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"Dörings Ballspielverein": Rechte Bedrohung auf der Süd

Die neue Gefahr in den Bundesliga-Stadien sind Neonazis. Auch bei Borussia Dortmund drängen sie immer mehr in den Fanblock. Anhänger und Verein müssen sich wehren.

KOLUMNE
Von Stefan Döring

Wenn ich zuletzt in meiner Kolumne über Borussia Dortmund schrieb, ging es um die Stimmung im Stadion, um die Rückkehr von Mario Götze oder sportliche Belange. Aktuell brennt mir ein fanpolitisches Thema auf der Seele: In der Kurve rücken immer mehr Neonazis ins Blickfeld!

Im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart stieg einer auf den Zaun vor der Südtribüne, machte den Hitlergruß. Beim Champions-League-Auswärtsspiel in Donezk in der vergangenen Saison wurden ein Fanbeauftragter und ein Fanprojektler unter rechtsradikalen Sprüchen zusammengeschlagen.

Im Gästeblock der Imtech-Arena in Hamburg hing das Banner der Borussenfront, die einst nahezu aus dem Stadion verdrängt war. Sie sind die rechtsgesinnten Hooligans in der Dortmunder Fanszene, mit denen auch immer wieder die Desperados, eine Ultra-Gruppierung der Borussen, in Verbindung gebracht werden.

Neonazi als Vorsänger in Mainz

Vorfälle wie diese gab es zuletzt leider immer häufiger. Vor allem bei Auswärtsspielen drängt der braune Mob zunehmend ins Bewusstsein der Fans. Beim Spiel am vergangenen Samstag in Mainz stieg ein Mann mit Thor-Steinar-Jacke und T-Shirt der rechten Hooligan-Band Kategorie C auf das Vorsängerpodest und versuchte die Masse der Fans zu animieren. Doch einige Ultras schritten ein und holten ihn runter. Weitere Versuche unterband unter anderem ein Fanbeauftragter des BVB.

Nachdem der Verein der gesamten Ultraszene die Auswärtsdauerkarten ob der Vorkommnissen beim Derby entzog, bietet sich für Neonazis die Möglichkeit, sich in der Ferne zu präsentieren und auszubreiten. Es fehlt schlicht die starke Konkurrenz, um dies zu verhindern.

In Dortmund muss man nun gewaltig aufpassen, dass die rechten Gruppierungen nicht mehr Einfluss in der Szene gewinnen als bislang. Die Fans müssen dafür sorgen, dass der viel zitierte Selbstreinigungsprozess einsetzt und man sich wehrt. Neben Aktionen der BVB Fan- und Förderabteilung gegen Rechts, zeigten auch die Zuschauer in Mainz, was sie vom braunen Mob im Stadion halten.

Fans zeigen Flagge

"Nazis raus"-Rufe erklungen, ein Banner mit der Aufschrift "Nazis raus – Ultras rein" wurde ausgerollt. Dies muss in den nächsten Wochen und Monaten fortgeführt werden. Fans und Verein müssen zusammenhalten. Vielleicht sollte man auf Führungsebene auch nachdenken und den Entzug der Auswärtsdauerkarten wieder aufzuheben.

Schließlich sind es die Ultras, auf die viele im Block hören, die ein starkes Gegengewicht bilden. Bisweilen traten die Neonazis nämlich meistens nur dann als Gruppe auf, wenn die Ultras aus diversen Gründen dem Stadion fern blieben.

Klar ist: Rassismus und Gewalt haben im Stadion – und sonst wo – nichts zu suchen! Die uneingeschränkte Achtung von Toleranz, Vielfalt und Demokratie, die auch in der Vereinssatzung verankert ist, muss Zentrum des Fanseins sein. Aus diesem Grund muss sich jeder Fan im Stadion und auch abseits des Platzes gegen rechtsradikales Gedankengut, Rassismus und Antisemitismus stellen. Denn wie heißt es in einem Fanlied: „Borussia verbindet Generationen, Männer und Frauen, alle Nationen!“

Abpfiff für Rechts!

Euer

Stefan Döring


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