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Abschied auf Raten - Mourinho wird zum "Semispecial One"

Jose Mourinho könnte am Dienstag sein letztes großes Spiel als Trainer von Real Madrid erlebt haben. Der Portugiese sprach nach dem Abpfiff Sätze, die auf Abschied deuten.

Madrid/Frankfurt. Nach seiner Abrechnung mit Real Madrid schlug José Mourinho die geballte Wut entgegen. Die Sporttageszeitung Marca degradierte den selbsternannten "Besonderen" am Donnerstag gnadenlos - "The Semispecial One", lautete die Schlagzeile. 82 Prozent von 26.000 Lesern des einflussreichen Blattes stimmten zudem für einen Abschied von Mourinho. Als Nachfolger des Real-Trainers werden bereits Carlo Ancelotti von Paris St. Germain und auch Dortmunds Erfolgscoach Jürgen Klopp gehandelt.

Mou fehlt Liebe

Mourinho scheint alle Symphatien verspielt zu haben. Nachdem für Real trotz eines 2:0 (0:0) gegen den BVB im Halbfinal-Rückspiel der Traum vom Champions-League-Endspiel wieder einmal geplatzt war, nutzte der exzentrische Portugiese die große Bühne zu seiner ganz persönlichen Abrechnung mit den Königlichen. "In England lieben mich die Leute und haben stets anerkannt, was ich geleistet habe. Da gibt es Differenzen zu Spanien. Hier gibt es viele, die mich hassen", sagte "Mou" und fügte mit grimmigem Blick hinzu: "Einige davon sitzen auch in diesem Raum."

Wenig später verriet er im kleineren Kreis, er wolle künftig dort arbeiten, "wo mich die Leute lieben." Sprich: auf der Insel. Seinen wohl bevorstehenden Wechsel zu seinem Ex-Klub FC Chelsea nach dem Rundenende wollte José Mário dos Santos Félix Mourinho allerdings noch nicht bestätigen. Das Boulevardblatt "The Sun" druckte am Donnerstag allerdings eine Fotomontage, auf der ein blaueingefärbter Mourinho als Coach der "Blues" jubelt. Nachdem für Real der Traum von einer magischen Nacht geplatzt war, kündigte der 50-Jährige an: "Ich werde das erst am Ende der Saison gemeinsam mit dem Präsidenten entscheiden." Seinem Image als selbstherrlicher Coach wurde er wieder einmal gerecht, als er wie selbstverständlich nachschob: "Es hängt nur von mir selbst ab." Die Sporttageszeitung Sport hatte ihr Urteil aber bereits gefällt: "Adios Mou! Die Pleite ist vollbracht", titelte das Blatt aus Barcelona, während Marca mit Seitenhieb auf Mourinho schrieb: "All you need is Klopp - la-la-lara-la."

Real hadert

Da passte es ins Bild, dass Mourinho die Schuld für das Verfehlen des Endspiels auch bei Schiedsrichter Howard Webb (England) suchte. Nach Meinung des Trainers hätte der Referee gleich mehrere Spieler vom Platz stellen müssen. "Das Handspiel von Mats Hummels war eine klare Rote Karte. Da hatte Webb wohl das Gefühl, dass er den Dortmundern die Finalteilnahme verderben könnte", haderte Mourinho. Es müsse eben "alles zusammenpassen", wenn man ins Finale wolle.

Mit Real Madrid und ihm passt es wohl nicht, denn auch im dritten Anlauf in Serie war in der Vorschlussrunde der Königsklasse Endstation. "Da ist einem nur noch zum Weinen zumute", sagte Torschütze Sergio Ramos und erhielt Unterstützung von Superstar Cristiano Ronaldo: "Das ist natürlich enttäuschend. Wir hätten in der ersten Halbzeit zwei, drei Tore machen können. Das hätte alles verändert." Die späten Treffer von Karim Benzema (83.) und Ramos (88.) reichten letztlich nicht. Seit 2002 jagt der spanische Rekordmeister der begehrtesten Team-Trophäe im europäischen Fußball hinterher. Den Grund für das neuerliche Scheitern sah Mourinho eindeutig in der 1:4-Hinspielpleite. "Es hat für uns nicht gereicht, weil wir in Dortmund ein unterirdisches Spiel gemacht haben." Mourinho zeigte aber dennoch Größe und erkannte den Triumph der Gäste an. "Wir haben gegen ein Team verloren, das schneller und flexibler gespielt hat." Zumindest war es im vierten Duell mit der Borussia in dieser Saison der erste Sieg der Spanier.

Eine Tatsache, die einen wie Mourinho freilich nicht zufriedenstellen konnte. Der 50-Jährige flirtete lieber mit "Miss England". "Da werde ich von einigen Klubs geliebt, speziell von einem", sagte Mourinho und meinte zweifelsohne den FC Chelsea. Das Boulevardblatt The Sun zeigte ein Foto von ihm mit der Überschrift: "Ich will geliebt werden." In dem Wort "loved" besteht der Buchstabe "v" aus dem Chelsea-Logo.

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