Spielbericht Champions League: FC Sevilla –ZSKA Moskau

Den Russen gelang die Sensation in Sevilla. Mit einer abgeklärten Leistung konnte man die Spanier, die sehr viel riskierte, in die Knie zwingen. Der Siegtreffer von ZSKA entstand aber unter starker Mithilfe von Andres Palop.

Von Robert BENDEKOVITS

Honda, Mark Gonzalez, Ignashevich, Sevilla, CSKA Moscow (Getty Images)
Sevilla. ZSKA Moskau schaffte durch einen 2:1 Sieg beim FC Sevilla im Achtelfinalrückspiel der Champions League den Einzug in die nächste Runde. In einer spannenden Partie konnten die Russen in den entscheidenden Momenten zuschlagen und sich so das Viertelfinalticket sichern

PERSONAL & TAKTIK

Die Gastgeber wählten mit einem 4-5-1 auch eine eher vorsichtige Taktik und wollten nicht ins offene Messer laufen. Als einzige Spitze agierte Luis Fabiano, Diego Perotti war etwas dahinter das Bindeglied zwischen Angriff und Sturm. Unterstützt wurde der Brasilianer über die Seiten durch Diego Capel und Jesus Navas. Lediglich die Abwehr wurde verändert.

Auch bei den Russen gab es eine Überraschung, den Alan Dzagoev kam nur von der Bank. Deshalb durfte Keisuke Honda neben Youngster Tomas Necid stürmen. Das Mittelfeld war auch defensiv ausgerichtet, doch über Mark Gonzalez und Mark Gonzalez sollte Druck erzeugt werden.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Das Spiel begann gleich mit einem Paukenschlag. Bereits in der dritten Minute hätte Luis Fabiano, nach guter Vorarbeit von Jesus Navas, die Gastgeber in Führung bringen müssen, doch Igor Akinfeev bewies wieder einmal warum er zu den talentiertesten Torhütern zählt und konnte den Ball mit einer hervorragenden Parade noch entschärfen. Sevilla erzeugte von Beginn an Druck und die Gäste taten sich schwer ins Spiel zu kommen. So blieb ihnen nur die Möglichkeit, ihr Glück aus der Distanz zu erzwingen, so wie Milos Krasic in der 14. Minute, doch letztendlich verfehlte sein Schuss das Ziel. Auch der Versuch von Mark Gonzalez strahlte wenig Gefahr aus (16.). Nach 20 Minuten wurde das Spiel besser und die Russen investierten auch mehr in die Offensive.

Fast im Minutentakt gab es jetzt auf beiden Seiten gute Chancen, doch Fabiano und Diego Capel bzw. Tomas Necid und K Honda vergaben aus aussichtsreicher Position. Nach 30 Minuten übernahm Sevilla wieder das Kommando und die Russen beschränkten sich wieder auf lange Bälle. Gegen den Verlauf des Spiels gelang ZSKA dann plötzlich durch Necid die Führung. Nach einer schönen Kombination zwischen Gonzalez und Honda, bediente der japanische Neuzugang, den Tschechen. Der fackelte nicht lange und bezwang Andres Palop mit einem platzierten Weitschuss (38.). Die Antwort der Spanier ließ nicht lange auf sich warten. Nach einem Abschlag von Palop legte Navas quer auf Diego Perotti, der leichtes Spiel hatte und den Ball aus kurzer Distanz an Akinfeev vorbeispitzelte (40.).

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Sevilla spielte auch zu Beginn der zweiten Halbzeit sehr ambitioniert und drückte die Moskowiter in die eigene Hälfte. In der 53. Minute hatte der eingewechselte Frederic Kanoute die große Chance auf die Führung, doch er konnte den Ball mit seinem Kopf nur mehr touchieren. Die Russen konnten sich kaum befreien, sorgten aber mit ihren quirligen Spieler manchmal für Entlastung. In der 55. Minute konnte man so eine Gelegenheit nützen. Nach einem Foul erhielt man einen Freistoß und Honda versuchte es mit einem Gewaltschuss. Palop hatte mit dem scharfen Ball Probleme und konnte in nur mehr in das eigene Tor lenken.

Danach setzte Sevilla alles auf eine Karte und wollte wieder zurück ins Spiel kommen. Die Russen verstärkten ihre Defensivbemühungen und bauten vor dem eigenen Strafraum zwei Viererketten auf. In der 70. Minute hatte Mark Gonzalez Glück als er nach einem brutalen Foul an Navas nur die gelbe Karte sah. Manolo Jimenez brachte Alvaro Negredo ins Spiel und versuchte es mit einem 4-3.-3. Jedoch musste man bis kurz vor Schluss warten, als man die nächste gute Chance vorfand, doch Navas traf die falsche Entscheidung und versuchte es stattdessen mit einer Flanke (86.). In den Schlussminuten hatten noch Federico Fazio und Kanoute zwei gute Chancen, doch der Ball fand den Weg nicht ins Tor.

SCHLÜSSELSPIELER

Bei Sevilla wurde immer wieder Fabiano gesucht. Der Brasilianer bot zwar eine ansprechende Leistung, doch es war ihm noch die fehlende Matchpraxis anzumerken. Jesus Navas war ein Aktivposten und war von seinen Gegenspielern nie in den Griff zu bekommen.
Bei den Gästen sorgten die beiden Flügel Gonzalez und Krasic für viel Unruhe, aber auch im Angriffszentrum wussten Necid und Honda sehr gut zu gefallen.

SCHLÜSSELSZENE

Der schnelle Ausgleich für Sevilla war sehr wichtig, denn wenn man kurz vor der Pause aus einer Unachtsamkeit in Rückstand gerät, hätte dies gravierende Folgen für die zwei Halbzeit gehabt. Doch der Ausgleich nach nur zwei Minuten war die passende Antwort. Aber auch die erneute Führung der Gäste war genauso bitter für Sevilla, vor allem weil Palop nicht von jeglicher Schuld freigesprochen werden kann.

SPIELER DES SPIELS: Keisuke HONDA

Der japanische Shootingsstar bot eine sehr gute Leistung, bereitete den ersten Treffer vor und erzielte den zweiten selbst mit einem Gewaltschuss.

SCHIEDSRICHTER – NOTE: 6

Viktor Kassai hatte das Geschehen weitestgehend sicher im Griff. Der Ungar trat nur selten in Erscheinung und entschied in kniffligen Situationen zumeist korrekt.

SPIELNOTE: 7

Beide Seiten wirkten bemüht und versteckten sich nicht. Es war davon auszugehen, dass Sevilla mehr vom Spiel haben wird, doch auch die Moskowiter waren vor allem im Konter sehr gefährlich und nützten ihre Chancen clever. Obwohl das Spiel zwar kein Klassiker war, haben wir unterhaltsame 90 Minuten gesehen.

Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

DIE STATISTIK

Die gute Offensive der Spanier war doch nicht gut genug, um das Spiel zu ihren Gunsten zu entscheiden. Obwohl ein Fabiano in den Castrol Rankings auf Platz 20 liegt und auch andere wichtige Spieler, wie Renato (69.) oder Navas (119.) gute Bewertungen aufweisen können reichte es nicht gegen die gut organisierten Russen.

FAZIT

Etwas überraschend kam das Aus von Sevilla schon, doch ZSKA Moskau bot eine souveräne Leistung. Man war gut organisiert und fand eine gute Balance zwischen einer gut gestaffelten Defensive und einer präzise agierenden Offensive. Sevilla lief etwas übermotiviert an und wurde eiskalt erwischt.

Eure Meinung: Ist der Viertelfinal-Einzug von ZSKA  verdient?


 
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