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Mit 4:0 hatte sich der FC Bayern München in der Allianz Arena gegen Barcelona durchgesetzt. Vor dem Rückspiel wolle man sich aber "nicht blenden lassen", so Jupp Heynckes.

Barcelona. Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller hatten erkennbar gute Laune. Oben auf dem Podium im feudalen Hotel Hesperia Tower absolvierten sie die internationale Pressekonferenz vor dem Halbfinal-Rückspiel der Champions League beim FC Barcelona - und nur bei einem Thema wurden sie ziemlich ernst. Ja, sagte Schweinsteiger, "wir haben einen Traum, das ist das Finale." Er warnte aber auch vor der Annahme, der FC Bayern München könne am Mittwoch die "Road to Wembley" im Spaziergang zurücklegen.

"Wir haben die Tür weit aufgemacht, aber wir sind noch nicht einen Schritt reingegangen", sagte Schweinsteiger mit ernster Miene. Nein, vom grandiosen 4:0 im Hinspiel wollen sich die Münchner nicht blenden lassen. "Es gibt zwei Mannschaften", glaubt Schweinsteiger, "die das noch umbiegen können: Der FC Barcelona und der FC Bayern." Müller warnt, Barça habe "zwei Gesichter", und Trainer Jupp Heynckes mahnt: "Wir dürfen uns vom Hinspiel-Ergebnis nicht berauschen lassen und müssen zeigen, dass das keine Eintagsfliege war."

Als der FC Bayern am Dienstag bei Sonnenschein, 16 Grad und mit Präsident Uli Hoeneß an Bord Barcelona erreicht hatte, empfing ihn dort schon mal ein Sturm der Entrüstung. Ein unangekündigtes Tief namens Franz (Beckenbauer) hing über Katalonien fest und vergiftete das Klima nachhaltig. "Hochmut und merkelianische Arroganz" warf die Zeitung El Mundo Deportivo dem Ehrenpräsidenten des FC Bayern vor - und Mediendirektor Markus Hörwick sah sich sogar gezwungen, bei der Pressekonferenz eine hochoffizielle Entschuldigung vorzubringen.

So groß war die Aufregung in Barcelona, dass Barça schon tags zuvor vom FC Bayern eine Erklärung für Äußerungen von Beckenbauer verlangt hatte. Der hatte geargwöhnt, Barcelona werde die Münchner provozieren, mit "allen Tricks" bearbeiten und dabei jede "erlaubte und unerlaubte Methode" anwenden. "Ich entschuldige mich, wenn meine Aussagen missverstanden worden sind", ließ Beckenbauer ausrichten, Hörwick erklärte den Spaniern wortreich, das der "Kaiser" zumindest bei seiner Entschuldigung nicht misszuverstehen sei.

Beckenbauer hat ein wenig Sorge, dass der FC Bayern bei einem möglichen Finaleinzug arg dezimiert nach London reisen wird. Sechs Münchner Spieler sind von einer Gelbsperre bedroht - Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Javi Martinez, Dante, Mario Gomez und Luiz Gustavo. Dem "Kaiser" schwant Übles durch etwaige Provokationen von Barça, hinzu kommt, dass Schiedsrichter Damir Skomina (Slowenien) den Ruf genießt, gerne zur Gelbe Karte zu greifen. In Spanien wird er deshalb "der Kartenmann" (Sportblatt AS) genannt.

Die Sache mit den Gelben Karten beschäftigt selbstverständlich auch den Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge. "Wir müssen klug, intelligent und ausgeschlafen spielen, nicht blöd hingehen", verlangte er beim Abflug aus München am Dienstagvormittag und fügte noch hinzu: "Ich wünsche keinem, dass er fehlt, wenn wir das Finale erreichen." Aber, und das betonte Rummenigge: "Erst mal müssen wir dahin." Beim "Finale dahoam" im vergangenen Mai hatten David Alaba, Holger Badstuber und Luiz Gustavo wegen "Gelbsucht" gefehlt.

Heynckes nimmt das Rückspiel trotz der guten Ausgangsposition jedenfalls hochgradig ernst und will "überhaupt keine Rücksicht" auf jene Spieler nehmen, die mit Gelb vorbelastet sind. "Ich werde die bestmögliche Mannschaft nominieren", betonte der 67-Jährige vor dem Duell mit Weltfußballer Lionel Messi und Co. Und auch Arjen Robben sagte: "Wir dürfen nicht ein Prozent weniger geben. Alle reden schon vom Finale, von Wembley: Aber wir dürfen nicht denken, dass wir schon da sind. Das wäre das Schlimmste."



Tatsächlich aber reden die Bayern fast nur vom Halbfinale. Und von der Stärke des Gegners. "Wenn es eine Mannschaft gibt, die das korrigieren kann, ist das Barcelona", sagt Arjen Robben über das 0:4 aus Sicht der Katalanen. Entsprechend konzentriert betraten die Münchner am Dienstag nach der Landung des Sonderfluges LH 2570 um 12.44 Uhr die Ankunftshalle am Flughafen El Prat. "Da wird keiner ins Spiel gehen und nicht 100 Prozent geben", sagte Heynckes. "Es ist eine Topleistung notwenig", sekundierte Sportvorstand Matthias Sammer.

Die Spieler haben es begriffen. "Es ist noch nicht fertig! Im Camp Nou ist es schwierig, ich weiß das", sagt Franck Ribery. Wie Schweinsteiger stand der Franzose beim 0:4 der Bayern am 8. April 2009 in Barcelona auf dem Platz. Diesmal, sagte er, "müssen wir viel arbeiten, viel laufen, und zwar zusammen!" Lahm bemühte sogar mit einigem Schrecken die Blamage der Nationalmannschaft im vergangenen Oktober beim 4:4 gegen Schweden: "Ich war schon einmal 4:0 vorne, vor nicht allzu langer Zeit..."

Neuer warnte deshalb davor, "die Taktik umzustellen". Dafür wird es wohl einen Wechsel im Angriff geben: Für Mario Gomez dürfte Mario Mandzukic stürmen, der beim 4:0 gesperrt hatte zuschauen müssen.

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