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Die FIFA-Auszeichnung ist auf bestem Wege, zu einem Popularitätswettbewerb zu verkommen. Das ist gegen den Geist des Spiels und es gibt eine Alternative!

KOMMENTAR
Von Tony Mahoney

Arsene Wenger verkündete vor wenigen Tagen eine unangenehme Wahrheit zum Ballon d'Or. Der Coach des FC Arsenal hält es für falsch, individuelle Auszeichnungen in einer Mannschaftssportart zu verleihen.

"Ich bin gegen individuelle Awards", sagte er. "Es werden Einzelne hervorgehoben und das geht doch gegen die Grundwerte unseres Sports. Ich wehre mich wie verrückt gegen den Ballon d'Or, denn er schadet dem Fußball. Unterbewusst werden Spieler dazu verführt, ihre individuelle Leistung über jene ihrer Mannschaft zu stellen."

Schluss mit dem Wahlkampf!

Die Nominierungen für die Auszeichnung in diesem Jahr unterstreichen die Sorgen Wengers und die Wahlkampf-ähnlichen Kampagnen der Kandidaten sind gewiss ein besorgniserregendes Zeichen für die Zukunft.

Doch so muss es ja gar nicht sein. Die FIFA könnte sehr wohl einen Weg finden, herausragende Individualisten für ihre Leistungen zu ehren, schließlich sind es diese Leistungen, die zu außergewöhnlichen Teamerfolgen führen. Allerdings muss es ja nicht in diesem Popularitätswettbewerb Marke "Eurovision Song Contest" gipfeln, der es aktuell geworden ist.

Es ist eine schwierige Aufgabe, drei Spieler zu finden, die in einem Kalenderjahr mehr herausstachen als alle anderen. Und doch gibt es verdientere Kandidaten als jenes Trio, das am 13. Januar in der Schweiz gefeiert wird.

Die Auswahlkriterien sind einfach und sie basieren auf Wengers Aussagen, dass die Mannschaftsleistung der fundamentale Wert im populärsten Sport der Welt ist. Es muss also um Spieler gehen, die mit ihren Vorstellungen ihr Team zu Erfolgen geführt haben, die so nicht erwartet werden durften. Außerdem ist das "Erbe" der Leistungen ein wichtiger Faktor: Was wird aus dem Fußballjahr 2013 in Erinnerung bleiben?

Dies ist eine alternative Shortlist für den Ballon d'Or. Teilt uns Eure Meinungen via Social Media oder in den Kommentaren unter dem Artikel mit!

PHILIPP LAHM FÜR FRANCK RIBERY


Es besteht keinen Zweifel daran, dass Bayern München das herausragende Team des Jahres 2013 war. Abgesehen vom deutschen Supercup gewann der FCB jeden Titel, den es zu gewinnen gab, und zu Beginn des Jahres 2014 ist die Ausgangsposition für ein weiteres Jahr voller Erfolge glänzend.

Analysiert man, was die Bayern erreicht haben, wird deutlich, dass der Erfolg auf der bärenstarken Defensive basierte. Nur drei Gegentreffer kassierte der Champions-League-Gewinner während der K.o.-Phase der Königsklasse. In der Bundesliga waren es elf Gegentore in der zweiten Saisonhälfte (fünf davon, nachdem der Titel im April eingetütet war). Und in dieser Saison sind es ebenfalls erst acht Gegentreffer. Sprich: In den Bundesligaspielen, in denen es drauf ankam, schlugen die Gegner im gesamten Kalenderjahr nur 13 Mal zu.

Natürlich waren die Bayern auch offensiv bärenstark: Dafür sprechen 42 Tore in 16 Bundesligapartien dieser Saison und das 7:0 in der Endabrechnung gegen Barcelona im Champions-League-Halbfinale der Vorsaison. Jedoch ist es die Defensivbilanz, welche die Roten noch einmal von den großen Teams der Vergangenheit abhebt.

Starke Offensive, stärkere Defensive

Es nicht möglich, den Ballon d'Or an eine gesamte Abwehr - inklusive Torhüter und Mittelfeldspielern - zu verleihen. Logisch wäre es also, einen Spieler auszuzeichnen, der diese Defensive verkörpert. In Sachen Konstanz und Stärke tut dies keiner mehr als Kapitän Philipp Lahm.

Während Franck Ribery die Lorbeeren als Anführer der "Abteilung Attacke" einheimst, wäre auch Bastian Schweinsteiger noch ein Kandidat. Der Mittelfeldstratege überzeugte in Angriff und Verteidigung gleichermaßen und nahm bei den Münchenern ebenfalls eine Schlüsselrolle ein.

