thumbnail Hallo,

Daley Blind: Van Gaals Fels in der Brandung

Der 24-Jährige ist einer der Garanten für den Erfolg der Elftal. Im flexiblen System von Louis van Gaal spielt er defensiv wie auch offensiv eine entscheidende Rolle.

Daley Blind gehörte vor der WM zum "No-Name-Block" in der niederländischen Defensive, die größtenteils aus der nationalen Eredivisie stammt und nur wenig internationale Erfahrung vorweisen kann. Trotzdem mauserte sich der Spieler von Ajax Amsterdam unter Bondscoach Louis van Gaal und dessen eigener Philosophie zum Grundpfeiler des jungen Erfolgs.

Dabei trägt Daley Blind ein schweres Erbe mit sich herum: Sein Vater Danny Blind ist eine Ajax-Legende, die zwischen 1986 und 1999 fünf Mal die niederländische Meisterschaft sowie den Europapokal der Pokalsieger, den UEFA-Cup und die Champions League gewann. Seit August 2012 sitzt er als Co-Trainer auf der Bank der niederländischen Nationalmannschaft – und ist damit der Vorgesetzte seines Sprösslings. Nach dessen spektakulärem WM-Debüt mit zwei Torvorlagen gegen Weltmeister Spanien dürfte Danny Blind mit seinem Sohn mehr als zufrieden gewesen sein.

Startschwierigkeiten bei Ajax

Vor nicht allzu langer Zeit lief es allerdings alles andere als rund beim Linksfuß. Nach seinem Debüt für Ajax Amsterdam im Jahr 2008 wurde der Verteidiger, der alle Stationen in der berühmten Jugendakademie von Ajax durchlief, an den FC Groningen ausgeliehen. Grund: Unter dem damaligen Ajax-Trainer Martin Jol kam er nicht zum Zug. Nach seiner Rückkehr zum niederländischen Rekordmeister gelang Daley Blind im Kalenderjahr 2012 unter Frank de Boer schließlich der große Durchbruch.

Knapp ein Jahr vor der WM schätzte der 24-Jährige seine Chancen auf eine Nominierung in die Elftal trotzdem nur gering ein: "Natürlich ist diese Weltmeisterschaft für mich ein Traum. Aber der ist noch weit weg." Diesen Traum erfüllte er sich unerwartet bereits am 13. Juni im ersten Gruppenspiel gegen Spanien.

Sein WM-Debüt feierte der Linksverteidiger auf eine ähnlich eindrucksvolle Art und Weise, wie den Einstieg in seine Nationalmannschaftskarriere im Februar 2013 gegen Italien: Defensiv war Blind stets zur Stelle, wenn er gebraucht wurde, ohne dabei die Offensive zu vernachlässigen. Seine Schnelligkeit, Ausdauer und hohe Passgenauigkeit kamen ihm zugute. In der abgelaufenen Saison der Eredivisie hatte Blind eine Passquote von rund 88 Prozent bei durchschnittlich 72,1 Pässen pro Spiel.

Weltmeister zu Füßen

Gegen die erfolgsreichste Nationalmannschaft der letzten Jahre bestach Blind dann vor allem mit seinen punktgenauen Flanken auf die eigenen Angreifer, mit denen er die spanische Defensive regelmäßig aushebelte. Robin van Persie und Arjen Robben dankten es ihm mit zwei Treffern innerhalb weniger Spielminuten. Zudem beteiligte sich der Verteidiger dauerhaft am Spiel der Elftal – mit 66 Ballkontakten war er der heimliche Gestalter sowie Dreh- und Angelpunkt.

Kein Wunder, dass nach dem erfolgreichen Einstand bei dieser WM direkt mehrere europäische Top-Vereine auf den 24-Jährigen aufmerksam geworden sind. So soll neben dem FC Liverpool auch Borussia Dortmund Interesse angemeldet haben. Wohin es Blind in den nächsten Jahren führen wird, steht derzeit wohl noch in den Sternen. Dass Louis van Gaal, der nach der WM Chef-Coach bei Manchester United wird, den Defensivakteur zu den Red Devils mitnimmt, scheint ebenfalls eine nicht auszuschließende Option.

Zu jeglichen Spekulationen wollte sich der niederländische Verteidiger bisher nicht äußern: "Natürlich ist die Aufmerksamkeit eine große Sache für mich. Aber ich versuche, mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben und mich auf die Nationalmannschaft zu konzentrieren."

Blind: Der niederländische Lahm

Dabei wusste Blind im Verein nicht nur als linker Verteidiger zu überzeugen. Er kam mittlerweile überwiegend im defensiven Mittelfeld zum Einsatz, beispielsweise beim 2:1-Erfolg über den FC Barcelona in der Gruppenphase der Champions League der Saison 2013/2014. Deswegen wird er in seiner Heimat von vielen mit Philipp Lahm verglichen. Aufgrund mehrerer Oberschenkelverletzungen von Nicolai Boilesen, der neuer Stammspieler auf der Position des linken Verteidigers ist, musste Blind ab und an auf seiner alten Position aushelfen, die er unter van Gaal auch in der Nationalelf bekleidet.

Trotz der Umschulung zum defensiven Mittelfeldspieler vertraut der Bondscoach auf Blind als linken Verteidiger, der in allen fünf WM-Partien von Oranje in der Startelf stand und nicht ausgewechselt wurde. Der 24-Jährige ist ein essentieller Bestandteil des Umschaltspiels der Niederländer bei Ballgewinn oder -verlust. Die Mannschaft agiert dabei vor allem bei gegnerischen Angriffen äußerst defensiv. Dieser Umstand schlug in der jüngsten Vergangenheit besonders den Fans in der Heimat häufig auf den Magen.

Diszipliniertes Umschalten statt "Totaalvoetbal"

Für die Abkehr vom "Totaalvoetbal", wie die niederländische Art des Fußballspielens seit den 70er Jahren bezeichnet wird, standen die Verantwortlichen der Nationalmannschaft in der Kritik. Bert van Marwijk, der die Elftal zwar ins Endspiel 2010 geführt hatte, wurde für den "hässlichen" Spielstil getadelt – unter anderem auch von Louis van Gaal, der nach dem verlorenen WM-Finale über die Partie sagte: "Ich finde nicht, dass sie attraktiv gespielt haben. Sie haben auf eine hässliche Art und Weise verloren. Dabei haben sie einige phantastische Spieler: Robin van Persie, Wesley Sneijder und Arjen Robben. Spanien verfügt zum Beispiel nicht über solche Stürmer. So hätte man nicht spielen dürfen."

Vier Jahre später setzt dieser nun selbst auf eine ähnliche Spielweise. Aus einem offensiven 4-3-3 wurde ein flexibles 5-3-2-System. Nach dem beeindruckenden 5:1 gegen Weltmeister Spanien und dem souveränen Gruppensieg verstummte die Kritik und ganz Oranje träumt vom ersten WM-Titel - mit Daley Blind als Grundstein des Erfolgs.

Dazugehörig