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Mit einer starken Leistung schlug der deutsche Rekordmeister Juventus Turin. Sogar Antonio Conte, Trainer der Italiener, zeigte sich beeindruckt.

München. Der FC Bayern besiegte Juventus Turin mit Leidenschaft und taktischem Geschick. Die Chancen auf den Einzug in das Halbfinale der Champions League sind nach dem 2:0-Erfolg gegen den italienischen Rekordmeister ausgezeichnet.

Conte: Die „Supermacht“ Bayern ist „Favorit auf den Titel“

Sogar der Gegner geriet ins Schwärmen. „Der FC Bayern ist eine Supermacht“, sagte Antonio Conte. Dieser FC Bayern, ergänzte der Trainer von Juventus Turin voller Respekt, ja geradezu ehrfürchtig, sei der „Favorit auf den Titel“ in der Champions League - neben dem FC Barcelona und Real Madrid. Das mögen neben Conte auch die Münchner so sehen, sagen wollen sie es allerdings lieber nicht. Nicht vor dem 26. Mai, nicht vor dem Endspiel in Wembley.

Ein bisschen Eigenlob, mehr gönnten sich die Münchner nicht nach ihrem äußerst eindrucksvollen 2:0 (1:0) im Viertelfinal-Hinspiel der Königsklasse gegen eine ältlich wirkende Juve. Das „wahrscheinlich beste Spiel in der Champions League in dieser Saison“, urteilte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. „Die Mannschaft hat über weite Strecken einen überragenden Fußball gespielt“, befand Trainer Jupp Heynckes. Kein Widerspruch.

Heynckes fordert „Demut und Bescheidenheit“

In der Tat zeigte der FC Bayern zumindest schon mal das Gesicht eines Champions, aber einlullen lassen will er sich von der eigenen Stärke nicht mehr. „Wir sollten auch dieses Spiel mit Bescheidenheit und Demut entgegennehmen“, betonte Heynckes, auch wenn er vor Stolz beinahe zu platzen schien. „Es ist eine gute Ausgangsposition, aber wir haben noch nichts geschafft“, sagte Bastian Schweinsteiger. Am kommenden Mittwoch ist ja erst mal das Rückspiel in Turin.

Müller warnt vor „Überheblichkeit“

Die Münchner sind ein bisschen vorsichtig geworden, das 0:2 im Achtelfinal-Rückspiel daheim gegen den FC Arsenal hat sie nachhaltig aufgeschreckt, nach dem 3:1 in London waren sie ja noch die Besten und Tollsten gewesen - und hatten sich wohl auch so gefühlt, ehe es beinahe blamabel schiefgegangen wäre. „Die Erfahrung Arsenal lehrt uns, ruhig zu bleiben“, sagte Arjen Robben, Torhüter Manuel Neuer betonte: „Die Gefahr ist immer, dass man die Lage unterschätzt.“

Nein, unterschätzen werden diese außerordentlich konzentrierten Münchner wohl nichts und niemanden mehr. „Mein Gefühl sagt mir, dass wir das dritte Tor hätten machen müssen“, sagte Schweinsteiger. Und das sah auch Thomas Müller so, in der 63. Minute zweiter Torschütze neben David Alaba, der bereits nach 26 Sekunden traf. Müller hatte in der Schlussminute zweimal besagten dritten Treffer auf dem Fuß, „aber jetzt wollen wir mal nicht überheblich werden“, sagte er.

Heynckes: „Das Pressing hat Juve gar nicht geschmeckt“

Und doch war deutlich der Stolz zu spüren, diese Juve, diese unangenehme Mannschaft, dominiert und besiegt zu haben. Stolz vor allem auch darüber, dass die eigene Taktik jener der so gewieften Italiener überlegen war. „Das Pressing, das wir durchgezogen haben, hat Juve gar nicht geschmeckt“, sagte Heynckes, grinsend. Die Gäste hatten höchstens eine Torchance, durch den im Rückspiel gesperrten Arturo Vidal (69.). Und Andrea Pirlo? War ineffektiv.

„Das Stören in der ersten Linie vorne, das war entscheidend“, sagte Sportdirektor Matthias Sammer. Nur in der ersten Viertelstunde klappte das nicht so gut - erst als Müller nach dem Ausscheiden von Toni Kroos (Saisonende nach Muskelbündelriss) dessen zentrale Rolle übernahm, wurde Juve fast erstickt. Turin habe es mit der Strategie versucht, mit der Italien 2012 im EM-Halbfinale noch die deutsche Mannschaft „kaputtgemacht“ habe, erklärte Sammer. Der FC Bayern war offensichtlich besser vorbereitet.

„Wir haben es besser verteidigt“, lobte Sammer die Taktik von Heynckes und die Umsetzung durch die Spieler, und Pirlo, den hätten sie einfach „weggenommen“. Schöne Grüße an den Bundestrainer. „Wir haben uns sehr gut vorbereitet“, sagte Heynckes, der ja schon angemerkt hatte, er sei mit der „alten Dame“ sogar im Bett gewesen, um sie kennenzulernen. Die Mannschaft habe ihm „sehr gut zugehört“ und seine Anweisungen „hervorragend umgesetzt“, ergänzte er.

Sammer: „Das gibt Kraft“

Aber noch ist ja ein Rückspiel zu bestreiten. Und dafür sei dieses 2:0 ganz „gut“, sagte Müller, „weil wir immer noch hellwach sein müssen“ und „keine Nachlässigkeiten zulassen können wie gegen Arsenal“. Sammer, der personifizierte, stets erhobene Zeigefinger des FC Bayern, forderte bereits: „Wir sollten versuchen, auch da zu gewinnen und nicht irgendetwas zu verteidigen.“ Ein Tor in Turin, sagte Schweinsteiger, „das ist der Schlüssel“.

Was Juve-Trainer Conte am FC Bayern am meisten beeindruckte, war die Wucht, die der deutsche Rekordmeister entfaltete. „Sie spielen mit sehr viel Leidenschaft“, sagte er, „man spürt, dass sie nach dem verlorenen Finale gegen Chelsea etwas gutzumachen haben.“ Auch das werden die Münchner so nicht sagen - Sammer aber ließ sich zu diesem eindrucksvollen Sieg wenigstens folgenden Satz entlocken: „Das gibt Kraft. Nach den anderen muss man eigentlich nicht schauen.“

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