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FC Bayern München: Vom Standby-Modus in den Turbo geschaltet

Der Titelverteidiger kommt so richtig schwer in die Gänge, bis ein Urknall für die Erleuchtung sorgt und den FC Bayern ins Halbfinale bringt.

NACHBERICHT
Aus der Allianz Arena berichtet Fabio Porta

Gut gelaunt liefen Philipp Lahm, Thomas Müller und Co. nach dem 3:1-Sieg im Rückspiel gegen Manchester United durch die Mixed Zone. Fast täuschte der Anblick der Stars des FC Bayern München darüber hinweg, dass sich die Hürde ManUnited als viel schwieriger erwiesen hatte als zunächst angenommen.

Bis auf die 700 freien Plätze, die aufgrund einer Strafe der UEFA freibleiben mussten, war die Allianz Arena restlos ausverkauft. Zum Anpfiff zeigten die Fans gleich, wer der Titelverteidiger ist. "Kings of the Cup", hieß es auf dem Riesenbanner. Das Spiel war angerichtet.

Guardiola experimientiert weiter

Pep Guardiola ließ sich einmal mehr zu einem Experiment hinreißen: Auf dem Papier waren Philipp Lahm und David Alaba die nominellen Außenverteidiger, auf dem Platz sah das anders aus. Lahm und Alaba rückten immer wieder ins Mittelfeld, Kroos unterstützte dann Boateng und Dante in der Innenverteidigung. Somit sollte das Spiel der Bayern variabler und anpassungsfähiger werden, doch im ersten Durchgang wurde den Fans eher Magerkost geboten.

Manchester United ging von der ersten Minute an noch aggressiver zu Werke als vor einer Woche und ließ im Grunde überhaupt nichts zu. Dem FC Bayern fiel wenig ein, außer nach vermeintlichen Fouls den Schiedsrichter fragend anzuschauen. Die Red Devils zeigten Einsatz, gingen mit viel Selbstbewusstsein in die Partie, was die Bayern nervös machte. Pässe kamen nicht an, Neuers Abschläge landeten teilweise im Aus. "Wir haben das Spiel gut aufgezogen, aber wie schon in Manchester ein Handball-Spiel gemacht", so Thomas Müller. Insgesamt gelangen den Bayern 540 Pässe – in Manchester lag dieser Wert noch bei 767.

Die erste Hälfte war nicht hochklassig, aber hochintensiv. United wurde immer giftiger, Bayern suchte ein Gegenmittel. Zu dem Zeitpunkt fanden Franck Ribery und Arjen Robben überhaupt nicht statt. Pep Guardiola versuchte an der Seitenlinie, seine Spieler zu animieren und dirigieren – vergebens. "So schlecht war unser Spiel in der ersten Halbzeit nicht, wir haben wenig zugelassen", meinte Philipp Lahm.



Evra weckt Bayern auf

Es musste so kommen: Patrice Evra fasste sich in der 57. Minute ein Herz und knallte das Leder per Dropkick unhaltbar in den Winkel. Spätestens jetzt war den Bayern klar: Es muss was passieren. "Der Treffer hat uns gewurmt und gereizt", erklärte Thomas Müller nach der Partie. Während die Red Devils noch ihren Treffer bejubelten, klingelte es bereits auf der Gegenseite: "Es war wichtig für uns, dass wir 1:1 früh machen, damit wir nicht unsicher werden. Je länger so ein Rückstand andauernd, umso hektischer ist man dann auch als erfahrener Spieler", beschrieb Müller die Wirkung des schnellen Gegenschlags.

An der Seitenlinie suchte Pep Guardiola nun das Gespräch mit Ribery. Mit wilder Gestik pushte er den Franzosen, der ganz plötzlich anfing, Fußball zu spielen. Auch Arjen Robben fand nun seine Lücken, in die er stoßen konnte. Es war ein anderes Gesicht des FC Bayern, entschlossen, gereizt: "Die Mannschaft hat einen Top-Charakter, das sieht man in solchen Situationen", befand Müller. Philipp Lahm sah das ähnlich: "Nach dem 0:1 war es sehr, sehr wichtig, zurückzuschlagen, sonst überlegen die Spieler noch, was jetzt passiert. Wir haben Moral gezeigt und gut reagiert."

Dass ausgerechnet Müller für das 2:1 sorgte, war bezeichnend für diese Partie. Die Bayern rannten so wütend an, dass Manchester kaum mehr Luft bekam. Diese wilde Entschlossenheit brachte den Titelverteidiger in Front, ehe Arjen Robben sogar für das 3:1 und damit für die Entscheidung sorgte.



Pep elektrisiert die Fans

An der Seitenlinie lief Guardiola heiß: Er animierte die Fans, die Mannschaft noch mehr anzufeuern, auch Ribery wurde weiter gepusht und nach vorne getrieben. Der Katalane schien zu spüren, dass seine Mannschaft das nicht alleine schafft und stand fast über 90 Minuten unterstützend in der Coaching Zone, so lange auf die Spieler einredend, bis es fruchtete. Die Bayern mussten erst richtig gereizt werden, um zu überzeugen.

Im Viertelfinale ging das noch einmal gut, doch im Halbfinale wird die Luft dünner: Mit Atletico Madrid, Real Madrid und dem FC Chelsea warten Kaliber auf den Titelverteidiger, die eine Führung nicht so leicht aus der Hand geben werden.

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