Spielbericht Champions League: Real Madrid- Olympique Lyon

Das sechste Achtelfinal-Aus in Folge von Real Madrid ist perfekt. Olympique Lyon holte im Bernabeu ein 1:1-Remis und steht somit unter den letzten Acht Teams. Mann des Abends war dabei ein bosnischer Youngster. Das Champions-League-Finale in Madrid steigt somit ohne die „Königlichen“.

Von Johannes RUPPRECHTER

Kaka, Real Madrid, Lyon (Getty Images)
Madrid. Real Madrid hat sich nach dem Achtelfinal-Rückspiel gegen Olympique Lyon aus der Champions League verabschiedet. Die Franzosen erreichten gegen den spanischen Tabellenführer nach dem 1:0-Sieg im Hinspiel ein 1:1-Remis.

PERSONAL & TAKTIK

Aufgrund der Sperren von Xabi Alonso und Marcelo war Manuel Pellegrini zu zwei personellen Umstellungen gezwungen. Routinier Guti nahm den Platz des Ex-Liverpool-Akteurs vor der Abwehr an der Seite von Lass Diarra ein. Granero rutschte anstelle des Brasilianers in die Anfangsformation, agierte aber im rechten Mittelfeld. An Marcelos angestammtem linken Flügel sollte Cristiano Ronaldo wirbeln. Der formstarke Higuain wurde als Solospitze aufgeboten, Ex-Lyon-Star Benzema fehlte aufgrund von Leistenbeschwerden.

Auf Seiten der Franzosen bot Coach Claude Puel den Brasilianer Cris in der Abwehrzentrale neben Boumsong auf. Toulalon, Makoun, Pjanjic, Govou und Delgado bildeten das Fünfer-Mittelfeld hinter Sturmspitze Lisandro Lopez. Insgesamt war Olympique äußerst defensiv eingestellt.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Vor 70.000 Zuschauer im Santiago Bernabeu waren die Königlichen nach Anpfiff von Referee Rizzoli von Beginn an äußerst bemüht, die 0:1-Hinspielniederlage auszumerzen. Nach nicht weniger als 16 Sekunden scheiterte Kaka aus spitzem Winkel halbrechter Position am herausstürzenden Lloris. Doch bereits in Minute sechs war es soweit: Nach einem feinen Guti-Steilpass in die Schnittstelle auf den halblinks loseilenden Ronaldo, ließ dieser Lyon-Innneverteidiger Cris stehen und tunnelte die Kugel aus spitzem Winkel mit links durch die Beine von Schlussmann Lloris, der dabei alles andere als gut aussah. Und wer gedacht hat, die Madrilenen würden in der Folge erst mal einen Gang zurückschalten, der sah sich gewaltig getäuscht. Beinahe minütlich liefen die Pelligrini-Schütlinge, welche eine deutliches Plus an Ballbesitz und Spielanteilen verzeichneten, auf Frankreichs Nationaltorwart Lloris zu. So vergaben Kaka (10.), Ronaldo (11., 13.) beste Gelegenheiten. Die größte Chance zur überfälligen 2:0-Führung vergab aber Angreifer Higuain. Nach idealem Pass in die Tiefe von Ronaldo, umkurvte der Youngster Keeper Lloris und brauchte den Ball aus halbrechter Position nur mehr ins leere Tor zu schieben. Doch der Gaucho, der alle Zeit der Welt hatte, traf nur den Innenpfosten. Anschließend rollten die Real-Angriffe wie auf einer schiefen Ebene weiter in Richtung Gäste-Gehäuse. Das inferiore Lyon indes war defensiv äußerst anfällig und verzeichnete im Aufbauspiel eine Unmenge an Abspielfehlern. Lediglich einmal wurde es gefährlich vor dem Kasten von Casillas. Doch zehn Minuten vor dem Pausenpfiff senste Makoun nach einer Govou-Hereingabe im Fallen über das Leder. Letztlich konnten die Franzosen aber von großem Glück reden, zur Halbzeit nur mit 0:1 in Rückstand zu sein.

