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Während seiner kurzen Zeit in München hat Pep Guardiola bereits zahlreiche Formationen in unterschiedlichen Besetzungen ausprobiert. Zwei Goal-Experten sagen ihre Meinung!

DEBATTE
Von Peter Staunton & Paul Macdonald

Bayern München eroberte Europas Fußball in der vergangenen Saison im Sturm. Am Ende gewann der deutsche Rekordmeister das historische Triple unter Jupp Heynckes. Die Dominanz der Bayern unter dem neuen Coach Pep Guardiola sollte in 2013/14 anhalten. Aber unter dem Ex-Erfolgstrainer des FC Barcelona läuft es zu Beginn noch nicht rund.

Gegen zehn Chelsea-Spieler musste der FCB im Europäischen Supercup ins Elfmeterschießen. Und im deutschen Supercup setzte es eine 2:4-Pleite gegen Borussia Dortmund. Dazu gesellt sich ein Unentschieden in der Bundesliga gegen den SC Freiburg.

Alle anderen Spiele wurden bis dato gewonnen, doch Guardiolas Entscheidung, vom bewährten 4-2-3-1 auf ein 4-1-4-1 umzustellen, sorgt bei manchen Fans und Experten für Stirnrunzeln. Gleiches gilt für die Entscheidung, Luiz Gustavo an den VfL Wolfsburg abzugeben.

Ändert Guardiola also zu schnell zu viel? Kann dies dem FC Bayern schaden? Peter Staunton und Paul Macdonald debattieren vor dem Champions-League-Auftakt des Titelverteidigers am Dienstagabend gegen ZSKA Moskau.

"DIE GEGNER SPÜREN BEI PEP'S BAYERN VERWUNDBARKEIT"


Von Peter Staunton

Hastig wollte Pep Guardiola Bayern München nach seinen Vorstellungen umbauen. Dabei traten Schwächen zutage, die man von der Mannschaft so nicht kannte. Das Problem dabei: Er kann auch nicht auf im Gegenzug gewonnene neue Stärken verweisen, denn diese gibt es noch nicht.

Auch ist die Stimmung rund um die Säbener Straße irgendwie merkwürdig. Matthias Sammer gab nach dem Arbeitssieg über Hannover 96 am Wochenende wieder den Mahner. Der Sportchef kritisierte eine gewisse Lethargie und unterstellte den Spielern, sich hinter ihrem Trainer zu verstecken.

Zarte Kritik an Guardiola gab es indes nach dem Supercup. Wie in der Vorbereitung setzte der Spanier auch in Dortmund auf eine Formation mit nur einem defensiven Mittelfeldspieler und das rächte sich. Kein Javi Martinez und kein Luiz Gustavo bedeuteten, dass David Alaba und Philipp Lahm auf den defensiven Außenpositionen keine Unterstützung hatten und genau das nutzte der BVB gnadenlos aus.

Die nüchternen Auftritte gegen Mönchengladbach oder Hannover werden nicht über Erfolg und Misserfolg seiner Amtszeit entscheiden. Vielmehr wird Guardiola nach den Leistungen in den großen Spielen bewertet. Die Begegnungen mit Jürgen Klopps eingespielter Mannschaft werden schon jetzt mit Spannung erwartet.

Ebenso die Matches in der Königsklasse. Clevere Teams werden sich Bayerns Aufstellung ansehen und wunde Punkte erkennen. Denn es mangelt an defensiver Stabilität und eben diese Stabilität war das Fundament des Erfolgs im letzten Jahr. Außerdem müssen Spieler immer wieder auf ungewohnten Positionen ran: Philipp Lahm spielt plötzlich im Mittelfeld und Thomas Müller wirkt stets, als sei er noch auf der Suche nach seiner Rolle innerhalb dieser Mannschaft.

