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Der allseits befürchtete Spießrutenlauf für den Nationalspieler blieb am Tag nach der Bekanntgabe des Megatransfers zum großen Rivalen Bayern München aus.

Dortmund. Norbert Dickel hatte es plötzlich furchtbar eilig. Langgezogen hatte der Stadionsprecher von Borussia Dortmund der „Gelben Wand“ im Signal-Iduna-Park die Aufstellung des BVB für den Champions-League-Knaller gegen Real Madrid präsentiert - als Mario Götze an der Reihe war, nuschelte er den Namen so schnell dahin, dass die wenigen Pfiffe gnadenlos untergingen. Der allseits befürchtete Spießrutenlauf für den Nationalspieler, der in Dortmund das Versprechen auf eine große Zukunft nicht einlösen wird, blieb am Tag nach der Bekanntgabe des Megatransfers zum großen Rivalen Bayern München aus.

Kaum Pfiffe, keine Anfeindungen - die treuesten der Treuen antworteten mit einem ohrenbetäubenden BVB-Jubelsturm auf den „Shitstorm“ im Internet. Spätestens in der 8. Minute, als Robert Lewandowski - auf Vorlage von Götze - das 1:0 erzielte, waren die Unmutsäußerungen weniger Enttäuschter vergessen. Und das lediglich 44 Stunden, nachdem der Transfer des Jahres (aus welcher Quelle auch immer) via Bild-Zeitung publik geworden war.

„Unsere Fans haben das wunderbar gemacht“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bei Sky: „Sie können unterscheiden, dass das für Borussia Dortmund ein wunderbarer Abend ist.“ Götze hatte schon beim Aufwärmen gelassen mit dem Ball jongliert und Tricks gezeigt, es war keine Spur von explosiver Stimmung. „Der Mario ist cool. Wenn er auf dem Platz steht, vergisst er alles andere“, sagte Bundestrainer Joachim Löw im ZDF. Nach der 4:1-Gala hatten scheinbar auch alle BVB-Fans alle Wut vergessen. „Mario hat sehr gut gespielt, sehr konzentriert“, lobte Sportdirektor Michael Zorc.

Der BVB tat im Vorfeld alles Mögliche zur Deeskalation. „Lasst Eure negativen Gedanken bitte zu Hause, wir wollen gewinnen“, sagte Trainer Jürgen Klopp, dessen Ansprache zehn Minuten vor dem Anpfiff auf der Videoleinwand eingespielt wurde.

Im Laufe des Spieltages hatte auch der „Shitstorm“, die Empörungswelle der enttäuschten Fans im Internet, deutlich an Intensität verloren. Hatte bei Twitter, Facebook und Co. zuvor die Fraktion der Pöbler dominiert, die Götze als „Judas“ oder „geldgeil“ beschimpften, setzte sich nun mehr und mehr die Stimme der Vernunft durch - so ist eben das Geschäft, war die Erkenntnis. Zudem benötige die Mannschaft jedwede Unterstützung. Die bekam sie auch.



Auf der Pressekonferenz am Dienstagnachmittag hatte Klopp die Fans um einen netten Empfang für Götze gebeten, nach dem Einlaufen zum Aufwärmen war er zufrieden. „Ich hatte schon sieben oder acht Nächte seit der Nachricht. Deshalb wollte ich meine Ruhe weitergeben in die aufgeheizte Stimmung“, sagte Klopp: „Aber im Nachhinein war das wahrscheinlich gar nicht nötig.“

Als Götze nach 155 Sekunden das erste Mal den Ball am Fuß hatte, wurde er bestätigt: Es blieb ruhig, insofern man das vom Hexenkessel überhaupt behaupten konnte.

Für den Weg ins Stadion hatten die meisten BVB-Fans aber ihre Mario-Götze-Trikots im Schrank gelassen. Wer mit "Götze"-Flock ein Zeichen setzen wollte, durfte sich auf anregende Diskussionen an den Bierständen freuen.

Götze wird den BVB am Ende der Saison verlassen. Dank einer Ausstiegsklausel sicherte sich der FC Bayern den 20-Jährigen für kolportierte 37 Millionen Euro Ablöse. Götze, der am Dienstagabend wie selbstverständlich in der Dortmunder Startelf stand, soll ein Wunschspieler des kommenden Bayern-Trainers Pep Guardiola sein.



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