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Hammerlos Barcelona? Nicht unbedingt: Nie standen die Chancen der Bayern besser

Seit der bösen 0:4-Klatsche von 2009 ist viel Wasser die Isar runtergeflossen. Die Bayern nähern sich der Augenhöhe Barcas, den Klassenunterschied von damals gibt es nicht mehr.

Nyon. Nun also der FC Barcelona! Während die einen stöhnen, könnte man es beim FC Bayern München auch positiv sehen: Gewinnt man gegen das Team, welches noch am ehesten den Titel des „Weltbesten“ verdient - wer soll einem dann noch die Königsklassen-Krone streitig machen? Die Fakten aus der jüngsten Champions-League-Geschichte der Katalanen stützen dies sogar: 2010 bezwang Jose Mourinhos Inter Mailand die Azulgrana im Halbfinale, 2012 war es das Bollwerk vom FC Chelsea. Beide gewannen anschließend die begehrte Trophäe.

Der umgekehrte Weg...?

Keiner weiß das besser als die Bayern, die gegen beide Barca-Bezwinger beide Male im Endspiel den Kürzeren zogen. 2010 und 2012 verwandelten sich die vermeintlich leichteren Lose in ihr Gegenteil. Nun haben die Bayern die Chance, den umgekehrten Weg zu gehen - und den Favoriten zu stürzen, statt als Favorit zu stürzen. Nach wie vor galt Barca als der schwerste Brocken im Topf der letzten vier. Als er gerade im Achtelfinale rausgeflogen war und nach einem möglichen Favorit Bayern befragt wurde, ließ Arsene Wenger durchblicken, dass er davon nicht so viel hält: „Glauben Sie mir, Barcelona ist die beste Mannschaft in Europa“, grantelte der Elsässer in die Kamera.

Karl Heinz-Rummenigge hatte nach der Auslosung die naheliegendste Assoziation: „Barcelona ist von der Qualität und Quantität das Beste, was Europa zu bieten hat. Wir haben das 2009 eine fürchterliche Packung gekriegt“, erinnerte sich der Bayern-Boss an das 0:4 im Camp Nou, schob aber hinterher: „Das ist die Gelegenheit zu zeigen, dass wir seitdem gereift sind.“ Er könnte Recht behalten! Den spielerischen Klassenunterschied von damals, der sich bei Barcas Durchmarsch zum CL-Titel aufdrängte, gibt es heute nicht mehr. Seitdem haben die Bayern einen Entwicklungsprozess angestoßen, an dessen Ende, wie in jeder Coming-of-Age-Geschichte gewünscht, die persönliche Erfüllung stehen könnte. In Form eines Henkelpotts.

Bayern gegen Barca in der Königsklasse
01.04.1996
16.04.1996
21.10.1998
04.11.1998
08.04.2009
14.04.2009

Bayern - Barca 2:2
Barca - Bayern 1:2
Bayern - Barca 1:0
Barca - Bayern 1:2
Barca - Bayern 4:0
Bayern - Barca 1:1
Nicht nur die zwei erreichten Finals in den vergangenen drei Jahren (Stichwort: Konstanz!) sprechen dafür, dass die Bayern reif sein könnten. Personell und konzeptuell hat man an der Säbener Straße dazugelernt. Spieler wie Javi Martinez, David Alaba und Mario Mandzukic stehen dafür, dass der Kader sinnvoll und in der Breite komplettiert wurde. Und auf Jürgen Klinsmann, der das 0:4-Debakel 2009 im Camp Nou als Trainer zu verantworten hatte, folgten mit Louis van Gaal und Jupp Heynckes Übungsleiter, als deren oberstes Anliegen die Förderung der bayrischen Spielkultur galt.

Zudem scheint der größte Knacks erst gar nicht zu existieren: der psychologische! Die Endspiel-Niederlagen, allen voran das „Finale dahoam“ 2012, waren den Münchnern bislang nicht anzumerken. Im Gegenteil scheinen die Roten die richtige Art der Trauerarbeit gefunden zu haben. So sprach der Sportpsychologe Dr. Georg Nimz vor dem Halbfinale in Turin gegenüber Goal.com von einer „Jetzt-erst-recht-Mentalität, bei der die Spieler besonders fokussiert sind.“ Gegen Juventus Turin, so der Eindruck, schwang jede Menge „Jetzt erst recht“ im „Mia san mia“ mit.

Dazu kommt: Barca ist nicht mehr die Übermannschaft der vergangenen Jahre, wenngleich man die Katalanen in ihrer Spielstärke auch dann nicht unterschätzten sollte, wenn sie in Sandalen auflaufen. Aber Chelsea im vergangenen Jahr (ausgerechnet Chelsea!) sowie Milan und der PSG in der laufenden Spielzeit haben gezeigt, dass die Azulgrana verwundbarer geworden sind. Und vor allem das Rückspiel gegen Paris hat die eine große taktische Schwäche offengelegt: Die Messidependecia, wie das Phänomen der Abhängigkeit von dem knipsenden Argentinier in Spanien heißt.

Trifft Messi nicht, tut sich Barca schwer. Und Jupp Heynckes hat sich gegen Turin als hervorragender Taktiker erwiesen, der die „alten Dame“ nach eigenen Angaben in den Nächten zuvor sogar mit ins Bett genommen hat. Aber das ist nur ein weiterer Grund, der den Bayer Mut machen könnte...

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