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Es ist so gut wie angerichtet: das leckerste Buffet, das Fußball-Deutschland den Bürgerinnen und Bürgern der ganzen Welt bieten kann, ist eröffnet. Aber, Moment mal!

KOMMENTAR
Von Hassan Talib Haji

Einsame Insel. Am Samstag ist es soweit: Borussia Dortmund und der FC Bayern München duellieren sich im Finale der UEFA Champions League. Es geht um den Fußball-Thron Europas. Mit königsblauer Brille freut man sich da auch drauf! Irgendwie. So ein bisschen. Etwas. Hhm, gehen wir der Frage doch einfach mal kokosnussscharf auf den Grund.

Gönnen können?

Da wäre der Fakt, dass in Wembley zwei Mannschaften aufeinandertreffen, mit denen der Schalker an sich nicht viel am Kopp haben will, außer wenn es zum direkten Duell kommt. Mancher in Gelsenkirchen erzählt sogar: "Für dieset Spielchen macht hier keiner dat Fenster für auf!" Wem drückt man die Daumen oder schaut man es völlig neutral? Schaut man eigentlich überhaupt? Nun ja, die TV-Geräte werden flimmern und da kicken DIE beiden Teams, die man einfach nicht abkann - ekelhaft. Immerhin ist so ein Samstagabend um einiges erfüllender, als sich bei RTL zu ergötzen, wie sich Z-Promis Känguru-Hoden reinpfeifen.

Aus königsblauer Sicht darf man sich dennoch auf eine Tatsache freuen: einer der Erzrivalen verliert auf jeden Fall. Auch die Engländer freuen sich, ob des Genusses, dass eine deutsche Mannschaft im Heiligtum des Insel-Fußballs der Loser sein wird. Die FA feiert nebenbei 150. Geburtstag. Eingeladen haben die Engländer die "Sauerkrauts" nicht, trotzdem geben sich die Bayern und Schwarz-Gelb die Klinke in die Hand. Das trifft die "Tommies" ungemein. Denke ich aber als Schalker an das Sportliche bei dieser Begegnung, dann ist es für mich eher eine Begegnung der dritten Art. Real Madrid so auszuschalten und Barcelona glattzubügeln, dazu gehören mächtige "Cojones". S04 hat es noch nicht einmal geschafft großmäulige Gala-Fans zum Schweigen zu bringen. Zumindest und immerhin weiß Schalke aber, wie man die "Anderen" vonne Platte putzt! Als mache man es mit Stiflers Mom – zwei Mal.

Ich freue mich aber auch auf das Duell an der Reservebank. Ob sich Jürgen Klopp und Matthias Sammer wieder so romantisch nahekommen, wie beim ersten Date? Am Samstag bitte mehr Gefühl reinlegen - da hat selbst mein Metzger mehr Zunge. Die beiden Anti-Rangler und Alphatiere wird es nicht lange auf ihren beschaulichen Plätzen halten können. Vielleicht schlichtet auch der britische Geheimdienst und ruft den "Emotionsschutz" auf den Plan. Immerhin: Das Bierverbot ums Stadion ist aufgehoben worden, da freut sich die Leber. Diese Schlacht zweier Bundesliga-Riesen wird nicht ruhig und gesittet ablaufen, dafür geht es um zu viel. Solange sich das aber noch in dem "Diese-Emotionen-wollen-wir-sehen-Rahmen" hält, freut sich doch jeder von uns einen ranzigen Ast ab.

Bock drauf, wie MdH

Wenn ich tief in mich gehe, dann überwiegen zwei Dinge! Erstens: Ich bin schon ein wenig neidisch, wie sich die Fußballwelt vor den "Anderen" und den "Bazis" verneigt. Zweitens: Ich freue mich für den deutschen Fußball im Allgemeinen. Es ist doch so, dass beide Mannschaften etwas richtig Großes geschafft haben, etwas Einmaliges in der Geschichte. Noch nie gab es ein rein deutsches Finale in der Champions League. Dass dabei aber der Rivale ausm Pott und der ungeliebte Bundesliga-Terminator Bayern München aufeinandertreffen, schlägt dem Blauen in mir schon ein wenig auf den Magen. Was wird man in den nächsten Jahren noch mehr als sonst zu hören bekommen? "Kommt ihr erstmal soweit" oder "Wir waren wenigstens dabei" oder zu guter Letzt: "Wir haben das Ding schon mal gewonnen". Igitt, igitt …

Da hast du Bock drauf, wie "Meister der Herzen" zu sein – dennoch, sie haben es sich verdient, der FC Schalke nicht! Freust du dich nun also auf einen tollen Fußballabend oder ärgerst du dich, weil es ausgerechnet der BVB und der FCB geschafft haben? Es versetzt mich in eine nicht greifbare Schwebe aus "Juhu" und "Leck mich am Arsch". Besinnt man sich jedoch auf das Lebensgefühl, welches der Fußball einem zu vermitteln vermag, und setzt man die meinungsbeeinträchtigende Vereinsbrille ab, dann herrscht große (Vor-)Freude auf ein absolutes Fußballfest.

