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Borussia Dortmund: Aus der Fast-Insolvenz nach Wembley

Um ein Haar hätte es das Dortmunder Fußball-Wunder gar nicht gegeben. Vor acht Jahren stand der Verein an der Schwelle zur Insolvenz.

Dortmund. Die Beschreibung der Lage von Borussia Dortmund im Frühjahr 2005 kann für Hans-Joachim Watzke nicht dramatisch genug sein. "Wir kommen ja von Ground Zero nach Wembley", sagte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund über den Weg, den der vor wenigen Jahren noch hochverschuldete Klub von der Fast-Insolvenz bis ins Finale der Champions League bisher zurücklegte.

"Vorhof der Pathologie"

Rund 180 Millionen Verbindlichkeiten, das Stadion verkauft, akute Liquiditätsprobleme - Dortmund befand sich im "Vorhof der Pathologie", wie es Watzke auch immer gerne anschaulich beschrieb. Nicht viel hat gefehlt - und der BVB würde jetzt in den Niederungen des Amateurfußballs spielen anstatt im Endspiel der Königsklasse gegen Bayern München.

Rückblick: 14. März 2005. In einer einstigen Abfertigungshalle des Düsseldorfer Flughafens kommt es zum Showdown um die Zukunft des BVB. Die Gesellschafter des Stadionfonds Molsiris müssen als letzte Gläubigergruppe dem Sanierungskonzept zustimmen. Bei einem negativem Votum ist die Insolvenz nicht mehr abzuwenden, der Neuanfang hätte in der Kreisliga C beginnen müssen.

Als Präsident Reinhard Rauball nach sechsstündiger Versammlung leichenblass vor die Presse tritt, befürchten Beobachter das Schlimmste. Doch Rauball, mittlerweile zum dritten Mal in Amt und Würden verkündet eine Zustimmung von 94,4 Prozent - der BVB ist gerettet. "So eine Situation möchte ich nie wieder erleben. Das waren die schlimmsten Stunden meiner Laufbahn", sagte der Jurist.



Gebete erhört

"Wenn ich im Februar 2005 hundertprozentig gewusst hätte, wie die Situation eigentlich ist, hätte ich wahrscheinlich die Flucht ergriffen", erinnerte sich Watzke. Anfangs lebt der am 15. Februar 2005 zum Geschäftsführer berufene ehemalige Schatzmeister aufgrund der ungewissen Zukunft des Vereins im Hotel. Die Fans demonstrieren lautstark gegen Watzkes Vorgänger - Präsident Gerd Niebaum sowie Manager Michael Meier. Selbst Pfarrer stehen mit BVB-Schal in ihrer Kirche und beten für die Rettung.

Herausgekommen war das existenzbedrohende finanzielle Gebaren des Klubs nur durch eine ungewöhnliche Kooperation. Zwei Journalisten der Süddeutschen Zeitung und des Fachmagazins kicker deckten in später preisgekrönten Artikeln zusammen den Größenwahn der damaligen Verantwortlichen auf. Erst nach deren Entmachtung beginnt der Neuaufbau.

100 Millionen Euro Schulden in 1,5 Jahren abgebaut

Das Stadion wurde mit Hilfe eines langfristigen Bankkredits zurückgekauft, eine Kapitalerhöhung und der Verkauf von Leistungsträgern brachte frisches Geld - innerhalb von eineinhalb Jahren wurden mit der Radikalkur fast hundert Millionen Euro Verbindlichkeiten abgebaut. Sogar Bayern München lieh dem Konkurrenten zwei Millionen Euro. Watzke, der in seinem eigenen Unternehmen Brandschutzkleidung herstellte, entpuppte sich als der richtige Feuerwehrmann.

Jedoch auf Kosten des sportlichen Erfolgs. In der letzten Saison vor der Verpflichtung von Jürgen Klopp 2008 landete der Verein unter Thomas Doll auf Platz 13, erreichte aber immerhin wieder das Pokalfinale und damit den internationalen Wettbewerb. Gegner: Bayern München. Ergebnis: 1:2 nach Verlängerung.



Notnagel Jugend

"Wir waren ein bisschen naiv. Es gab wenig Geld, aber dafür eine große Tradition und hohe Erwartungen", sagte Klopp rückblickend. Notgedrungen setzte er auf die Jugend - und gewann. Zweimal den Meistertitel, einmal den Pokal, jetzt steht er im Champions-League-Finale. Mit dem Nebeneffekt, dass der Klub von der "Intensivstation" längst als geheilt entlassen wurde. "Der Finaleinzug wird uns ökonomisch in ungeahnte Höhen führen", betonte Watzke.

Bereits jetzt sind die Zahlen beeindruckend. 215,2 Millionen Euro Umsatz und einen Netto-Gewinn von 34,3 Millionen Euro verkündete Watzke im vergangenen November. Damit war der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr (151,5 Millionen Euro) um 42,1 Prozent gestiegen. Erstmals seit dem Börsengang 2000 und sieben Jahre nach der Fast-Insolvenz wird die Borussia Dortmund GmbH KGaA ihren Aktionären eine Dividende zahlen. Um das finanzielle Überleben brauchen sich die Borussen längst keine Sorgen mehr zu machen.

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