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Thiago steht vor einem Wechsel zu Manchester United, Spielmacher Xavi im Herbst seiner Karriere. Genau deswegen muss Barca sein Nachwuchs-Juwel im Camp Nou halten.

KOMMENTAR
Von Ben Hayward | Spanien-Experte

Als Brasilien am Sonntagabend im Finale des Confederations Cup Spanien in die Knie zwang, dürfte Thiago Alcantara interessiert zugesehen haben.

Der Sohn Brasilianischer Eltern ist in Spanien aufgewachsen und hat sich für die Seleccion entschieden, weswegen die Weltmeisterschaft im Heimatland seiner Vorfahren kommendes Jahr sein ehrgeizigstes Ziel sein dürfte. Nach vergangenem Sonntag könnten seine Chancen gestiegen sein.

Thiago steht in Barcelona vor dem Absprung, um in der Saison 2013/14 woanders mehr Einsatzzeiten zu sammeln und so Spaniens "Mister" Vicente del Bosque beeindrucken zu können. Der Sonntag hat aber gezeigt: Xavi ist nicht mehr auf dem Gipfel seiner Kräfte und Thiago müsste das Camp Nou nicht unbedingt verlassen, um nächstes Jahr zur WM fahren zu können. 

Gegen Brasilien wurde Xavi ein ums andere mal überlaufen und sollten seine anhaltenden Probleme mit der Achilles-Sehne nicht nachlassen, wird er wohl nicht länger das mobile Kraftzentrum des Barca-Spiels sein, das er in seinen besten Tagen einmal war. Der 33-Jährige spielt nach wie vor Pässe wie kaum ein anderer, aber vor allem sein Pressing und die Laufarbeit haben nachgelassen. Zuletzt trainierte er nur noch dosiert zwischen den einzelnen Partien, doch wenn er zweimal direkt hintereinander ran muss - was in Brasilien geschah - ist sein Spiel nicht mehr dasselbe.

BARCA HAT GESPRÄCHSBEDARF

Barcelonas Vereinssprecher Toni Freixa verkündete am Dienstag, dass Gespräche mit Thiago über seine Zukunft im Camp Nou noch ausstehen. Mit dem Vater des Spielers, dem brasilianischen Weltmeister Mazinho, steht der spanische Meister aber schon länger in Kontakt.

Barca hegt noch Hoffnungen, Thiago zu überzeugen. Im Stillen geht man allerdings davon aus, dass das Mittelfeld-Talent gehen will, um 2013/14 Einsatzzeiten zu sammeln und um seine Chancen auf einen Platz in Spaniens Kader für die WM 2014 zu verbessern.

United verfolgt Thiago seit zwei Jahren und scheint nun kurz vor dem Abschluss. Der Youngster ist bis zum 1. August für 18 Millionen zu haben, dann erst wird seine Ablöse wieder auf 90 Millionen heraufschnellen. Der neue Coach David Moyes hofft auf eine schnelle Entscheidung in den kommenden Tagen.
Thiago, frisch gebackener U21-Europameister mit Spanien und im 4:2-Finale gegen Italien mit einem Hattrick der Mann des Spiels, gilt im Camp Nou als Nachfolger Xavis, auf lange Sicht. 2012/13 spielte er allerdings in nur 36 von 60 Pflichtspielen, verpasste es so, in 60 Prozent der Partien mindestens 30 Minuten zu spielen. Dadurch griff eine Vertrags-Klausel, die seine Ablösesumme von festgeschriebenen 90 Millionen Euro bis zum ersten August auf gerade mal 18 Millionen herunterdrückt.

Was die Aufmerksamkeit mehrerer europäischer Top-Teams auf den Plan gerufen hat. Niemand anderes als Manchester United und Bayern München führen das Rennen um seine Unterschrift an. Derweil hat man in Barcelona die Hoffnungen auf seinen Verbleib noch nicht ganz aufgegeben. Thiago davon zu überzeugen, sollte in den nächsten Tagen deswegen alleröchste Priorität haben.

Vereinssprecher Toni Freixa verriet am Dienstag, dass Barca sich weiter um Verteidiger Thiago Silva bemüht und noch drei weitere Spieler diesen Sommer kommen könnten. Über Alcantara hieß es lediglich: "Thiago hat uns noch keine Entscheidung mitgeteilt. Er steht noch unter Vertrag."

Der 22-Jährige liebt Barcelona. Anfang der Woche postete er auf Instangram ein Bild mit genau dieser Botschaft. Es zeigt ihn im Pool auf einer Dachterasse, in der Sonne schwimmend, mit Freunden. Und er liebt es, für Barca zu spielen. Aber die Gespräche, die er Ende der vergangenen Saison mit Tito Vilanova führte, haben ihn nicht überzeugt.

Dabei hatte Vilanova nach dem Sieg Barcas über Malaga Anfang Juni gesagt: "Thiago ist die Zukunft und die Gegenwart - wir wollen, dass er bleibt, aber es ist seine Entscheidung. Er könnte ein Stammspieler werden." Die Aussage hat nichts an Bedeutung eingebüßt.

Aber auch wenn in der Zwischenzeit Neymar den Kader verstärkt und der Konkurrenzkampf um die Plätze im Mittelfeld härter geworden ist: Xavis abnehmende Form bedeutet nichts anderes, als dass kommende Saison in Barcelona Einsatzminuten frei werden. Barcas langjähriger Dirigent kommt in ein Alter, in dem er mehr und ausführlichere Regeneration braucht, um seine Talente auch 2013/14 noch in den Dienst des Vereins stellen zu können.

Die Chance für Thiago dürfte am Ende also gekommen sein. Doch Barca läuft die Zeit davon, es besteht dringender Handlungsbedarf, um den Mittelfeldmann zu überzeugen. Davon, dass er die Gegenwart und auch die Zukunft im Camp Nou ist, genau wie Tito sagte.

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