Liebling(e) des Monats

Ich will natürlich auch sehen, wie es Manuel Neuer ergeht. Der Mann, dessen Vereinstreue so viel Wert hat, wie die Worte Walter Ulbrichts ("Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!"). Ein Verfechter der Ehre, der Übertorwart. Was passiert eigentlich, wenn dieser Feingeist der treuen Gepflogenheiten den Henkelpott mit seinen neuen bajuwarischen Freunden holt? Gut, Schalke kriegt wieder mal ein paar Millionen, aber darf er dann mit dem Megafon bayerisches Liedgut anstimmen? Oder das Vereinswappen küssen, sich den eigenen Fans nähern und sein Trikot in die Menge schmeißen? Vielleicht kassiert er vor Enthusiasmus und Euphorie auch die Backpfeife der puren Glückseligkeit? Man weiß es nicht. Aber ist schon ok für mich. Er soll machen, was er gerne möchte – er ist und bleibt ein freier Mensch. Auf Schalke war er der beste Torwart der Welt, dann ging er zu Bayern ...

Beim BVB gibbet aber auch einen bestimmten Freund des gepflegten Wortes, ein rhythmischer, vielsilbiger Wortakrobat, der vom mannigfaltigen Vokabular her in den pompösen Cirque du Soleil gehört – Kevin Großkreutz. Ein wahrer Freund des FC Schalke 04, vor allem aber von Jermaine Jones. Dieses Pärchen führt eine Luftakrobatik in die hiesigen Bühnen der zauberhaften Bundesliga, das ist schon hinreißende Extrasahne. Wenn der Jar Jar Binks aus Westfalen aber bald sagt: "Michse sein Superheftig-Champions-League-Sieger" – dann kotzt so mancher hartgesottene Königsblaue einen Strahl vom Allerfeinsten. Seine Spielkunst gehört nicht in den Louvre des Fußballs, sondern in Quarantäne. Trotz der Abneigung, zu dem, was er gegen den S04 zu sagen hat - so eine offen nach außen getragene Vereinsliebe hätte ich auch gern auf Schalke.

Danke FCB, danke BVB

Aber mal Spaß beiseite, gewollte Gehässigkeit weg und nun mit wiedereinkehrender Intelligenz: Borussia Dortmund und der FC Bayern München stehen völlig verdient in diesem Finale, denn sie sind die zurzeit besten Mannschaften Europas. Punkt! Diese Leistung verdient Anerkennung, zumindest sehe ich das so. Der FC Bayern München und Borussia Dortmund – eine Symbiose der Dominanz! Ich persönlich sehe die Vorteile beim BVB. Der FC Bayern hat sich die Borussia schon im Halbfinale gewünscht, ein mögliches Echo werden sie ertragen müssen. In zwei Spielen wäre Schwarz-Gelb für die Süddeutschen einfacher zu knacken. In nur einem Spiel ist der große Gegner Jürgen Klopps eingebaute Staubsaugervertreterphilosophie – seine Fähigkeit zu taktieren und zu motivieren. Dazu der bärenstarke Robert Lewandowski. Vor allem der Pole manipuliert dich wie 'n Jedi.

So ein Finale möchte der "Knappe" an sich niemals sehen! Wie eine Hochzeit von Ex-Tennisstar Martina Hingis und Oliver Kahn: Wer will denn auch Hingis-Kahn heißen? Dieses besondere Spiel werde ich trotzdem genießen und mich an dieser fabelhaften Ballsportart erfreuen, das solltet ihr auch. Denn zu nichts anderes ist dieser wundervolle Tag für einen neutralen Beobachter da. Und wenn wir mal ganz ganz ehrlich sind: das Leben ist doch auch viel zu kurz zum Miesepetern, oder etwa nicht? Freuen wir uns auf ein Fest für den deutschen Fußball und deswegen sage ich zähneknirschend: Danke FCB und danke BVB.

Bitte nicht verklagen, ich bin schon pleite …

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