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Warum Bayern der Klub ist, der Arsenal gerne sein möchte

Seit der Katastrophen-Saison 2007/08 haben sich die Bayern auf und neben dem Platz enorm verbessert, während die Gunners seitdem in einen Abwärtstrend geraten sind.

REPORTAGE |
Von Peter Staunton

Nächstes Mal, wenn Sie ein Heimspiel vom FC Bayern München in der Allianz Arena sehen, schauen sie nach links, sobald die Kamera durch das Stadion schwenkt. Dort werden Sie dann einige Fans sehen, die gekleidet sind wie Spermien. Mit ihren weißen Hüten und Mänteln bilden sie das Logo der Deutschen Telekom. Jenes Logo, das gegen eine Summe von 30 Millionen Euro pro Jahr die Brust des FCB zieren darf. Nichts verdeutlicht besser, wie Kommerz und Fans zusammenleben können. Diese Beziehung hat Bayern auf den Weg gebracht, eines der weltbesten Sport-Unternehmen zu werden.

Vergleichen Sie das mit dem FC Arsenal. Dort leisten die Fans so etwas nicht. Sie scheinen sich aktuell auch etwas gegen den eigenen Klub zu wenden. Sie tragen schwarze Schals, womit sie ihren Frust zum Ausdruck bringen. Den Frust über den seit Jahren erfolglosen Klub. Ticketpreise, die den Fans Tränen in die Augen treiben, und der steigende Kommerz lassen die Fans immer weiter abdriften. Sie sehnen sich nur nach einer Trophäe in der leeren Vitrine. Hier ist der Unterschied zwischen Bayern und Arsenal sehr groß. Weiß und Schwarz.

Am Abend treffen die beiden Mannschaften im Achtelfinale der Champions League aufeinander. Die Münchner sind der klare Favorit in dieser Begegnung. Dabei ist es noch nicht so lange her, dass der Verein deutlich hinter Arsenal zurück war.

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Zwei Konstanten bei Arsenal

Erst 2007/2008 war der FC Bayern im UEFA-Cup gegen Zenit St. Petersburg im Halbfinale gescheitert. In Russland verlor der deutsche Rekordmeister mit 0:4, nachdem es schon im Hinspiel nur ein 1:1-Remis an der Isar gab. In der Saison zuvor verpasste der Rekordmeister eine Platzierung unter den besten Drei in der Bundesliga. Zum ersten Mal seit elf Jahren. Es war ein hartes Erlebnis für den größten Klub Deutschlands. Schnell fielen sie vom Thron...

In derselben Saison erreichte Arsenal in der Champions League das Viertelfinale, wo es gegen Liverpool allerdings das Aus gab. Diese Spielzeit war Teil einer tollen Reihe. Denn seit 15 Jahren ist der FC Arsenal jedes Jahr in der Champions League dabei. Das kann der FC Bayern im Moment nicht aufweisen, auch wenn diese Serie bei den Londonern nicht mehr allzu lange Bestand haben könnte. Und Bayern kann auch nicht die Kontinuität auf der Trainerbank aufweisen, auf welcher bei den Gunners Arsene Wenger bereits seit 1996 seinen Platz einnimmt.

Bayern - Ein Traum von Wenger

Seit 2007 gab es immer wieder neue Trainer an der Säbener Straße. Manche Amtszeiten blieben nicht in guter Erinnerung, wie etwa die von Felix Magath oder Jürgen Klinsmann. Es gab aber auch Leute wie Ottmar Hitzfeld, Jupp Heynckes oder Andries Jonker. Die autoritäre Führung von Louis van Gaal wurde gefolgt von der dritten Heynckes-Amtszeit. Ab der neuen Saison wird der Klub auf Pep Guardiola setzen, der von der ganzen Welt gejagt wurde. Seit der Schmach 2007/2008 hat sich Bayern prächtig weiterentwickelt.

Der aktuelle Tabellenführer der Bundesliga vereint einige große Neuzugänge mit heimischen Spielern. Gekauft wurden etwa Manuel Neuer, Javi Martinez, Mario Mandzukic oder Franck Ribery. Aus der Jugend stammen Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Holger Badstuber und Toni Kroos. Ein wahrer Wenger-Traum. Dieses Quintett zusammen mit Neuer und Mats Hummels, der ebenfalls aus der Bayern-Jugend entsprang, bildet den Stamm der Nationalmannschaft.



Arsenal verlor an Qualität

Währenddessen hat Arsenal versucht, um gekaufte Spieler eine solche Mannschaft zu erbauen und somit um den Erfolg der ersten Jahre zu kämpfen. Die Transfers von Patrick Vieira, Emmanuel Petit, Thierry Henry, Robert Pires und viele weitere verhalfen Wenger zu Titeln. Aber in den vergangenen Jahren war der Radar nicht mehr derart erfolgreich platziert worden. Und wenn ein Spieler dann der Mannschaft seinen Stempel nicht aufdrücken kann, sinkt sein Preis beachtlich.

Bayern hat im Sommer sehr stark in die Mannschaft investiert. Mandzukic, Xherdan Shaqiri oder auch 40-Millionen-Mann Javi Martinez wurden verpflichtet. Wenn im Klub eine Schwachstelle ausgemacht wird, dann wird diese mit aller Macht behoben. Verglichen mit Wenger wird klar, dass der Arsenal-Chef kein Mann der großen Ausgaben ist. Valencias Forderungen für Juan Mata waren ihm zu hoch, ebenso stand vor ein paar Jahren ein Transfer von Xabi Alonso vom FC Liverpool wegen der Kosten nicht zur Debatte. Das führte aber auch dazu, dass der Kader an Qualität verlor. Bayern hingegen demonstrierte, dass es notwendig ist, Geld in die Hand zu nehmen. Zumindest wenn es die Situation erfordert.

