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Andrea Pirlo: „Gott“ und „Räuber Hotzenplotz“

Andrea Pirlo ist ein Schreckgespenst des deutschen Fußballs. Am Dienstag will er Bayern München das Fürchten lehren.

München. Das Haar verwuschelt, das Gesicht zugewuchert: Andrea Pirlo sah ein bisschen müde aus, als er am Sonntagnachmittag in München aus dem Flugzeug stieg. Doch die Stars von Bayern München sollten sich nicht in Sicherheit wiegen. Wenn sie am Dienstagabend (20.45 Uhr/Sky) Italiens Meister Juventus Turin zum Hinspiel im Viertelfinale der Champions League empfangen, wird Juve-Star Pirlo hellwach sein. Schließlich geht es gegen die Deutschen - und gegen die brilliert Pirlo am liebsten.

Rückblende

Dortmund. 4. Juli 2006: Deutschland sieht sich im WM-Halbfinale gegen Italien bereits im Elfmeterschießen, als ein Traumpass von Pirlo auf Torschütze Fabio Grosso das „Sommer-Märchen“ jäh beendet.

Warschau. 28. Juni 2012: Als Bundestrainer Joachim Löw vor dem EM-Halbfinale Pirlos Name auf dem Spielberichtsbogen erspäht, packt ihn die nackte Angst. Er ändert seine bis dahin erfolgreiche Taktik, Pirlo schaltet und waltet ungestört, Deutschland scheitert. Der fast 34-Jährige ist ein Schreckgespenst des deutschen Fußballs.

Das gilt übrigens auch auf Vereinsebene - und die Bayern wissen das am besten: Sechs Spiele hat Pirlo mit seinem früheren Klub AC Mailand gegen die Münchner bestritten, er verlor keines und gewann vier. 2006 und 2007 schalteten Pirlo und Milan die Bayern in der Königsklasse aus. Auch gegen Schalke, Bremen und Wolfsburg verlor er keines seiner fünf Spiele. Dortmund ist das einzige deutsche Team, das eine Elf um Pirlo bezwang (zwei Mal), zuletzt vor zehn Jahren.

Zwischen Genie und Wahnsinn

Dabei sieht Pirlo auf dem Platz meist aus, „als würde er gerade den Hund ausführen oder in Adiletten die Zeitung hochholen“, wie die Welt am Sonntag nun schrieb. Seine Kollegen nennen ihn auch deshalb „Mr. Freeze“, Pirlo paart Coolness mit Schweigsamkeit.

„Er lässt für sich seine Füße sprechen“, sagte Italiens früherer Trainer Marcello Lippi einmal über ihn. Und diese Füße haben einiges zu erzählen. Wer Pirlo zuschaut, lernt, den Fußball zu lieben. Seine Pässe, für den Gegner fast immer überraschend, sind Kunstwerke.

„Er ist ein Begnadeter. Er ist wie Mozart, der ein Requiem für die Deutschen komponiert“, schrieb die Gazzetta dello Sport nach dem EM-Halbfinale über ihn. Es fehle nur noch, dass er „Wasser in Wein verwandelt“. Für andere hat Pirlo diese Grenze längst überschritten. „Ich kannte Pirlo schon aus der Nationalelf. Aber jetzt, da ich ihn täglich sehe, stelle ich fest: Gott gibt es wirklich!“, sagte Juves Kapitän Gianluigi Buffon.

Dabei galt Pirlo, der mit seinem derzeitigen Rauschebart etwas von Otfried Preußlers Räuber Hotzenplotz hat, schon mehrfach als Auslaufmodell. Gleich zu Beginn seiner Karriere scheiterte er bei Inter Mailand. Als „Pirla“, norditalienisch für Trottel oder Glied, wurde er verspottet. Bei Milan reüssierte er, fiel nach zehn Jahren aber der Verjüngungskur zum Opfer und wechselte 2011 ablösefrei zu Juventus. „Ich danke Massimo Allegri, der mich nicht mehr wollte“, sagte er bald mit ironischen Grüßen an den damaligen Milan-Coach. Es war eine seiner seltenen spitzen Bemerkungen.

Einen Tag nach Ostermontag will „Gott“ Pirlo in München wieder seine Füße sprechen lassen.

EURE MEINUNG: Wird Prilo erneut triumphieren?

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