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE


Nach Wiederbeginn sahen die Fans ein völlig anderes Bild. Das Puel-Team, welches nun mit Kallström und Gonallons für Boumsong und Makoun agierte, war nun ein ernsthafter Gegner und hielt endlich stark dagegen. Sieben Minuten nach Wiederbeginn setzte sich der schwedische Joker auf links prompt gegen Diarra durch, doch Govou drosch das Spielgerät aus 14 Metern kläglich in den dritten Oberrang. Auch in der Folge stabilisierte sich die Olympique-Hintermannschaft zusehends. Im Spielaufbau verzeichneten die Gäste in den zweiten 45 Minuten zudem deutlich weniger Unzulänglichkeiten. Das „weiße Ballett“ derweil hörte plötzlich auf zu tanzen und wollte den Franzosen nicht ins offene Messer laufen, da es bei einem Gegentor zwei weiteren Real-Treffern zum Erreichen des Viertelfinals bedurft hätte. Doch die Spielweise der Madrilenen war einfach zu passiv. Dies spürten die Franzosen und wurden immer selbstbewusster. Und dies sollte sich noch auswirken. Denn in Minute 75 assisitierte Delgado dem jungen Pjanic von der linken Sechzehnerecke perfekt. Der Bosnier drehte sich um die eigene Achse und ließ mit seinem Linksschuss aus etwa acht Metern Cassilas keine Abwehrchance. Bei der Entstehung stellte sich die Defensive des spanischen Tabellenführung aber viel zu stümperhaft an und agierte nicht mit der nötigen Entschlossenheit. In der Folge schafften es die Hausherren nicht Gefahr zu erzeugen und waren viel zu wenig zwingen. Im Gegenteil: Lyon hatte durch Lopez und Delgado noch zwei 100 prozentige Torchancen. Schließlich blieb es beim 1:1, welches das sechste Achtelfinal-Aus der Madrilenen es suite besiegelte.

SCHLÜSSELSPIELER

Bei den Madrilenen sorgten Guti und Cristiano Ronaldo immer wieder für Kreativität und Gefahr im ersten Durchgang. Auch Rechtsverteidiger Ramos schaltete sich oft mit in die Angriffe der Spanier mit ein.

Bei den Gästen brachten sowohl Kallström als auch Gonalons für frischen Schwung. Auch Delgado und Pjanic machten ihre Sache – vornehmlich nach der Pause – gut.

SCHLÜSSELSZENE

Eine Viertelstunde vor Schluss schockte Miralem Pjanic die Fans im Bernabeu und sorgte für Totenstille bei den Real-Anhängern. Dabei schloss der Bosnier einen schönen Spielzug mit abschließendem Delgado-Assist gekonnt ab.

SPIELER DES SPIELS: Miralem Pjanic

Der 19-jährige Youngster legte einmal mehr eine eindrucksvolle Kostprobe seines Könnens ab. Der 14-malige bosnische Internationale spielte frech und sorgte auch für den entscheidenden Treffer.

SCHIEDSRICHTER – NOTE: 6

Nicola Rizzoli hatte das Geschehen weitestgehend sicher im Griff. Der Italiener strahlte stets Souveränität aus und entschied in kniffligen Situationen zumeist korrekt.

SPIELNOTE: 7

Im ersten Abschnitt machten die „Galaktischen“ mächtig Dampf und schnürten die Franzosen über weite Strecken regelrecht um deren Strafraum ein. Nach Wiederbeginn spielten die Gäste munter mit und konnten die flotte Begegnung ausgeglichen gestalten.

Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

DIE STATISTIK


Cristiano Ronaldo befindet sich aktuell in starker Form. Dies bestätigte der Portugiese, der im Castrol Rankings auf Rang zwei liegt, auch in der Begegnung gegen Lyon. Auf deren Seite hat Sturmtank Lisandro Lopez über weite Strecken eher enttäuscht. Kaum anzunehmen, dass sich der Argentinier nach der Partie im Bernabeu von Position 528 nach oben arbeitet.

FAZIT

Das sechste Achtelfinal-Aus in Folge von Real Madrid ist perfekt. Dabei schlugen die Gastgeber in Halbzeit eins einfach zu wenig Profit aus ihrer Überlegenheit und gingen zu leichtfertig mit ihren Chancen um. Aufgrund des Hinspiels und der Leistungssteigerung im zweiten Abschnitt ist das Weiterkommen der Franzosen durchaus verdient.

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