Spielbericht Champions League: AC Florenz – Bayern München

Eine Niederlage, die nicht weh tut. Die Bayern stehen trotz einer Pleite in Florenz in der nächsten Runde der „Königsklasse“. Nach der Pause entwickelte sich bei schwierigen äußeren Bedingungen ein lebhaftes Spiel, das hin und her wogte.

Von Daniel BUSE

Van Robben hämmerte die Bayern ins Viertelfinale (Getty Images)

Florenz. Der AC Florenz hat das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Bayern München mit 3:2 (1:0) gewonnen. Richtig freuen konnten sich die Italiener allerdings nicht über den Sieg, denn die Bayern ziehen nach dem 2:1 im Hinspiel dank der mehr erzielten Auswärtstore in die nächste Runde ein.

PERSONAL & TAKTIK

Die Fiorentina setzte auf dieselbe Taktik wie im Hinspiel: Hinter der einzigen Spitze Alberto Gilardino sollten Stevan Jovetic und Juan Vargas für die Akzente sorgen. Felipe vertrat den gesperrten Massimo Gobbi auf der Linksverteidigerposition. Das war die einzige Änderung im Team von Coach Cesare Prandelli.

Bei den Bayern vertraute Trainer Louis van Gaal dem 17-jährigen David Alaba, der links hinten verteidigte. Holger Badstuber vertrat den verletzten Martin Demichelis in der Abwehrzentrale. Ansonsten konnten die Bayern die vertrauten Gesichter aufbieten und ließen auch ihre Superstars Arjen Robben und Franck Ribéry auflaufen.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Ein mögliches gutes Spiel wurde in Florenz vom stürmischen Wind verweht. Die äußeren Bedingungen ließen nicht den gewohnten Fußball zu, weil Kombinationen eher zufällig entstanden oder durch eine Windböe zerstört wurden. Die Fiorentina musste nach dem 1:2 im Hinspiel angreifen – und das taten die Italiener zunächst vorsichtig. Juan Manuel Vargas legte einen Freistoß aus 30 Metern aufs Tordach (6.). Und in der 16. Minute war es wieder der Peruaner, der den Bayern auf der rechten Abwehrseite viele Probleme machte: Er flankte nach innen und dort berührte Daniel van Buyten den Ball leicht mit der Hand. Der Elfmeterpfiff blieb jedoch aus.

Die Bayern versuchten, mit kurzen Pässen Sicherheit und Spielkontrolle zu bekommen. Das gelang auch phasenweise, doch gefährlich vor das Fiorentina-Tor kamen die Gäste nicht. Wie man den Wind auch nutzen kann, zeigte Florenz in der 28. Minute: Riccardo Montolivo zog mit Rückenwind aus mehr als 30 Metern ab und Butt konnte nur schwach abklatschen. Beim Kampf um den Abpraller pennte Daniel van Buyten, der nur zusah, wie Juan Manuel Vargas aus spitzem Winkel zum 1:0 traf.

Die Bayern waren nun unter Zugzwang – und erspielten sich eine große Chance gegen ein Fiorentina-Team, das sich nun weit zurückzog, sobald die Münchener in Ballbesitz waren. Arjen Robben kam zehn Meter vor dem Tor zum Schuss und Fiorentina-Torwart Sebastien Frey parierte den Versuch mit einer tollen Parade (34.).

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Nach dem Seitenwechsel nahm das Spiel richtig Fahrt auf. Es begann mit einer Großchance für Alberto Gilardino, der den Ball nach einer Hereingabe von rechts vor die Füße bekam und mit seinem Schuss aus fünf Metern an Hans-Jörg Butt scheiterte (50.). Vier Minuten später konnte der Bayern-Keeper aber nichts machen, als Gilardino eine Flanke von Marco Marchionni zurücklegte und Stevan Jovetic freistehend zum 2:0 einschießen konnte (54.).