Die Abwehr der Bayern aus dem Vorjahr wird als eine der Besten überhaupt in die Geschichte eingehen. Aber kann man dies auch vom Sturm behaupten? Eher nicht, und daher sollte der Kandidat auf den Gewinn des Ballon d'Or Philipp Lahm heißen.

ROBERT LEWANDOWSKI FÜR LIONEL MESSI


2013 war ziemlich vorhersagbar. Die Spitzenklubs gewannen ihre heimischen Ligen. Und die Bayern waren vor der Saison zwar nicht unbedingt der Topfavorit auf den Erfolg in der Königsklasse, doch überraschend kam ihr Triumph in Wembley auch nicht.

Das eine Team, das jedoch die Wahrscheinlichkeiten außer Acht ließ, war Borussia Dortmund. Zum zweiten Mal in der Geschichte der Champions League schaffte es ein Verein aus Lostopf vier ins Endspiel. Und dabei war das 4:1 im Halbfinalhinspiel gegen Real Madrid das Ergebnis der Saison. In jenem Spiel wurden die Fans zudem Zeuge der brillantesten Einzelleistung der Saison: Alle vier Tore markierte Robert Lewandowski. Wenn einmal auf die Rekorde des Jahres 2013 geblickt wird, ist dies die Leistung, die in Erinnerung bleibt.

Vier Tore in einem Spiel der Champions League sind schon selten genug. Aber vier Tore in einem Halbfinale gegen den ruhmreichsten Klub mit der teuersten Mannschaft der Welt? Vermutlich wird dieses Kunststück nicht noch einmal passieren.

Eine Schwalbe macht natürlich noch keinen Sommer. Auch Lionel Messi setzte wundervolle Highlights und bewahrte Barcelona zum Beispiel praktisch im Alleingang vor dem Ausscheiden gegen den AC Milan. Lewandowski muss sich jedoch mit seinen Zahlen nicht hinter Messi verstecken.

Der Pole markierte 36 Pflichtspieltore für den BVB, Messi gelangen derer 41 für Barca. Natürlich wäre die Differenz ohne die Verletzungsprobleme des Argentiniers größer. Doch das ist nicht der springende Punkt: Es geht um das Level von Unterstützung und Erwartungen. Von Barcelona und Messi wird erwartet, dass man La Liga gewinnt und ins Endspiel der Champions League einzieht. Diese Mannschaft ist an einem guten Tag die beste Angriffsmaschinerie der Welt. Und ihre gesamte Kreativität hat das Ziel, Messi in Szene zu setzen.

Messi hat also 2013 seinen Job erledigt. Er hat Tore erzielt und damit bewiesen, dass er zu Recht der Fixpunkt dieser formidablen Barca-Elf ist. Mehr aber auch nicht. Die Latte liegt bei ihm so hoch, dass bereits etwas weniger Erfolg gegen ihn gewertet wird.

Lewandowski trifft auch ohne die besten Zuarbeiter der Welt

Dortmund hat auf der anderen Seite die Erwartungen übertroffen. Platz zwei in der Bundesliga ist angesichts des deutlichen höheren Budgets der Bayern das Maximum für die Schwarz-Gelben. Aus diesem Grund hätte der Klub auch nicht in das Finale der Champions League "gehört". Schließlich waren dort auch finanzkräftigere Vereine wie Real Madrid, Barcelona, Manchester United, Paris Saint-Germain und Chelsea am Start.

Kann die Klasse von Lewandowskis Mitspielern mit jener der Messi-Kollegen verglichen werden? Lewy landete in den Torjägerlisten von Champions League und Bundesliga jeweils auf Platz zwei. In dieser Saison führt er das Ranking in Deutschland an - obwohl Mario Götze verkauft wurde und der BVB mit schlimmem Verletzungspech zu kämpfen hat.

Was außerdem beeindruckend ist: seine Einstellung. Er verlässt Dortmund im Sommer in Richtung Bayern. Dennoch haut er sich nach wie vor voll rein und erkämpft seiner gebeutelten Mannschaft wertvolle Punkte.

Lautet das Kriterium, ein Spieler muss sein Team zu Leistungen geführt haben, die so nicht erwartet wurden, dann gehört Lewandowski auf die Liste.