Arsenals Talente ohne Durchbruch

Im vergangenen Sommer wurde bei Bayern auch die zentrale Verteidigung als Schwachstelle ausgemacht. Verpflichtet wurde Dante für nur 4,5 Millionen Euro. Ein Spieler, der schon mehr als 100 Spiele in der Bundesliga absolviert hatte. Er konnte sich nach seinem Abgang von Borussia Mönchengladbach mittlerweile sogar in die brasilianische Nationalmannschaft spielen. Im Jahr zuvor wurde Neuer verpflichtet, nachdem in den vorhergegangenen Jahren nach dem Rücktritt von Oliver Kahn viel zwischen den Pfosten experimentiert wurde.

Aus der Heimat spielen bei Arsenal Jack Wilshere und Kieran Gibbs und machen auch durchaus Mut. Aber sie scheinen oftmals auch nur die hochervanlagten Talente zu bleiben. Wenger ist es nicht gelungen, Top-Spieler aus der Akademie zu formen. Louis van Gaal etwa integrierte beim FC Bayern David Alaba, Badstuber und Müller in die erste Mannschaft, lange bevor deren Zeit gekommen war. Sie frühzeitig an die Mannschaft ranzuführen, hat nun diese Qualitäten hervorgebracht, welche die Spieler aktuell zeigen können.

FCB zieht die Marken an

Kein Zweifel, diese Spieler genießen es, für Bayern zu spielen. Aber der Klub zahlt auch seit langer Zeit am besten in Deutschland. Und das, obwohl fast 50 Prozent Steuern gezahlt werden müssen. Nicht zu vergessen: Bayern verlor schon lange keinen echten Leistungsträger mehr. Der letzte war vermutlich Michael Ballack. Er ging 2006 als 29-Jähriger. Zwei Dinge halten die Spieler aber zumeist in der Allianz Arena: Die Sicherheit, dass der Lohn gezahlt wird, und die Aussicht auf Titel. Es ist nicht notwendig, aufzuzählen, wen Arsenal in der Vergangenheit verloren und nicht ersetzt hat...

Kontinuierliche Investitionen in die Mannschaft haben es dem FC Bayern ermöglicht, immer weiter zu wachsen. Wirtschaftlich hat sich der Klub stets gut entwickelt und wurde so zu einem guten Partner für viele deutsche Marken. Zum Beispiel eben die Sponsoren-Arbeit der Deutschen Telekom, die zu den lukrativsten Deals der Sport-Welt zählt.

Wirtschaftlich zwei Welten

Im Aufsichtsrat beim FC Bayern sitzen Größen aus der deutschen Wirtschaft. Von Audi, Adidas, Volkswagen oder auch der Deutschen Telekom. Audi und Adidas besitzen jeweils neun Prozent der Bayern-Anteile. Diese ganzen Deals ermöglichten etwa den Bau der Allianz Arena, die im vergangenen Jahr das Champions-League-Finale beheimatete. Dieses Stadion macht nun rund 23 Prozent der Gesamteinnahmen (also rund 85,4 Millionen Euro) der Saison 2011/2012 aus. Vergleichsweise günstig sind die Preise. Dauerkarten gibt es schon ab 100 Euro - so viel kosten bei Arsenal viele Tagestickets. Der Zuschauer-Andrang bei Arsenal ist immer noch vorhanden. Aber die hohen Preise lassen eine Lücke zwischen den Fans und dem Klub entstehen. Die Zuschauer ärgern sich immer mehr, dass es für dieses Geld oft keinen guten Fußball zu sehen gibt.

Bei Arsenal ist die wirtschaftliche Lage eine ganz andere. Laut Deloitte lagen die Einnahmen zuletzt nur bei etwa einem Drittel von dem, was der FCB einnimmt. Das Problem der Gunners: Viele langfristige Verträge wurden zu einer Zeit abgeschlossen, als man dringend Geld suchte, um sich den Traum vom Emirates Stadium zu erfüllen. Jetzt sind diese Verträge oft zu niedrig dotiert. Etwa die Fluggesellschaft, die einen Vertrag bis 2018/2019 besitzt und so lange die Rechte auf das Trikot-Sponsoring hält. Immerhin kann Arsenal bald auf mehr Geld hoffen. Am Ende der nächsten Saison läuft der Vertrag mit Ausrüster Nike aus.


Betretene Gesichter nach der Niederlage in Sankt Petersburg bei Hitzfeld, Henke und Hoeneß

Die Macht-Verhältnisse haben sich gedreht

Womöglich einer der deutlichsten Hinweise auf den Stand der Bayern: Das Gehalt von Guardiola soll offenbar teilweise von Sponsoren übernommen werden. Spekuliert wird über Adidas. Guardiola soll zwischen acht und zehn Millionen Euro im Jahr verdienen. Das ist allen Vermutungen nach nicht sehr viel weniger, als Wenger bei Arsenal kassiert.

Die Verpflichtung von Guardiola zeigt, dass der FC Bayern zu einem der größten Klubs in Europa werden möchte. Mit der Teilnahme an zwei Champions-League-Endspielen in den vergangenen drei Jahren wurde das Potenzial dafür bereits nachgewiesen. Natürlich will der Klub auch in der Bundesliga wieder unumstritten an die Spitze. Bayern ist zurück und mittlerweile ein Klub, wie ihn sich Arsene Wenger gerne bei Arsenal gewünscht hätte. Wenn man heute zurück schaut, ist es kaum vorstellbar, dass die Nord-Londoner irgendwann so deutlich vor der deutschen Super-Macht standen...

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