Fairerweise müssen wir aber auch festhalten, dass Verletzungen von Bastian Schweinsteiger, Javi Martinez und Thiago Alcantara Guardiolas Handlungsspielraum gerade im Mittelfeld eingeschränkt haben. Bayerns beste Elf kennen derzeit also wohl weder die Fans, noch der Trainer selbst.

Der FC Bayern tat in den letzten Jahren viel dafür, dass vom einstigen "FC Hollywood" nicht mehr viel übrig war. Jupp Heynckes brachte Ruhe und Vertrauen in den Klub. Bis zur Winterpause sollte es für Pep in Europa und auch der Bundesliga deutlich runder laufen. Ansonsten wären die unruhigen Zeiten in München vermutlich ziemlich schnell zurück.

"WARUM DARF PEP BEIM TRIPLE-SIEGER NICHT TESTEN?"


Von Paul Macdonald

Acht Partien! Acht Pflichtspiele ist Guardiola nun im Amt und schon beginnen einige, ihn zu kritisieren. Es heißt, seine Spieler verstünden ihre Positionen nicht, seine 4-1-4-1-Formation sei taktisch zu waghalsig und überhaupt müsse sich die Mannschaft nach der Vorsaison gar nicht neu erfinden.

Acht Spiele. Es zeigt uns, wie unvernünftig die Zeitrahmen im heutigen Fußball gesteckt werden. Ein Trainer kommt in eine neue Umgebung, in eine neue Kultur und will sehen, was seine Mannschaft zu leisten imstande ist. Und genau dafür muss er dann Kritik einstecken.

Niemand muss Guardiolas Ideen unterstützen oder gar gut finden. Das 4-1-4-1 kann sich sehr wohl als Flop erweisen und Philipp Lahm wird über kurz oder lang wieder ausschließlich als Außenverteidiger randürfen.

Aber wenn es Pep Guardiola nicht erlaubt ist, eine Mannschaft, die das Triple gewonnen hat, weiterzuentwickeln und erfahrene Nationalspieler auf fremden Positionen zu testen, wer darf das dann überhaupt? Wir reden hier nicht von einem Trainer, der ohne Rücksicht auf Verluste seine Idee von Fußball bei einer unwilligen Mannschaft durchdrücken möchte. Die Bayern der Saison 2013/14 unterscheiden sich nicht derartig heftig von dem Team des letzten Jahres. Und wenn Guardiola Philipp Lahm als intellligentesten Spieler, mit dem er je gearbeitet hat, bezeichnet, dann sollte man den Kontext dieser Aussage gewiss beachten. Ein zweifacher Champions-League-Sieger sagt so etwas nicht ohne Bedacht.

Barcelona ist das größte Team dieses Milenniums und doch ist Lahms Intellekt auf dem Rasen unübertroffen. Warum also sollte der Trainer diesen Spieler nicht auch in einer anderen Rolle mit mehr Verantwortung ausprobieren (dürfen)?

Pep hat sich diese Mannschaft genau angeschaut. Jeder Spieler, jeder Mannschaftsteil kam genau unter die Lupe. Hätte er einfach den Status Quo beibehalten, hätte man ihm vermutlich vorgeworfen, er habe sich in das von Heynckes gemachte Bett gelegt und es fehle ihm an frischen Konzepten. Doch er versucht, seine Ideen im Konzept von Heynckes unterzubringen und ihm eilt der Ruf voraus, ein absoluter Perfektionist zu sein.

Wie viele Teams gewinnen Trophäen in Serie ohne sich weiterzuentwickeln? Hätte Heynckes glücklich mit seiner Kreation weitergearbeitet oder hätte auch er den Wunsch gehabt, die Bayern 2.0 zu erschaffen? Falls Letzteres der Fall ist, dann ist Pep Herangehensweise logisch und nicht etwa revolutionär.

EURE MEINUNG: Verändert Pep zu schnell zu viel? Oder braucht er einfach nur mehr Zeit? Welche Anfangsformation ist für Euch die Beste?

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