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Der ehemalige Barca-Coach hofft auf einen Sieg gegen seinen ewigen Rivalen aus Madrid, den er seinem am Freitag verstorbenen Freund Tito Vilanova widmen möchte.

KOMMENTAR
Von Ben Hayward

Pep Guardiola starrte ausdruckslos ins Leere. Bayern München hatte gerade das dritte Tor erzielt und damit den Rückstand gegen Werder Bremen gedreht. Der Grundstein für den späteren 5:2-Erfolg wurde gelegt, doch der 43-Jährige war mit seinen Gedanken woanders.

Weniger als 24 Stunden zuvor hatte Guardiola mit Tito Vilanova einen seiner besten Freunde nach dem zweieinhalb Jahre dauernden Kampf gegen den Krebs verloren. Ernst dreinblickend und einen schwarzen Trauerflor aus Respekt gegenüber seinem ehemaligen Assistenten und Seelenverwandten tragend wirkte Pep sichtlich verstört.

Nach der Partie richtete der Trainer Worte der Unterstützung an Titos Familie: "Ich möchte seinem Vater Joaquim, seiner Mutter Maria Rosa, seiner Frau Montse, seiner Tochter Carlota und seinem Sohn Adria im Namen meiner Eltern, meiner Familie und meinen Brüdern und Schwestern unser Beileid aussprechen."

BAYERN SEIT DEM TITELGEWINN
Hoffenheim (H) 29.03. 3:3
Man Utd (H) 01.04. 1:1
Augsburg (A) 05.04. 0:1
Man Utd (H) 09.04. 3:1
Dortmund (A) 12.04. 0:3
Kaiserslautern (H) 15.04. 5:1
Braunschweig (A) 19.04. 2:0
Real Madrid (A) 23.04. 1:0
Bremen (H) 26.04 5:2

"Wir waren jung, wollten die Welt erobern und wir haben es geschafft. Alles, was ich sagen kann, ist, dass mich diese Traurigkeit nun mein ganzes Leben begleiten wird – für immer."

Guardiola wirkte nach Bayerns 0:1-Niederlage im Halbfinal-Hinspiel der Champions League am vergangenen Mittwoch in Madrid bedrückt und gab damit ein Spiegelbild seiner vom Platz schleichenden Spieler wider. Und nun, kurz nach der Beerdigung Vilanovas, erwartet die Bayern das schwierigste Spiel der Saison.

Pep muss seine Mannschaft nun aufrichten und auf diese Partie einschwören. Der Verlust Titos hat ihn schwer getroffen und wegen der Vorbereitung auf das Spiel am Dienstag war Guardiola nicht imstande, am Montag zu der Zeremonie nach Barcelona zu reisen, um sich von seinem Freund zu verabschieden. Dies wird später folgen.

Nicht zum ersten Mal muss er seine Mannschaft unter schwierigen Umständen, die nicht in seinem Einflussbereich liegen, auf eine wichtige Partie vorbereiten. In der Champions-League-Saison 2009/2010 verhinderte die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull die Anreise des FC Barcelona zum Halbfinal-Rückspiel bei Inter Mailand per Flugzeug. Schließlich fuhren Guardiola und sein Co-Trainer Vilanova mit der Mannschaft im Bus und schieden gegen die von Mourinho trainierten Mailänder sang- und klanglos mit 1:3 aus.

Der Anlass war mit der Tragik um Tito Vilanovas Tod natürlich nicht zu vergleichen. Allerdings war dies auch die erste große Herausforderung in Peps Trainerkarriere. Während seiner letzten Spielzeit in Spanien 2011/2012 erkrankte dann sein Assistent und die perfekte Partnerschaft fand mitten in der Saison ein ebenso trauriges wie jähes Ende.

Als Guardiola im Januar 2012 mit dem Ballon d´Or als bester Trainer geehrt wurde, schloss dieser seine Dankesrede mit ergreifenden Worten für seinen Freund. "Ich möchte diesen Preis Tito Vilanova widmen, meinem Freund, meinem Begleiter, meinem Assistenten – jemandem, der immer bei uns sein wird", sagte er und fuhr fort: "Aus der Tiefe meines Herzens, Tito, das ist für dich."

Leider weilt Tito nun nicht mehr unter uns. Aber er wird am Dienstagabend in Peps Gedanken sein. Und der will jenem Mann, der ihm geholfen hat, so weit zu kommen, einen weiteren Sieg widmen. Gerade weil es ausgerechnet gegen Real Madrid geht. Der Klub, den beide Männer während ihrer gemeinsamen Zeit im Camp Nou so gerne geschlagen haben. Es kann keine größere Motivation geben

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