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Joachim Löw: ''Highlight für den deutschen Fußball"

Joachim Löw hat Stellung zum Champions-League-Finale bezogen. Darüber hinaus erklärte er die Entwickluing der Nationalmannschaft und des gesamt-deutschen Fußballs.

Florida. Vor dem heutigen Champions-League-Finale zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München hat Nationalmannschaftstrainer Joachim Löw "keinen klaren Favoriten". Darüber hinaus erklärte er den positiven Trend im deutschen Fußball und die Konsequenzen für die Nationalmannschaft.

"Ich bin grundsätzlich in diesem Spiel neutral. Bei den Bayern spielen viele, die mich schon seit Jahren bei der Nationalmannschaft begleitet haben. Auf der anderen Seite sind bei Dortmund ein paar Junge dabei, die mir zuletzt sehr viel Freude gemacht haben wie Reus, Götze, Gündogan und Hummels. Ich bin unglaublich gespannt, auch angespannt und ein bisschen nervös", erklärte der Bundestrainer bei FAZ.NET.

Zu einem klaren Favoritenbekenntnis wollte sich Löw aber nicht durchringen: "Ich denke, es wird ein sehr enges Spiel. Generell ist Dortmund schon in der Lage, den Bayern sehr weh zu tun. Allgemein gilt Bayern als Favorit, aber von den letzten sechs Spielen hat der BVB mehr gewonnen als die Münchner. Die Bayern haben in der Breite den stärkeren Kader, das haben wir in dieser Saison gesehen. Aber in diesem einen Spiel gibt es für mich keinen klaren Favoriten."

Taktisch gesehen

Dennoch hat Jogi Löw es sich nicht nehmen lassen, eventuelle Taktiken vorab zu analysieren: "Ich denke nicht, dass das Spiel eine Schlüsselstelle hat, jedes Detail ist wichtig. Für die Dortmunder wird es darauf ankommen, wie in der Vergangenheit die Außen der Bayern gut zu beherrschen. Die Bayern haben ja eine etwas andere Raumaufteilung, mehr in die Breite gehend, wo sie die starken Ribéry und Robben freizuspielen versuchen, die dann die 1:1-Situationen suchen. Die Dortmunder sind etwas unberechenbarer in der Spielweise als die Münchner."

Blockbildung kein Muss

Das erste rein deutsch-deutsche Finale der Champions-League-Geschichte ist auch ein Beleg für die positive Entwicklung im gesamten deutschen Fußball. Für Jogi Löw stellt sich natürlich die Frage, wie auch die Nationalmannschaft wieder einen großen Titel erringen kann. Eine Blockbildung aus Bayern- und Dortmund-Spielern ist dabei aber kein Muss.

"Personell gesehen haben die Bayern in den vergangenen Jahren die Nationalmannschaft geprägt, aber nicht stilistisch. Wir haben den Spielern, die zu uns kamen, egal von welchem Verein, unsere Vorstellungen mitgeteilt; welche Aufgaben sie auf welchen Positionen wie zu erfüllen haben. Es gab schon auch Ähnlichkeiten mit dem Bayern-Spiel, langer Ballbesitz zum Beispiel. Aber wir wollten und wollen schnell zum Abschluss kommen, das jedoch ohne lange Bälle. Und was die Dortmunder auch manchmal stark macht, mit langen Bällen und vielen Flanken zu operieren, sieht man bei uns vielleicht weniger", erklärte der 53-Jährige.

Allgemein sagte er: "Die neuen deutschen Tugenden liegen heute im technischen Bereich. Wir haben Spieler wie Götze, Özil oder Reus, die von ihren technischen Fähigkeiten geprägt sind. Ein System, eine Philosophie lebt immer auch von den Spielern, die zur Verfügung stehen. Der deutsche Fußball hat in den letzten fünf bis sieben Jahren einen großen Schritt nach vorne gemacht, jetzt auch in der Champions League.



Konkurrenz belebt das Geschäft

In Bezug auf die "Dauer-Rivalität" zwischen Bayern und Dortmund erklärte Löw: "Diese Konkurrenzsituation, die sich in den letzten beiden Jahren herausgebildet hat, dieses Kämpfen um die Vorherrschaft, finde ich förderlich. Das ist hilfreich für die Spieler, die sich durch diese Situation angetrieben fühlen. Und bislang ist ja auch alles im Rahmen der Fairness abgelaufen. Natürlich gibt es Emotionen am Spielfeldrand und auf dem Platz, aber ich habe keinen Hass festgestellt. Die Hitzigkeit erreicht bei weitem nicht die Temperaturen wie beim "Clasico" in Spanien.

Gleichzeitig machte er deutlich, dass "Blockbildung kein unbedingtes Muss (ist), auch nicht der Schlüssel zum Erfolg, sondern die Qualität der einzelnen Spieler, die Vorgaben umzusetzen".
Beispielsweise hätte man "mit Özil und Khedira zwei Spieler aus Madrid, die eine wesentliche Rolle spielen. Wir haben mit Podolski und Mertesacker zwei Spieler von Arsenal, die ebenfalls eine wesentliche Rolle spielen. Ich sehe keine Schwierigkeit, die unterschiedlichen Spielstile unter einen Hut zu bringen", erklärte der Bundestrainer.

Verschobene Machtverhältnisse nur Momentaufnahme

"In den letzten vier, fünf Jahren waren Spanien und Barcelona die einzigen Mannschaften, die ihre herausragende Stellung permanent und konstant mit Titeln bestätigt haben. Mal sehen, ob im nächsten Jahr wieder eine deutsche Mannschaft im Finale steht. Wir sprechen im Moment von einer Saison", gab sich Löw in Bezug auf die "neuen internationalen Machtverhältnisse" abwartend.

Seiner eigenen Zukunft beim DFB sieht Löw gelassen entgegen: "Es wird keine Gespräche vor der Qualifikation geben. Ich bin völlig offen. Ich kann mit allem gut leben. Meine Motivation und meine Freude sind riesengroß. Ich sehe neue Herausforderungen, neue Aufgaben. Bei mir ist nicht die Situation eingetreten, dass ich sage: Es ist Zeit für eine Veränderung."

EURE MEINUNG: Muss Löw sich von den Spielstilen der deutschen "Alphatiere" etwas abschauen?

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