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Leitner verliehen, Bittencourt und Götze weg, es ist Platz im Kader! Jetzt muss Borussia Dortmund zeigen, dass sie auf der großen Bühne angekommen sind.

KOMMENTAR

Von Laura Reinkens

Beobachtet man die für die Allgemeinheit einsehbaren Schritte, die Borussia Dortmund aktuell auf dem Transfermarkt unternimmt, fühlt es sich an, als würde der BVB wieder zum ersten Mal in einen europäischen Wettbewerb gehen. Alles ist neu, die Erfahrungen auf dem Niveau fehlen noch. Jetzt steht Borussia Dortmund kurz davor, eine erneute Lehrstunde hinnehmen zu müssen. Mario Götze ist weg und hat 37 Millionen dagelassen. Aber wohin mit dem Götze-Geld und den Koffern voll Gold, die bereits vor der großen Bayern-Überraschung bereit gestellt wurden?

Direkt zu Beginn der Transferphase wurde mit Sokratis ein sensationeller Full Back geholt, der zunächst Piszczek wunderbar ersetzen und später eine absolut starke Konkurrenz auf der Position der Innenverteidiger darstellen wird. Knapp zehn Millionen Euro sind nicht zuviel für einen immer noch jungen Spieler seines Formats, wenn man das Level bedenkt, auf dem Dortmund nun handeln muss.

Verdächtige Stille

Danach wurde es still, verdächtig still. Die Fans hofften, dass hinter den Kulissen geschraubt und gewerkelt wird, dass die „sieben bis acht Neuzugänge“, die für den Sommer versprochen wurden, schon die Koffer packten. Aber es blieb still. Wahnwitzige Gerüchte machten die Runde, wobei sich mit Dzeko und Eriksen zwei Spieler fanden, die nicht nur ins Beuteschema passten, sondern auch selbst schon genug positives mediales Feedback gaben. Es hätte ein Schuh draus werden können.

Der Schuh ist nicht fertig geworden. Um Eriksen ist es ganz still geworden. Das ewige Talent wird in die Vorbereitung mit Ajax gehen - und wenn man mich persönlich fragt - den Absprung auch dieses Jahr nicht schaffen. Ein Spieler, der von Heimweh und dem großen Traum FC Barcelona derart gefesselt ist, geht entweder zu Barca oder bleibt in Amsterdam, seiner jetzigen Heimat.

Edin Dzeko müsste einen herben Gehaltsrückschlag hinnehmen und Fußball, eigenen Erfolg gegen ein Scheichgehalt eintauschen. Wer sich den eigenen, damals plötzlich möglichen Traum Milan nicht erfüllt, und nach Wolfsburg zu Manchester City ging, müsste hierfür einen großen Satz über den eigenen Schatten machen. Zumal er inzwischen als lebendes Gut von City gehandelt wird. Sie suchen Stürmer und sind bereit, Dzeko und Geld für beispielsweise einen Cavani zu tauschen, wenn man den Aussagen von Neapels Präsident Glauben schenken darf. Was bleibt bei dem Deal für Dortmund übrig?

Einen Schritt weiter, bitte!

Mit einem Kollegen der schreibenden Zunft hatte ich eine sehr anregende Diskussion über Isco. Der aus dem Boden gestampfte Superstar, der wie zu erwarten nun mit Real Madrid fix ist, soll ebenfalls auf der Liste der Dortmunder gestanden haben. Wenig seriöse Quellen aus Spanien sprachen sogar von einem Angebot, das abgelehnt wurde. Auf diesem Niveau muss angegriffen werden! Einen Isco muss Dortmund nicht verpflichten können, aber die Fühler müssen dahin ausgestreckt werden! Der Champions-League-Finalist darf nicht mit einem Edgar Prib (inzwischen Hannover) in Verbindung gebracht werden. Es sind die jungen Stars im europäischen Fußball, die gelockt werden müssen.

Borussia Dortmund hat keine Zeit, einen neuen Götze zu formen. Natürlich hat man unter anderem mit Jonas Hofmann wieder ein Talent aus der eigenen Schmiede ab nächster Saison dauerhaft im Profikader, der Dortmunds nächstes großes Ding werden könnte. Aber darauf können Klopp & Co. nicht warten. Götze muss ersetzt werden, Großkreutz ist nicht mehr der, der er mal war – Spieler müssen her. Dauerhaft darf auch nicht gespart werden. Holt man sich einen fertigen Spieler, der von Klopp nur noch veredelt wird, muss man ihm auch ein entsprechendes Gehalt zugestehen.

Lasst Lewandowski ziehen

Borussia Dortmund braucht beispielsweise – man kann das Spiel jetzt nicht für alle Positionen durchdeklinieren – zwei gestandene Stürmer. Ein Robert Lewandowski sollte zwar nicht auch noch mit einer netten Grußkarte zu den Bayern geschickt werden, aber einen Spieler, der sich selbst in aller Öffentlichkeit gegen den Verein ausgesprochen hat, sollte man nicht halten müssen. Suchte City nicht? Lewandowski, der durch Dortmund innerhalb von zwei Jahren zum Weltstar geworden ist, hat sich als Söldner geoutet. Ein hochprofessioneller Söldner, der weiterhin seine Arbeit verrichten würde. Aber wie gerne wird ihm die Süd noch zujubeln? Dortmund sollte es einfach nicht nötig haben, einen Spieler, der das Prinzip BVB derart abstößt, zum Bleiben zwingen zu müssen.

Auch andere Mütter hätten schöne Söhne, witzelte Jürgen Klopp bei der inzwischen legendären Pressekonferenz nach dem Bekanntwerden des Götze-Verschwindens. Er war angeschlagen, trauerte und bewahrte fulminant das Gesicht. Sein kleiner Mario will woanders hin. So ist das Geschäft. Genau hier muss Dortmund nun den schmerzhaften Weg der Lehrstunde vermeiden. Spielt direkt bei den Großen mit! Lasst euch nicht von Marseille verhauen, sondern geht direkt in die Saison, in der ihr im Finale um den Titel spielt.

Es bleibt keine Zeit

Es bleibt keine Zeit für einen ersten Versuch. In der Bundesliga muss die Meisterschaft wieder ins Visier genommen werden. In der Champions League muss man auf einen Halbfinaleinzug hoffen. Das gelingt nicht mit dem polnischen Torschützenkönig, dafür muss auch mal bei den Torschützenkönigen der großen Ligen nachgefragt werden. Dortmund ist wieder wer im internationalen Fußball – danach muss auch eingekauft werden.

Watzke, Zorc und Klopp sind die Väter des Erfolgs der letzten Jahre. Sie werden genau wissen, was auf dem Spiel steht. Der Fan verlangt aber, dass sie nun handeln. Am 31. August muss eine Mannschaft geformt worden sein, die sich nicht mehr hinter der europäischen Elite verstecken muss. Nur dann kann der Erfolg dauerhaft gewahrt werden. Große Namen müssen es nicht sein, aber es muss das schiere Talent eines Götzes sein, das nun mit neuem Gesicht im Signal Iduna Park erwartet wird.

Eure Meinung: Die dicken Fische werden zuletzt verpflichtet - wen kann sich Dortmund schnappen?

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