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Ein umstrittener Platzverweis ebnete Real den Weg zum Sieg und damit ins Viertelfinale. Ausgerechnet Madrids Superstar besiegelte das Aus für seinen Ex-Klub.

Manchester. Im „Theater der Träume“ waren wieder einmal Emotionen Trumpf: Real Madrids Superstar Cristiano Ronaldo fühlte nach seinem 2:1 (0:0)-Siegtreffer im Champions-League-Achtelfinale bei seinem Ex-Klub Manchester United (Hinspiel: 1:1) zwei Herzen in seiner Brust, sein früherer Trainer Sir Alex Ferguson mutierte nach dem entscheidenden Platzverweis für Nani vor Wut auf den Schiedsrichter zur Furie - und „ManUnited“-Stürmerstar Wayne Rooney muss sich womöglich auf seinen vorzeitigen Abschied von Old Trafford einstellen.

Cristiano Ronaldo zurückhaltend

„Ich bin innerlich zufrieden, dass wir gewonnen haben und ich meinen Beitrag dazu geleistet habe“, sagte Ronaldo zum Erfolg der Königlichen betont zurückhaltend.

Dort, wo der damalige Teenager 2003 seine Weltkarriere begann und sechs Jahre später für die Weltrekord-Ablöse von 94 Millionen Euro „Goodbye“ gesagt hatte, wollte der „ManU-Henker“ (Marca) seinen Treffer 21 Minuten vor dem Abpfiff auch gar nicht feiern: Sein Jubel mit nur bis auf Schulterhöhe gehobenen Händen und gerade einmal einem Anflug eines Lächelns fiel denn auch beinahe schon entschuldigend aus.

Durch den noblen Verzicht auf jegliche Triumphposen gab der ansonsten so extrovertierte Torjäger, der schon im Hinspiel das Tor für die Elf der deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Sami Khedira per Kopf erzielt hatte, auch die warmherzigen Standing Ovations des ManU-Anhangs für ihren einstigen Publikumsliebling vor Spielbeginn zurück. „Ich trauere mit ManU“, gab Ronaldo offenherzig zu.

Ferguson wütend

Was bei „CR7“ aufrichtiges Mitgefühl auslöste, ließ Manchesters Teammanager Ferguson vor Wut kochen. Der Schotte war vor lauter Empörung über die Rote Karte für Nani (56.), die nach der Führung der Platzherren durch ein Eigentor von Sergio Ramos (48.) das Match zu Madrids Gunsten drehte und Reals Ausgleich durch „Joker“ Luka Modric (66.) den Weg ebnete, außer sich: Wutschnaubend verschwand „Fergie“ mit verärgerten Fingerzeigen auf Referee Cüneyt Cakir (Türkei) in den Katakomben. Er schickte nach dem Ende aller Hoffnungen auf ein erneutes „Triple“ zum Selbstschutz seinen Assistenten Mike Phelan zur Pressekonferenz.

„Es spricht Bände, dass ich gekommen bin. Der Trainer ist nicht in der Lage, mit oder über den Schiedsrichter zu sprechen“, sagte Phelan: „In der Kabine herrscht Verzweiflung, beim Trainer herrscht Verzweiflung, und alle fragen sich nur, wie das passieren konnte.“

„Rote Karte hat uns gut getan“

Fergusons Real-Kollege José Mourinho konnte sich gut in Manchesters Erfolgscoach hineinversetzen. „Ich kenne das aus vielen Situationen. Gelb wäre vielleicht die bessere Entscheidung gewesen. Um ehrlich zu sein, muss ich sagen, dass das bessere Team verloren und diese Niederlage nicht verdient hat. Ich weiß nicht, ob wir mit elf gegen elf weitergekommen wären“, sagte Madrids portugiesischer Erfolgstrainer.

Auch für Khedira war Nanis Platzverweis die Schlüsselszene: „Die Rote Karte hat uns gut getan“, gestand der frühere Stuttgarter. Spöttisch beschrieb die spanische Zeitung Sport, die Madrids Erzrivale FC Barcelona nahe steht, den Erfolg der Spanier als „Geschenk für Madrid“.

Rooney vor Abschied?

Die Debatte über Cakirs Entscheidung überlagerte neue Spekulationen über Wayne Rooneys Zukunft bei den „Red Devils“ nach der Verbannung des Goalgetters für das wichtige Match auf die Reservebank. „Die Zeichen stehen an der Wand, man muss sie nur lesen“, orakelte ManUnited-Ikone Roy Keane als TV-Experte schon über einen Abgang des erst 17 Minuten vor Spielende eingewechselten Vollblut-Stürmers am Saisonende.

Nicht nur aus Sicht des Iren läuft für Rooney, der laut Phelan nicht wegen körperlicher Defizite aus der Startelf flog („Alle waren fit, aber es mussten Entscheidungen getroffen werden“), die Zeit in Manchester trotz eines bis 2015 gültigen Vertrags ab.

Mehrere Medien erinnerten nach dem ManU-Aus schon daran, dass 2003 David Beckham und 2006 Ruud van Nistelrooy ebenfalls in bedeutsamen Begegnungen nur auf der Bank gesessen hatten und am Ende der Spielzeiten den englischen Rekordmeister verlassen mussten. Diese Spekulationen heizen zudem seit Wochenbeginn schon kursierende Gerüchte an, dass Paris St. Germain ein 46-Millionen-Euro-Angebot für den frustrierten Torjäger vorbereiten soll.

Giggs macht die 1000 voll

Mit hoher Wahrscheinlichkeit in Old Trafford wird die Karriere von Ryan Giggs ausklingen. Wie groß Fergusons Vertrauen in den Waliser ist, verdeutlichte die Nominierung des 39-Jährigen für die Anfangsformation gegen Real - das 1000. Pflichtspiel für Giggs in seiner Profi-Karriere.

Die Niederlage zu diesem Jubiläum passte zum Abend der gemischten Gefühle im Theater der Träume.

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