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FC Bayern München: Kein Wille, kein Biss, kein Triple

Zwei einstudierte Standardsituationen reichen aus, um den Triple-Gewinner aus dem Wettbewerb zu kegeln. Die schwächste Phase der Saison kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

NACHBERICHT
Von Fabio Porta aus der Allianz Arena

Mit gesenktem Kopf laufen die Spieler des FC Bayern München durch die Mixed Zone. Gegen Real Madrid geht der Titelverteidiger mit 0:4 unter – die Königlichen haben der Elf von Pep Guardiola nicht nur die Grenzen aufgezeigt, sondern alle Schwächen der letzten Wochen gnadenlos ausgenutzt. Die Verteidigung der Champions League bleibt ein Traum, der Stachel der Enttäuschung sitzt tief.

An Unterstützung mangelt es nicht: Mit einer fantastischen Choreographie begrüßen die Fans ihren Verein und lassen die Allianz Arena beben, doch spätestens nach der 16. Minute wird es still. Ausgerechnet Sergio Ramos, der vor zwei Jahren im Halbfinale noch einen Elfmeter verschoss, ist zur Stelle und eilt Müller davon: "Ganz unbeteiligt war ich nicht", erklärt Müller gewohnt selbstkritisch. "Nach dem 0:1 war schon noch die Hoffnung, noch drei Tore zu erzielen", meint Philipp Lahm.

Nur vier Minuten später ist es wieder Ramos, der mit dem 2:0 die Spanier fast im Alleingang ins Finale schießt. "Wir haben diese Varianten einstudiert. Dass daraus gleich zwei Tore werden, ist natürlich toll", so ein zufriedener Carlo Ancelotti. Das 3:0 durch Cristiano Ronaldo steht sinnbildlich für die Schwäche der Bayern: Ein blitzschneller Angriff, Bale ist zu schnell für Boateng und Ronaldo macht die 15 voll – ein neuer Rekord in der Champions-League-Geschichte. "Es ist ein Traum. Es war ein großartiges Ergebnis und ein perfektes Spiel", ließ ein überglücklicher Gareth Bale verlauten.



Dabei hat Real Madrid, für einige überraschend, im Rückspiel viel mehr riskiert - der Plan von Ancelotti ist vollends aufgegangen: "Gestern wurde noch über Catenaccio gesprochen, das hat mich ein bisschen aufgeregt", erklärt der Italiener, der Guardiola in zwei Spielen auch auf taktischer Ebene klar besiegt hat. Thomas Müller hat nur Lob für den Gegner übrig: "Madrid hat es extrem gut gemacht. Sie waren zu jeder Zeit mit acht Mann hinter dem Ball und das stimmt schon, dass wir uns aktuell gegen so Kaliber schwer tun. Es lag nicht an der Effizienz, sondern wir hatten keine Torchancen. Das lag sicher auch an der disziplinierten Leistung von Real Madrid."

Der Unterschied bei Real Madrid im Vergleich zu den letzten Jahren ist, dass sie als Team agieren, angreifen und verteidigen. Gareth Bale und Angel Di Maria haben sich mehr auf die Defensive konzentriert und anderen den Vortritt gelassen. Im Mittelfeld ist Modric Dreh- und Angelpunkt, hinten lieferte Pepe einmal mehr ein überragendes Spiel ab. Der Portugiese gewinnt 90,9 Prozent seiner Zweikämpfe – ein unüberwindbarer Fels in der Allianz Arena.

"Müssen den Arsch wieder hochkriegen"

SPIELSTATISTIKEN | FC Bayern vs. Real Madrid

 Schüsse
 Auf das Tor
 Ballbesitz
 Ecken
 Pässe
Bayern
19
4
69%
9
656
Real
13
5
31%
5
286

Natürlich spielte die aktuelle Form des FC Bayern den Königlichen in die Karten. Seit Wochen deutete sich an, dass die Guardiola-Elf seit der Meisterschaft nicht mehr auf der Höhe ist. Den absoluten "Tiefpunkt" hat man nun gegen Real erreicht: "Im Nachhinein kann man viel sagen. Es ist Tatsache, dass uns ab dann die Form abhandengekommen ist, aber die frühe Meisterschaft hat heute nicht dafür gesorgt, dass wir zwei Gegentore nach Standardsituationen bekommen und rausfliegen", meint Müller.

Seit Wochen ist Ribery außer Form, seit Wochen ist das Abwehr-Duo Dante/Boateng nachlässig und nicht auf Top-Niveau, doch es liegt an der gesamten Mannschaft. "Der Frust ist groß, bei uns allen", so Toni Kroos. Lahm will den Teufel nicht an die Wand malen: "Jeder Spieler ist sehr enttäuscht. Aber jetzt wieder alles schlecht zu sehen – da mache ich nicht mit." Auch Thomas Müller sieht die Saison mit gemischten Gefühlen: "Natürlich ist der Anspruch beim FC Bayern besonders nach dem Triple gestiegen, daran müssen wir uns messen lassen. Das war heute eine bittere Niederlage und wir können nicht sagen `Hurra, wir waren im Halbfinale. Schön, dass wir dabei waren` – man muss auch irgendwo die Kirche im Dorf lassen. Wir müssen jetzt den Arsch wieder hochkriegen."

Ausgerechnet in den wichtigsten Wochen der Saison leistet sich der FC Bayern kollektiv eine Auszeit und erlegt sich selbst dem eigenen Schicksal. Diskussionen über die "eintönige" Spielweise von Pep Guardiola sind fragwürdig, schließlich wusste der Spanier bis vor einigen Wochen noch zu begeistern und man sprach von den besten Bayern aller Zeiten. Es bleibt dabei: Keine Mannschaft kann den Champions-League-Titel verteidigen, auch nicht der FC Bayern München.

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