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Die Champions-League-Sieger 2001 galten lange als Vorbild für folgende Bayern-Teams. Nun ist die aktuelle Mannschaft an Stefan Effenberg und Co. vorbeigezogen.

KOMMENTAR
Von Peter Staunton

Die großen Teams von Bayern München wurden nicht immer durch Niederlagen geboren. Bei der aktuellen Mannschaft ist das jedoch der Fall. Arjen Robbens verschossener Elfmeter im April 2012 servierte Borussia Dortmund die Meisterschaft in der Bundesliga und Jürgen Klopps Schützlinge hatten die Titelverteidigung praktisch im Sack. Neven Subotic stürmte zum Niederländer und feierte demonstrativ den zu schwach getretenen Strafstoß. Es war das Sinnbild für überschäumende Freude auf der einen und Misere auf der roten Seite. Einen Monat später versagten Robben im Finale der Champions League schließlich erneut die Nerven.

Alles in allem war es eine Saison, die so gar nicht zum FC Bayern passte. Es fehlte jene Mentalität, welche die Münchener Helden von 2001 zweifelsohne besaßen. "Wir standen als Team unter immensem Druck", erinnerte sich Oliver Kahn in diesem Jahr an das gewonnen Elfmeterschießen gegen den FC Valencia. "Es war die letzte Chance für jene Generation."

Kein Typ der Marke Effenberg in Sicht

Und diese Chance nutzte sie. Es war eine Möglichkeit, ähnlich derer, die die Bayern später auf heimischem Boden in der Allianz-Arena erneut bekommen sollten. Und die Mannschaft von 2001 hätte sich diese Gelegenheit sicher nicht durch die Lappen gehen lassen: Man stelle sich nur Stefan Effenberg vor, wie er es gefunden hätte, dass Stammspieler bei den entscheidenden Elfmetern auf dem Weg zum großen Triumph kniffen.

Doch die Geister von 2012 sind längst vertrieben. Der FC Bayern gewann die Champions League in beeindruckend dominanter Manier ein Jahr später. Und sie gewannen auch den DFB-Pokal, den sie im Jahr zuvor nach einer herben Klatsche an den BVB abgeben mussten. Mittlerweile haben sie sich die Bayern-Technik auf dem Trainingsplatz angeeignet und die Bayern-Mentalität aus schmerzlichen Niederlagen aufgenommen. Die Stärke früherer FCB-Mannschaften ist zurück, die Schwächen wurden ausgemerzt.

Im Tor steht der beste Torhüter der Welt und eine ganze Reihe Eigengewächse spielen vor ihm. Hinzu kommt die "Nummer sieben", die die Strippen zieht. Die Meisterschale und die Champions-League-Trophäe glänzen in der Vitrine und es gibt weitere Parallelen zwischen den Teams 2001 und 2013. Am Ende steht jedoch: Die Mannschaft von Neuer, Schweinsteiger und Ribery ist die bessere von beiden.

Die Bayern von 2001 besaßen eine Menge herausragende Klasse, zum Beispiel die Anführer Oliver Kahn, Stefan Effenberg und Mehmet Scholl. Doch sie holten nur mit Mühe in der Bundesliga die Meisterschaft. Probleme hatte dagegen Jupp Heynckes' Elf in der letzten Saison überhaupt nicht. Im Gegenteil: Sie stellte nicht weniger als 30 Rekorde auf dem Weg zum Titel auf. Darunter die meisten Punkte und die wenigsten Gegentore. Sie ließen nur elf Punkte liegen und erzielten 98 Treffer. Sie war die beste Truppe, die je die deutsche Meisterschaft gewann.

THE KLASSE VON 2001

Kahn

Effenberg

Jeremies

In der Saison 2000/01 mangelte es den Bayern an Konstanz in der Liga. 15 von 34 Spielen gewannen sie nicht und sie schienen die Schale schon verloren zu haben: Schalke feierte im Parkstadion schon die legendäre „Vier-Minuten-Meisterschaft“, ehe Patrik Andersson mit seinem Freistoß gegen den Hamburger SV die Königsblauen mitten ins Herz traf und es für den Rekordmeister doch noch reichte.

