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Viele haben die Serie A abgeschrieben, doch was die Taktik angeht, ist und bleibt sie weiterhin im oberen Bereich. Dies beweist auch der neue Trend, den Juve fast perfekt umsetzt.

ANALYSE
von Fabio Porta

Heute Abend treffen die Bayern auf Juventus Turin und werden eine Formation antreffen, die in der Champions League nicht üblich ist. Seit geraumer Zeit setzt man in der Serie A auf ein 3-5-2. Wie die überholte Version dieser Taktik aussieht, konnte man bei der EM 2012 in dem Gruppenspiel zwischen Italien und Spanien betrachten. Mittlerweile schwört die Hälfte der Serie A auf eine Dreierkette. Antonio Conte verinnerlicht diese Taktik bei Juve nahezu in Perfektion. Wie funktioniert das moderne 3-5-2 bei den Bianconeri und wer sind die Schlüsselspieler?

Drei Innenverteidiger

Vor Gianluigi Buffon formieren sich mit Andrea Barzagli, Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini drei gelernte Innenverteidiger. Am Anfang stand Chiellini in der Mitte, mittlerweile hat Bonucci diesen Platz eingenommen. Alle drei Abwehrspieler gehen aggressiv und entschlossen zu Werke, die Absprache untereinander ist vorzüglich. Der Spielaufbau aus der Verteidigung kann von allen drei antizipiert werden. Eine Schlüsselrolle hat hier Chiellini, der der unumstrittene Abwehrchef bei Juve ist und mit seiner Entschlossenheit und Klasse die Dreierkette organisiert. Wenn er fehlt, leistet sich die Dreierkette hin und wieder Fehler und Unzulänglichkeiten. Dieses Dreier-Gespann bildet schon länger die stärkste Abwehr der Serie A. Die Verteidiger bestechen durch vorzügliches Stellungsspiel und sind auch in der Luft sehr präsent.

Interessant wird es im Mittelfeld. Vor der Abwehr zieht Andrea Pirlo die Strippen. Durch die Tiefe richtet Pirlo mehrere Gegenspieler auf sich und sorgt somit für freie Räume im Mittelfeld, die seine Mitspieler ausnutzen. An der Seite des „regista“ stehen Arturo Vidal und Claudio Marchisio, die Pirlo in erster Linie den Rücken freihalten und dafür sorgen, dass er ungehindert seine feinen Pässe schlagen kann. Beide Mittelfeldspieler verfügen über außerordentliche Qualitäten, sind sehr aggressiv und stören den Spielaufbau des Gegners recht früh. Bei einem gegnerischen Angriff ziehen sich beide auch gerne mal zurück und stehen gestaffelt um den eigenen Sechzehner. Bei Ballbesitz stoßen beide in die Offensive und sind immer wieder für Tore gut - Vidal und Marchisio waren in der Königsklasse an jeweils fünf Toren beteiligt.

Fünferkette?

Auf der rechten Außenbahn spielt Lichtsteiner. Der Schweizer besticht durch intensive Laufarbeit und beackert seine Seite über 90 Minuten. Bei Ballbesitz wird Lichtsteiner ein Rechtsaußen mit gefährlichen Flanken, doch der gelernte Rechtsverteidiger zieht sich auch in die Defensive zurück, wenn es nötig ist. Vorne bietet Lichtsteiner eine weitere Anspielmöglichkeit und sorgt für die Breite im Spiel der Bianconeri, hinten bietet er die Option eines weiteren Verteidigers.

Auf der anderen Seite agiert Asamoah, der seit dem Afrika-Cup nicht mehr in Top-Form ist und des Öfteren durch Federico Peluso ersetzt wird. Im Gegensatz zu Lichtsteiner hält der linke Mittelfeldspieler eher die Position und versucht, den Flügelspieler des Gegners zu beschäftigen. Die „defensive“ Variante von Lichtsteiner ist Martin Caceres. Insgesamt wird im Mittelfeld unheimlich viel Laufarbeit betrieben, um sowohl die Verteidigung als auch den Angriff zu unterstützen. Juve sorgt in diesem Bereich oftmals für eine Überzahl-Situation, was für den Gegner sehr unbequem ist. Aus der zweiten Reihe kommt der hochtalentierte Paul Pogba, der in dieser Saison mehrmals zu überzeugen wusste und eine weitere Option gegen die Bayern stellen wird.



Kein Top-Stürmer

Im Sturm wird es klassisch. Zwei Stürmer stellt Conte in der Regel auf und rotiert zwischen Quagliarella, Vucinic, Giovinco und Matri. Mit Quagliarella und Vucinic haben die Bianconeri zwei mitspielende Stürmer. Alessandro Matri ist der klassische Mittelstürmer, der in letzter Zeit immer besser in Form kommt. Sebastian Giovinco ist die hängende Spitze und war in 28 Spielen bisher an 14 Toren beteiligt. Es gibt keinen herausragenden Stürmer, der bei Juve regelmäßig für Tore sorgt.

Die Bianconeri stehen nicht nur extrem kompakt und spielen sehr intelligent, sowohl mit als auch ohne Ball – auch die Offensive ist brandgefährlich und damit sind nicht die Stürmer gemeint. Alleine im Mittelfeld ist jeder in der Lage, für Blitzmomente zu sorgen. Vidal, Marchisio und Pirlo waren an 13 der 17 Tore in der Königsklasse beteiligt.

Juve spielt unglaublich aggressiv und verschiebt nahezu perfekt. Contes 3-5-2 ist für jede Situation eingespielt und nur dann zu überwinden, wenn es sehr schnell geht und sich die Verteidiger individuelle Fehler leisten. Darüber hinaus entwickelte Antonio Conte eine Einheit, in der jeder Spieler für jeden kämpft und sich für keine Aufgabe zu schade ist. Taktisch gesehen bietet ein 3-5-2 mit den richtigen Spielern viele Facetten und kann sich auf mehrere Situationen einstellen, ohne große Umstellungen vorzunehmen. Vor allem die Variabilität und die Tatsache, im Angriff und in der Abwehr zusätzliche Optionen zu stellen, macht dieses System für den Gegner unberechenbar.

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