GARETH BALE FÜR CRISTIANO RONALDO


Die schwierigste Entscheidung. Es steht außer Frage, dass Cristiano Ronaldo die besten individuellen Statistiken des Jahres 2013 vorweisen kann. Aber was hat es genutzt? Real Madrid hatte keine Chance auf den Titel in der Primera Division, wurde im Finale um die Copa del Rey ausmanövriert und scheiterte in der Champions League an Borussia Dortmund.

Ronaldo schlug in vielen Partien zu, aber es waren selten entscheidende Treffer, als es um die Wurst ging. Dabei dürfen wir nicht vergessen, welch großartige Voraussetzungen Real im Vorjahr hatte: die teuerste Mannschaft der Welt, den bestbezahlten Trainer und den wertvollsten Spieler. Trophäen waren erwartet worden, doch heraus kam lediglich der spanische Supercup.

Der Portugiese netzte mit verblüffender Leichtigkeit ein. Er ragte aus einem Team heraus, das aufgebaut wurde, um ihn einzusetzen. Auf ihn fokussierte sich das Spiel der Blancos und dieser Umstand spielte Barcelona, Dortmund und Atletico Madrid in die Karten, als es drauf ankam.

Ronaldo ist mittlerweile der bestbezahlte Kicker der Welt und das entspricht auch seiner Form. Aber hat er 2013 die Erwartungen übertroffen? Und haben seine Leistungen Real Madrid auf ein neues Niveau gehoben?

Die Antwort liegt vermutlich in der Verpflichtung Gareth Bales. Real war 2012/13 von Ronaldo abhängig. Nun kam ein Spieler für 100 Millionen Euro, der auch noch auf derselben Position zu Hause ist. Wie auch immer Real diesen Wechsel verkaufen mag, er ist auch eine Ohrfeige für das auf Ronaldo konzentrierte Spiel unter Jose Mourinho.

Bale schnappte van Persie und Mata die Preise weg

Apropos Bale: Dem Waliser gelang es ebenfalls nicht, seine Mannschaft auf ein neues Niveau zu heben. Tottenham schrammte an den Champions-League-Rängen vorbei und gewann keinen Titel. Am Ende stand Platz fünf in der Premier League und das entspricht ziemlich genau den Erwartungen, die es im Vorfeld der Saison gegeben hatte.

Klar ist aber auch, dass die Spurs ohne Bale deutlich schlechter dagestanden hätten. Bale erzielte 15 Tore für die Nordlondoner und gewann souverän die beiden größten Auszeichnungen zum Spieler des Jahres in England Eliteliga. Nur für den Hinterkopf: Dies war auch das Jahr, in dem Robin van Persie Manchester United zur Meisterschaft schoss und Juan Mata die Premier League im Sturm eroberte.

Ein weiterer netter Aspekt: Sieben Treffer in fünf aufeinanderfolgenden Matches, das gelingt in der Premier League selten genug. Und wenn, dann passiert dies echten Torjägern. Auch der Mittelfeldakteur und einstige Linksverteidiger Gareth Bale schaffte dieses Kunststück zwischen Januar und März. Englands Liga gilt nach wie vor als ausgeglichenste der Welt und umso höher ist die Leistung einzuschätzen.

Man schaue sich außerdem die Mitspieler an. Auf der einen Seite Aaron Lennon, Lewis Holtby und Gylfi Sigurdsson, auf der anderen Mesut Özil, Angel Di Maria und Luka Modric. Kein Vergleich!

Nun wird so mancher sagen, Bale sei kein guter Kandidat für den Ballon d'Or, weil er sich noch nicht in der Champions League bewiesen hat. Bei den Spurs hatte er dazu schlichtweg keine Gelegenheit und mit Real lässt es sich für ihn in Europas Königswettbewerb gut an: In drei Partien netzte er zweimal ein, unter anderem gegen Juventus Turin.

Er kann nur besiegen, was ihm vorgesetzt wird. Und dass er das erste Halbjahr für einen Klub glänzte, der nicht zur absoluten Spitzenklasse zählt, das sollte für ihn sprechen. Seine phänomenale Saison bei Tottenham nutze er als Sprungbrett nach Madrid. Nach verletzungsbedingten Schwierigkeiten zu Beginn steht er dort mittlerweile bei sieben Toren in zehn Begegnungen, dazu kommen zahlreiche Assists.

Seit 1951 ist er nach Alan Shearer erst der zweite britische Spieler, für den eine Weltrekordablöse gezahlt wurde. 2013 war das Jahr des endgültigen Durchbruchs für den walisischen Flügelflitzer und er verdient dafür die echte Anerkennung.

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