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Trainer-Chef Hangartner: Jürgen Klopp muss sich kontrollieren lernen

Klopps Wutanfall beschäftigt die Fußball-Szene. Sogar im Lager der eigenen Kollegen ist das Verständnis für die Gefühlsausbrüche des Trainers nahezu auf den Nullpunkt gesunken.

Dortmund. Nach Jürgen Klopps Wutanfall fordert der deutsche Trainer-Verband BDFL den Coach zur Bekämpfung seiner unkontrollierten Gefühlsausbrüche auf.

"Dafür gibt es keine Entschuldigung. Er muss einen Weg finden, sich auch in extremen Situationen besser kontrollieren zu können und nicht solch ein jämmerliches Bild zu geben", sagte Präsident Lutz Hangartner vom Bund Deutscher Fußball-Lehrer im SID-Gespräch zur neuerlichen Entgleisung von "Dr. Jürgen und Mr. Klopp" (Süddeutsche Zeitung) bei Borussia Dortmunds Champions-League-Spiel beim SSC Neapel. Außerdem, sagte der 69-Jährige weiter, "schadet sein Verhalten dem Ruf der Trainer".

"Nicht das erste Mal"

Hangartner äußerte sich maßlos enttäuscht über Klopps Auftritt am Vesuv. "Man sitzt da mit großem Erstaunen vor dem Fernseher und erinnert sich, dass es ja auch nicht das erste Mal passiert. Das ist offenbar die ganz große Schwachstelle, die er hat und um die er wohl auch weiß. Man hatte ja auch gedacht, dass er aus den vorherigen Vorfällen Lehren gezogen hätte. Aber nun ist man ja eines Besseren belehrt worden."

Der ehemalige Trainer des SC Freiburg kündigte für die Trainer-Tagung im Oktober ein Gespräch mit dem 23 Jahre jüngeren BVB-Coach an, der im BDFL als stellvertretender Vizepräsident für Profi-Trainer fungiert. "Er ist ja auch ein Großer im Fußball und damit auch Vorbild für junge Menschen. Deswegen ist es auch sicher nicht wieder damit getan, nach zwei Minuten Einsicht zu zeigen und sich zu entschuldigen."

Klopps "völliger Aussetzer" sei zudem "kontraproduktiv für den Dialog zwischen Trainern und Schiedsrichtern". Hangartner weiter: "Dass er den Vierten Offiziellen für eine Entscheidung des Schiedsrichters so angreift, geht gar nicht. Ich kann auch gut verstehen, dass der Vierte Offizielle ihm in Neapel hinterher die kalte Schulter gezeigt hat."

48.000 kosteten Klopps Wutausbrüche bisher

Nachdem Klopp sich in den vergangenen Jahren schon mehrfach vergleichbare Ausraster geleistet hatte und dafür schon Geldstrafen von insgesamt 48.000 Euro bezahlen musste, sieht der Chef der Trainer-Vereinigung Handlungsbedarf. "Ich habe am Tag nach Dortmunds Spiel in Neapel in einer anderen Unterhaltung gesagt, dass es vielleicht am besten wäre, wenn sein Co-Trainer ihn irgendwie anbindet. Aber ernsthaft betrachtet ist Klopp sicher intelligent genug, die richtigen Schritte zu unternehmen, wenn er das Gefühl hat, an der Situation etwas ändern zu müssen."

Eine Strafe durch den BDFL wegen Verstoßes gegen den Ehrenkodex, der den Verbandsmitgliedern eine Erziehung "ihrer Sportler zu fairem Verhalten innerhalb und außerhalb des Wettkampfes und zum nötigen Respekt gegenüber allen anderen in das Leistungssportgeschehen eingebundenen Personen (u. a. der gegnerischen Mannschaft, der eigenen Mannschaft, dem Schiedsrichter, den Zuschauern und Medien)" auferlegt, muss Klopp allerdings nicht fürchten. "Sanktionen sind nicht geplant, aber sein Verhalten wird thematisiert", sagte Hangartner.

Öffentlich das Thema nicht weiter besprechen will Dortmunds Hauptsponsor (Evonik). "Herr Klopp hat sich zu seinem Verhalten ausführlich geäußert und sich dafür gegenüber der Mannschaft und der Öffentlichkeit entschuldigt. Dem ist nichts hinzuzufügen", teilte der Energie-Konzern auf SID-Anfrage mit. Von Klopps Vermarktungsagentur "projekt b" war keine Auskunft zu Reaktionen persönlicher Werbepartner des Coaches zu erhalten.

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