Lange brauchten die Bayern allerdings nicht, um sich von dem Schock zu erholen. Franck Ribéry setzte sich auf links gegen drei Fiorentina-Spieler durch und legte den Ball nach innen, wo Mark van Bommel mit einem Flachschuss aus 20 Metern ins linke untere Eck zum 2:1 traf (60.). Jetzt musste wieder Florenz antworten – und tat das. Vargas leitete einen Konter des AC mit einem Pass auf die linke Seite zu Jovetic ein. Der spielte einen Doppelpass mit Gilardino und tunnelte zum Abschluss auch noch Butt zum 3:1 (64.).

Damit wäre Florenz durch gewesen, doch Arjen Robben hatte etwas dagegen. Nur eine Minute später versenkte er einen Schuss aus 25 Metern traumhaft im linken Winkel (65.). 3:2 – das reichte den Bayern.

In der Schlussphase setzten die Fiorentina nicht hundertprozentig auf Offensive. Die Italiener bemühten sich, aber richtig große Möglichkeiten erspielten sie sich nicht mehr. Dabei war die Bayern-Abwehr an diesem Abend durchaus wacklig, doch Florenz konnte trotz drei erzielter Tore nicht den Einzug ins Viertelfinale feiern.

SCHLÜSSELSPIELER & -SZENEN

Das 1:0 durch Juan Manuel Vargas in der 28. Minute veränderte die Spielsituation und setzte die Bayern unter Druck: Einen Weitschuss von Montolivo konnte Butt nur unzureichend abwehren, sodass Vargas abstauben konnte. Nach der Pause wechselte die Ausgangslage gleich mehrfach: Mal musste Florenz treffen, mal die Bayern. Beide taten es auch – und erst das 3:2 durch einen traumhaften Weitschuss von Arjen Robben genau in den Winkel beendete das Hin und Her zugunsten der Bayern (65.).

SPIELER DES SPIELS: Mark van Bommel

Zeichen setzen – das ist es, was der Niederländer gerne macht. Er haut im Mittelfeld dazwischen oder auch mal den Ball ins Tor. So wie zum 2:1, das ein typisches Van-Bommel-Tor war: Ein Flachschuss, den er genau im Eck versenkte. Darüber hinaus glänzte er im Mittelfeld mit viel Einsatz und sorgte dafür, dass in der Schlussphase nicht mehr viel für die Münchener anbrannte.

SCHIEDSRICHTER: Alberto Undiano Mallenco – Note: 7

Hatte keine einfache Aufgabe in Florenz und musste über einige knifflige Abseitsfragen und mögliche Handspiele entscheiden. Machte dabei in der ersten Halbzeit keine großen Fehler und wertete die fraglichen Aktionen von Daniel van Buyten nicht als absichtliches Handspiel. Hielt sich nach der Pause mit den Gelben Karten zurück, was sich allerdings nicht negativ bemerkbar machte.

Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

SPIELNOTE: 6

Das Spiel in Florenz litt eindeutig unter den äußeren Umständen. Der Wind machte zunächst ein schönes Spiel unmöglich, denn die Kombinationen liefen einfach auf beiden Seiten nicht. Nach der Pause wurde es turbulent und richtig interessant. In der Schlussphase passierte dann nicht mehr viel.

STATISTIK

Das Gute und Schlechte aus Florenz liegt im Castrol Ranking dicht zusammen: Daniel van Buyten hatte am Mittwoch einen schwachen Abend erwischt – und das, obwohl er eigentlich ein echter Leistungsträger ist. Der Belgier liegt im Ranking an 7. Stelle und damit fünf Plätze vor Arjen Robben, der gegen die Fiorentina nach der Pause richtig aufdrehte.

FAZIT

Fast hätte eine schwache Vorstellung der Abwehr die Bayern das Viertelfinale gekostet. Am Ende sicherte die individuelle Klasse von Top-Spielern wie Franck Ribéry und Arjen Robben den Münchenern den Einzug ins Viertelfinale. Von Florenz kam in der Schlussphase zu wenig.

Eure Meinung: Wie habt Ihr das Spiel zwischen Florenz und den Bayern gesehen?


 
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