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Fußballwelt abwartend wegen "deutscher Vorherrschaft"

Die meisten Fußballfachkundigen rechnen trotz des erstmaligen deutsch-deutschen Champions-League-Finales nicht mit einer Verschiebung der Machtverhältnisse im europäischen Fußball.

Berlin. Natürlich will Michel Platini von einer dauerhaften Vormachtstellung des deutschen Fußballs nichts wissen. Das könnte Langeweile bedeuten, und die wäre schlecht fürs Geschäft. Jedenfalls winkt der Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ständig ab, wenn er in London vor dem Champions-League-Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund nach einer möglichen deutschen Ära gefragt wird.

"Zyklisch" sei die Dominanz von Fußball-Mannschaften, sagt Platini im Interview mit dem Guardian: "In einem Jahr ist man stärker, das hängt auch vom Trainer, den Spielern und den Schiedsrichtern ab. Wer auch immer gewinnt, ist das beste Team des Jahres, und ich gebe dem Sieger den Pokal."

Wachablösung oder Momentaufnahme

Seit das "German Endspiel" zwischen Borussia Dortmund und Bayern München feststeht, diskutiert Fußball-Europa über eine mögliche neue deutsche Ära. Doch nicht nur Platini ist skeptisch, auch Bundestrainer Joachim Löw, der trotz der Erfolge der beiden deutschen Vorzeigevereine keinen Trend sieht.

"Da sollte man vorsichtig sein, da gehört schon eine längere Periode dazu, wie Spanien es mit drei Titeln vorgemacht hat", sagte Löw, der sich womöglich mit Blick auf die WM 2014 in Brasilien bewusst mit forschen Sprüchen zurückhält. Denn unnötig unter Druck setzen will sich der bisher noch titellose Löw nicht: "Xavi oder Iniesta werden jetzt das Fußballspielen nicht einstellen. Sie werden weiter eine starke Mannschaft haben."

Ähnlich äußerte sich auch Nationalmannschaft-Manager Oliver Bierhoff: "Ich hoffe auf eine Wachablösung in Europa. Aber das müssen die nächsten Jahre bestätigen - in der Champions League, in der Europa League und mit der Nationalmannschaft", sagte der Europameister von 1996. "Das ist eine vorübergehende Bestandsaufnahme. Die Spanier werden sich ärgern und aufrüsten", sagte auch "Kaiser" Franz Beckenbauer.

Champions-League hui, Europa-League pfui

Denn vor allem in der Europa League bekleckerten sich die deutschen Mannschaften in dieser Saison nicht mit Ruhm. Und auch in der kommenden Spielzeit wäre ein Durchmarsch der Vereine aus Frankfurt, Freiburg oder Stuttgart eine Überraschung. Auch das deutsche Finale in der Königsklasse hätte es ja "eigentlich" gar nicht geben dürfen: Gegen Málaga fiel das entscheidende Tor für Dortmund aus einer Abseitsposition.

Auch im Ausland ist man beim Thema "deutsche Dominanz" eher skeptisch. Sowohl Spanien (2000, Madrid - Valencia), Italien (2003, Turin - Milan) als auch England (2008, Chelsea - Manchester United) hatten bereits ihre internen Duelle im Finale der Königsklasse - ohne dass darauf eine jahrelange Vorherrschaft folgte.

"Wir haben dasselbe vor fünf Jahren über englische Fußballklubs gesagt, und über die italienischen Klubs, als Juve und der AC Mailand aufeinandergetroffen sind", sagte Platini: "Ich werde keine Schlussfolgerungen daraus ziehen, dass nun zwei deutsche Klubs im Champions-League-Finale stehen."

Bayern ein isoliertes Phänomen

Auch Arsenal-Teammanager Arsene Wenger wollte aus der ungewöhnlichen Konstellation keinen Trend ableiten. "Bayern ist ein isoliertes Phänomen in Deutschland. Sie haben drei Endspiele in vier Jahren erreicht. Das ist vielleicht etwas Besonderes", sagte er: "Aber der Rest ist offen. Ich denke, dass wir in der nächsten Saison auch die englischen Teams wieder sehen werden."

Dass die Bundesliga aber generell aufgeholt hat, wird nicht bestritten. Vor allem wirtschaftlich stehen die Zeiten auf Aufschwung. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte ist die Bundesliga derzeit die profitabelste Liga der "Big Five" (Spanien, England, Deutschland, Italien, Frankreich). In Zeiten des kommenden "Financial Fairplay" und der anhaltenden Wirtschaftskrise sicherlich nicht die schlechtesten Vorzeichen für eine erfolgreiche Zukunft.

"Der deutsche Fußball entwickelt sich weiter, viele Stars gehen nicht mehr nur nach Spanien oder England - das zeigt, dass der deutsche Fußball aufgeholt hat", betonte auch Nationaltorwart Manuel Neuer, "wenn nicht gar andere Ligen überholt hat."

Lediglich der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld sieht schon jetzt den deutschen Fußball auf Europas Thron. "Der deutsche Fußball hat den spanischen überholt", sagte Hitzfeld, der sowohl mit Dortmund (1997) als auch mit den Bayern (2001) die Champions League gewann.

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