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Pep bleibt Pep: "Ich kann mich nicht verstellen"

Bis zum Titel-Gewinn Ende März war alles prima, gerade vor dem Rückspiel gegen Real aber wird deutlich: Der FC Bayern und Trainer Guardiola fremdeln noch immer ein bisschen.

München. Am Tag vor dem Spiel gegen Real Madrid ließ Pep Guardiola einen bemerkenswerten Satz fallen. "Wir werden", sagte der Trainer von Bayern München da, "wir werden Probleme bekommen, wenn wir die kleinen Erfolge nicht mehr genießen können." Da sprach ein Mann, der nicht ganz verstehen konnte oder wollte, dass die Bilanz seiner ersten Saison in München davon abhängen sollte, ob er jetzt das Endspiel in der Champions League erreicht oder nicht.

Guardiola weiß, dass der FC Bayern im vergangenen Jahr das Triple gewonnen hat, er weiß, dass die Vergangenheit der Maßstab ist für die Gegenwart, er weiß, dass er gefälligst das Triple verteidigen sollte. Er weiß, dass "ich mich anpassen muss", will heißen: Dass er akzeptieren muss, dass für den deutschen Rekordmeister manchmal auch das Gute nicht gut genug ist. Es muss das Beste sein, immer, weil sich das Beste natürlich nicht steigern lässt.

"Jeden Erfolg genießen"

Für Guardiola war die Saison schon vor diesem Spiel am Dienstag ein Erfolg - und er ist irritiert, dass man das anders sehen kann. Wenn er alleine sei "mit meinem Kopf" und mit "meinen Leuten", dann, so erklärt der Trainer, "realisieren wir: Bundesliga gewonnen im März, Pokalfinale, Halbfinale gegen Real". Und all das, "das ist nicht selbstverständlich". Das ist es in der Tat nicht, deswegen klang diese Einlassung auch nicht wie eine vorsorgliche Ausrede.

"Wir müssen", sagte Guardiola, "jeden Erfolg genießen, den großen und den kleinen." Ein Erfolg, erläuterte der Trainer, sei für ihn auch der Sieg in einem normalen Bundesligaspiel, zwischenzeitlich aber erweckte Guardiola, erweckte der FC Bayern dann doch eher den Eindruck, als schätze er den kleinen Erfolg weniger als den großen. "Die Bundesliga ist vorbei", sagte der Katalane so oft, dass die Münchner Spielrhythmusstörungen bekamen.

Bayern-Maschine stottert

Seit Ende März steht deshalb auch die Spielidee von Guardiola auf dem Prüfstand, besonders bei zwei Spielen in der Champions League, dem Viertelfinal-Hinspiel bei Manchester United (1:1) und eben dem Halbfinal-Hinspiel bei Real (0:1) war auffällig: Der FC Bayern war die überlegene Mannschaft, hatte selbstverständlich Ballbesitz ohne Ende - hatte aber nur wenige bis gar keine Chancen, traf das Tor selten bis nicht und war in der Abwehr sehr anfällig.

Zur Verwunderung vieler spanischer, vor allem auch katalanischer Journalisten, die zum Spiel gegen Real nach München gekommen waren, hat sich Guardiola für seine Spielidee zuletzt rechtfertigen müssen - und so fragten sie ihn denn auch, wie das denn sei mit der Kritik an ihm. Geduldig und zugleich leidenschaftlich erläuterte der Trainer also, warum er dabei bleibe, "dass dieses Spiel darauf ausgelegt ist, dass man den Ball hat".

Ballbesitz aus Überzeugung

Wenn Ballbesitz nicht automatisch auch zu Toren führt, wird die Sache freilich problematisch. Von dieser Lehre zur kompromisslos dominanten Spielweise will und wird sich Guardiola allerdings auch nicht abbringen lassen. Eine andere Spielweise? Nein. Wie soll das auch gehen? "Ich kann von meinen Spielern nichts verlangen, was ich nicht vorlebe, ich kann sie nicht betrügen, ich kann mich nicht verstellen", sagte Guardiola mit Verve.

Da wird sich also der FC Bayern wohl oder übel anpassen müssen. Denn, wie hat Guardiola schon oft gesagt: "Wir leben und sterben mit unserer Spielweise." Womit wieder die Frage auftaucht: Muss Grabesstimmung herrschen, wenn man Meister wird, im Pokalfinale steht und im Halbfinale der Champions League?

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