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Bayer Leverkusen feiert den erneuten Sprung in die Champions League - und zwei ganz unterschiedliche Helden.

Leverkusen. 10-Millionen-Mann Heung-Min Son sprang seinem Torhüter Bernd Leno auf die Schultern und herzte jeden, der ihm in den Weg kam. Jugendleiter Sascha Lewandowski wehrte sich mit Händen und Füßen gegen den Sprung auf den Zaun. So unterschiedlich die beiden Helden von Bayer Leverkusen sind, so unterschiedlich feierten sie auch den Einzug in die Champions-League-Qualifikation.

Der Südkoreaner Son holte mit dem entscheidenden Tor (53.) zum 2:1 (1:1) gegen Werder Bremen seine zweistellige Ablösesumme praktisch mit nur einem Kopfball wieder rein und sprach sichtlich bewegt von einem "geilen Gefühl". Interimstrainer Lewandowski landete nach Erfüllung seiner "schier unmöglichen Mission" (Geschäftsführer Michael Schade) doch auf dem Zaun.

"Riesenkompliment" an Lewandowski

"Ein Interimstrainer hat nichts auf dem Zaun zu suchen. Aber aus der Nummer kam ich nicht mehr raus", sagte der 42-Jährige schmunzelnd. Schade zollte Lewandowski "ein großes Riesenkompliment" - von daher wäre es auch logisch gewesen, Lewandowski zu behalten, anstatt geschätzte 1,5 Millionen Euro Ablöse für Roger Schmidt zu zahlen.

Doch der Coach sprach von einer "Grundsatzentscheidung" gegen den Profi-Fußball. "Es gab auch Anfragen von anderen Vereinen, aber es war nicht mit ihm zu reden", betonte Sportchef Rudi Völler.

Am Samstag schloss Lewandowski eine Rückkehr in die Bundesliga allerdings "nicht auf alle Ewigkeit aus". Seine Aufgabe als Jugendleiter in Leverkusen sei "ein Langzeitprojekt. Aber man muss schauen, welche Situation sich in ein oder zwei Jahren stellt".

Königsklasse war schon abgeschrieben

Mit 13 von 15 möglichen Punkten erfüllte er nach der Mission Europa League 2011 und der Mission Champions League 2012 auch die wohl schwierigste dritte. Denn bei der Entlassung seines Vorgängers und vorherigen Partners Sami Hyypiä hatte Bayer die Königsklasse eigentlich schon abgeschrieben. "Wir haben geglaubt, dass wir 15 Punkte brauchen", verriet Schade: "Und wir haben nicht realistisch damit gerechnet, 15 Punkte zu holen."

Auch am letzten Spieltag wurde es noch zu einer "Zitterpartie" (Völler). Nach dem Rückstand durch Theodor Gebre Selassie (21.) und dem Ausgleich von Ömer Toprak (33.) war Bayer bei gleichzeitiger Führung des VfL Wolfsburg in der Blitztabelle auf Rang fünf abgerutscht. Am Ende konnte Schade ein erleichtertes Saisonfazit ziehen: "Wir haben stark begonnen, dann stark nachgelassen und sind zum Glück wieder stark zurückgekommen."

Lässt Wolfsburg bald die Muskeln spielen?

In der kommenden Saison will Bayer aufrüsten. Neben dem brasilianischen Linksverteidiger Wendell (5,5 Millionen Euro) und dem Nürnberger Stürmer Josip Drmic soll bei Abstieg des Hamburger SV auch Spielmacher Hakan Calhanoglu kommen. Generell betrachtet unkte Völler aber: "Wenn Wolfsburg finanziell die Ärmel hochkrempelt, werden wir es schwer haben. Von Leipzig ganz zu schweigen."

Bei Werder sprach Kapitän Clemens Fritz nach einer "Achterbahnfahrt" von der "besten ersten Halbzeit der Saison". Trainer Robin Dutt freute sich, "dass es langsam in die Richtung geht, die ich mir vorstelle". Ob das bedeutet, dass der einstige Champions-League-Dauergast nächste Saison wieder angreifen will, wollte Dutt noch nicht beantworten: "Wir legen nächste Woche in einer Saisonanalyse erst einmal die Rahmenbedingungen fest."

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