Die Bayern und ihre eigene Medizin
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Es war ein dramatisches Finale, geschrieben von einem Fußballgott, der nur Bayern-Fan sein kann. Und es bestätigte einmal mehr, dass der Klub von der Isar der Spielverderber Nummer eins für alle anderen Vereine ist. Doch was Schalke 2001 erlebte, mussten eben jene Bayern 2012 am eigenen Leib erfahren. Kurz vor ihren großen Zielen wurden sie jäh gestoppt. Doch sie überlebten es und sie nahmen ihre eigene Medizin.

Hitzfelds Bayern besiegten auf dem Weg ins Endspiel von Mailand in Viertel- und Halbfinale die zukünftigen Meister aus England und Spanien. 2013 setzten sich die Bayern gegen die künftigen Titelträger Italiens und Spaniens durch. Die Leistung aus den Spielen gegen Barcelona in der vergangenen Saison hebt Heynckes' Mannschaft hervor.

Das 7:0 in der Endabrechnung war bemerkenswert für ein Team, das es zwölf Monate zuvor vergeigt hatte. Auch die Mannschaft von 2001 nahm Revanche und schmiss Manchester United im Viertelfinale raus. Jenes Manchester United, das Bayern München 1999 eine weitere schmerzvolle Niederlage hinzugefügt hatte. Doch der Erfolg über Barcelona hatte etwas Besonderes.

Eigengewächse wie Bastian Schweinsteiger verkörperten nie die raue Gangart ihrer Vorgänger. Für sie waren Geduld und Technik ausschlaggebend. Das macht sie nicht zu schlechteren Spielern. In Matches, die durch dosierte Aggression und Mentalität gewonnen wurden, hatten sie aber oft das Nachsehen.

THE KLASSE VON 2013

Neuer

Schweinsteiger

Robben

Das alles änderte sich gegen Barcelona. Sie nahmen die beste Mannschaft der Welt auseinander und ließen dabei partout nicht locker. Barcelona wurde dominiert und teilweise vorgeführt. Es erinnerte an die Spielweise Effenbergs, mit der die Bayern zu Werke gingen. Da war zum Beispiel Thomas Müllers Bodycheck gegen Jordi Alba in der 73. Minute des Hinspiels. Ganz sicher war das keine faire Aktion, es war vielmehr schon fast unverschämt. Und es führte zum Tor durch Arjen Robben. Damit nicht genug: Nach dem Schlusspfiff gab er die Aktion gegenüber Robben noch einmal zum besten und er lachte darüber.

Nun vermisst Hoeneß vermutlich keinen Jeremies mehr

Es verriet eine Selbstsicherheit, eine Unhöflichkeit, die eigentlich nicht zu dieser Mannschaft passt. Uli Hoeneß hatte nach dem verlorenen Champions-League-Finale gegen Chelsea gesagt: "Ich sehe keinen Jens Jeremies, der dem Gegner schon beim Aufwärmen in die Waden beißt." Was er damit sagen wollte: Den Bayern fehlte es an der Bereitschaft, dem Gegner auch mal weh zu tun und mentale Robustheit zu demonstrieren.

„Sie müssen die Champions League gewinnen. Das ist der größte Wettbewerb und das Team von 2001 hat ihn geholt. Wir haben Barcelona damals 2:1 besiegt, sie haben 7:0 gewonnen. Eine tolle Leistung, aber sie müssen erst den Pokal gewinnen, ehe man darüber reden kann, dass sie besser sind als wir“, sagte Verteidiger-Legende Sammy Kuffour vor dem Endspiel der Königsklasse im Mai.

Und sie gewannen den Pokal. Und auf dem Rasen von Wembley suchte Jerome Boateng Neven Subotic. Er brüllte den Dortmunder an und feierte den Triumph. Es war ein symbolischer Moment. Die Bayern waren wieder die Bayern.

Es gibt ein gewisses Maß an Selbstsicherheit und Anspruch auf Vorherrschaft, das vorausgesetzt wird, um für den FC Bayern zu spielen. Die Klasse von 2001 hatte es und die Klasse von 2013 hat es sich verdient.

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