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Immer noch Bestia Negra oder Barca 2.0? Wie sieht man in Spanien das Halbfinale gegen die Bayern? Wir haben die Barcelona-Korrespondentin von Goal.com zu der Stimmung befragt.

Barcelona. Es ist ein echter Kracher im Halbfinale der Champions League: Der FC Bayern München muss gegen den FC Barcelona ran. Vor dem heutigen Hinspiel haben wir uns mit Barcelona-Expertin Pilar Suarez von Goal.com Spanien über dieses Duell unterhalten:

Goal.com: Wie war die Reaktion unmittelbar nach der Halbfinal-Auslosung?

Suarez: Bayern war die Mannschaft, gegen die keiner spielen wollte. Von Seiten der Spieler gab es nur wenige Reaktionen, einige, wie Fabregas, Iniesta und Pique haben sich darauf beschränkt, zu sagen: Auf geht’s nach München! Mehr aber auch nicht. Nach einer Weile hat sich aber abgezeichnet, dass Trainer und Spieler die Bayern als einen sehr schweren Gegner sehen. Der Anhang in Katalonien sieht das ähnlich: Man hat sehr viel Respekt, aber die richtigen Cules haben blindes Vertrauen darin, dass ihr Team die Bayern ausschalten kann. Gut möglich, dass diese Entschlossenheit durch die beiden schwierigen Spiele gegen den PSG und Milan entstanden ist. Schwere Aufgaben, die dennoch gemeistert wurden...

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Goal.com: Welches Bild von den Bayern hat man noch im Kopf: die Bestia Negra?

Suarez: Die Bayern sind noch die Bestia Negra – von Real Madrid, nicht für Barcelona. Vielleicht, weil es einfach nicht so viele entscheidende Duelle gab. Barca gegen Milan gilt als ein europäischer Klassiker. Für ein Spiel gegen die Bayern gilt das noch nicht, dennoch sieht man die Partie als vorgezogenes Finale, beide gelten als Favoriten. Die Chancen sieht man bei 50 Prozent, denn die Bayern haben ein sehr starkes Team, das weiß man. Aber Barca hat es trotz aller Probleme in der Defensive und schwierigen Umständen so weit geschafft. Messis Rückkehr hat das Vertrauen bestärkt, dass man ins Finale kommt.

Goal.com: Als was für einen Gegner nimmt man die Bayern wahr? Erinnert man sehr an den 4:0-Sieg vor vier Jahren?

Suarez: Auf jeden Fall als einen auf Augenhöhe! In der Luft gelten die Bayern beispielsweise als klar überlegen. Was die Qualität der einzelnen Spieler angeht, scheinen beide Teams absolut ausgeglichen. Von jenem 4:0-Sieg wird beispielsweise nur wenig in den Medien gesprochen. Warum? Man will bei Barca nicht zurückschauen, die Konzentration gilt alleine der anstehenden Partie. Man weiß: An einem guten Tag kommt man ins Finale. Aber man hat auch gesehen, dass in diesen K.O.-Spielen an einem schlechten Tag das Aus kommen kann.


"Deutschland will wie Spanien sein"
- El Pais


"Auf zur fünften Champions League"
- El Mundo Deportivo


Goal.com: Wurde der Weg der Bayern in den letzten Jahren wahrgenommen?

Suarez: Um ehrlich zu sein, hat man das hier nur wenig verfolgt, der Bundesliga kommt nicht allzu viel Aufmerksamkeit zugute. Über deutsche Teams spricht man, wenn man in der Champions auf sie trifft. Natürlich: Als die Pep-Verpflichtung bekannt wurde, hat man sich auch mehr mit dem Bayern beschäftigt. Bei Goal.com Spanien waren wir mit unsere Meinung, dass die Bayern eine gute Option für Pep sind, ziemlich alleine. Fast alle dachten, er geht nach England oder Italien. Wir hatten früh den Eindruck, dass Bayern zu Peps Stil passt. Viele hier vertrauen noch darauf, dass Pep eines Tages zu Barca zurückkehrt, wenn auch nicht als Trainer, sondern als Präsident. Die Spiele gegen die Bayern werden deswegen mit viel Emotionen erwartet. Man denkt, dass das für Pep eine große Herzenssache ist – denn letzten Endes wird er immer ein Cule sein. Unvorstellbar, dass er Barca-Spieler zu einem anderen Verein holen würde.

Goal.com: Kam in Spanien je der Gedanke auf, dass die Bayern sich in ihrem Stil Barca angenähert haben oder sie imitieren?

Suarez: Darüber wird in Spanien wenig geredet, wie gesagt, die Bundesliga wird nur marginal wahrgenommen. Ich persönlich bin davon aber überzeugt, deswegen gefiel mir die Idee, dass Pep zu den Bayern geht. Dass er sich ein Team aussucht, das eine komplett andere Spielanlage hat, wäre undenkbar gewesen. So kann er seine Philosophie fortsetzen. Die Liebe zum Ballbesitz und zum Angriff ist das, was beide Teams in aller erster Linie gemeinsam haben.

Goal.com: In Deutschland ist schon die Rede vom Aufeinandertreffen der alten und neuen Weltmacht des Fußballs. Wie sieht man die deutsch-spanische Konstellation in Spanien?

Suarez: Hier steht die Premier League nach wie vor vor der Bundesliga, vor allem, was den Umsatz angeht. Aber die Liebhaber des iberischen Fussballs verspüren mindestens eine stille Freude darüber, dass die Engländer alle aus dem Wettbewerb sind. Die Tatsache, dass zwei deutsche Mannschaften unter den letzten vier stehen, hat uns aber aufmerksam werden lassen. Wir haben durchaus wahrgenommen, dass die Bundesliga sich verstärkt, nicht zuletzt mit Pep, und der deutsche Fußball auf dem Vormarsch ist. Wenn er kommt, werden wir die deutsche Liga definitiv mehr beobachten. Aber auch wenn die Stärke der Bayern und von Dortmund hier gesehen wird: Man ist überzeugt davon, dass sich Barca und Real Madrid in Wembley gegenüberstehen werden.

EURE MEINUNG: Wer setzt sich in den beiden Halbfinal-Duellen durch?

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