilität lieber weiterhin Xabi Alonso auf der Sechser-Position behalten möchte. Zudem kann Modric im 4-3-3 seine Stärken eher aus der Tiefe heraus einbringen.

Kroos ist selbst aufgrund seiner Dynamikschwäche keine realistische Option für die Di-Maria-Rolle. Somit besteht natürlich die Gefahr, dass sich der deutsche Nationalspieler häufiger auf der Ersatzbank wiederfindet. Dies wäre allerdings pure Verschwendung. Und Angesichts seiner starken WM-Auftritte, der Ablöse von 30 Millionen Euro auch fragwürdig.

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