Spielbericht Champions League: Arsenal London – FC Porto

Noch nie in der langen Geschichte konnten die Gunners in der Champions League eine Niederlage aus dem Hinspiel noch umbiegen. Heute Abend war es soweit und der FC Porto holte sich seine siebte Niederlage im siebten Spiel in London ab. Die fiel dazu ziemlich deftig aus.

Von Christoph VOGEL

Fucile läuft Nasri mal davon, am Ende hatte Arsenal deutlich die Nase vorn (Getty Images)

London. Durch einen klaren und auch in der Höhe verdienten 5:0-(2:0-)Erfolg über den FC Porto zog Arsenal London in das Viertelfinale der Champions League ein. Von den Gästen war über die gesamte Spielzeit offensiv fast nichts zu sehen, während die Gunners ihr Angriffsspiel förmlich zelebrierten. Die Londoner kompensierten das Fehlen ihres besten Mannes mit Bravour und zogen ungefährdet in die nächste Runde ein. Nicklas Bendtner erzielte drei Tore.

PERSONAL & TAKTIK

Arsene Wenger begann im Angriff wie in der Ligapartie gegen Burnley mit Arshavin, Bendtner und Rosicky. Das Mittelfeld im klassischen 4-3-3 bekleideten Song, Diaby und Nasri. Kapitän und Taktgeber Cesc Fabregas fehlte jedoch aufgrund seiner Verletzung aus eben jedem Spiel gegen Burnley. Wenger wollte nichts riskieren und ließ seinen Spanier draußen. Auch Porto probierte sich mit einem 4-3-3. Trainer Jesualdo Ferreira bot Silvestre Varela und den bulligen Hulk auf den Flügeln hinter dem zuletzt äußerst treffsicheren Falcao auf. André bildete den 6er vor der Vierer-Abwehrkette.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Von Beginn an galt für die Gunners die Devise: Kontrollierte Offensive, denn ein erfolgreicher Konter Portos hätte alle Hoffnungen zunichte machen können. Doch die Gunners begannen druckvoll und erarbeitete sich die erste Großchance: Song konnte auf Rechts völlig unbedrängt flanken und fand Arshavin am langen Pfosten, dessen Kopfball Helton mit einer Glanzparade parieren musste (8.). Sekunden später hatte Arsenal den Rückstand aus dem Hinspiel egalisiert: Arshavin gewann nach Abschlag von Almunia das Kopfballduell gegen Rolando. Nasri bekam den Ball und spielte direkt weiter in den Lauf des Russen, der darauf jedoch mit Helton hart zusammenprallte. Nicklas Bendtner schaltete schneller als Bruno Alves und schoss zum 1:0 ins Netz (9.).

Arsenal dominierte die Anfangsphase und ließ Porto überhaupt nicht ins Spiel kommen. Diaby beförderte das Leder im Anschluss an eine Ecke volley knapp über das Tor (18.). Doch nach 20 Minuten schwand die Dominanz ein wenig und Porto kämpfte sich ins Spiel zurück. Ein Katastrophen-Fehlpass von Fucile in die Beine von Arshavin leitete jedoch das 2:0 ein: Der Russe dribbelte sich in den Strafraum und bediente Bendtner mustergültig, der aus drei Metern nur noch einschieben musste (25.). Die Führung war auch in dieser Höhe verdient, da Porto einfach zu wenig investierte.

Arshavin war der überragende Mann auf dem Platz und bekam die Chance zum eigenen Treffer: Diaby setzte Nasri in Szene, der von der Grundlinie in Tornähe in den Rückraum legte, wo Arshavin wartete, bei seinem Schuss über das Tor aber in Rücklage geriet (34.).Erst, als Clichy einen hohen Ball falsch einschätzte und Hulk so in den Strafraum ziehen konnte, wurde es gefährlich. Sein harter, aber unplatzierter Schuss war kein Problem für Almunia (39.). Auf der Gegenseite merkte Man Bendtner sein Selbstvertrauen deutlich an: Einen Distanzschuss des Dänen musste Helton in großer Not zur Ecke abwehren (42.). In der darauf folgenden Szene musste der Keeper erneut eingreifen und einen Kopfball von Diaby aus der Ecke kratzen (43.).

Jener Diaby und Arshavin hatten zu diesem Zeitpunkt das Spiel längst an sich gerissen. Die Gunners befreiten sich spielerisch aus den Angriffsbemühungen der Gäste, die offensiv zu harmlos blieben. Nach einem Schuss von Nasri aus rund 20 Metern musste Helton sogar noch einmal eingreifen, das 2:0 zur Pause jedenfalls war mehr als verdient.

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Porto kam mit mehr Elan aus der Halbzeitpause und ließ erkennen, dass Trainer Ferreira überhaupt nicht zufrieden gewesen war. Doch vor allem Diaby blieb der Antreiber im Mittelfeld, dass den Gunners von den Gästen zu leicht überlassen wurde. Wenn etwas für Porto ging, dann heraufbeschworen von einer Nachlässigkeit Sol Campbells: Der 35-jährige ließ Rodriguez flanken und Falcao ließ einen harten, aber zu mittig platzierten Schuss auf das Tor los (53.). Die Zuschauer sahen eine mehr und mehr ausgeglichene Partie, da Arsenal etwas zurückschaltete.

Nach einer Stunde wäre es fast geschehen: Rodriguez setzte sich nach einer Ecke im Kopfballduell durch und brachte den Ball aufs Tor, doch Nasri stand auf der Linie goldrichtig und wehrte zusammen mit Torwart Almunia diese große Chance ab (61.). Auf der Gegenseite zeigte Nasri ein Kabinett-Stückchen, das so nicht viele Fußballer hinbekommen: Der Franzose tanzte auf dem sprichwörtlichen Bierdeckel gleich mehrere Gegenspieler aus, dribbelte sich bis zu Helton durch und setzte den Ball aus spitzem Winkel ins Tor (63.).

Und Arsenal hatte noch längst nicht genug und zeigte jetzt das gesamte Repartoire: Aus einem Eckball Portos entwickelte sich die Kontersituation über Arshavin, der den eingewechselten Eboue auf der linken Seite bediente. Der Ivorer legte den Ball aus vollem Lauf an Helton vorbei und schob das Leder ins leere Tor (65.). Das Spiel war spätestens jetzt gelaufen. Wenger schonte dann Nasri für das Spiel gegen Hull und brachte den etwas defensiveren Denilson. Aber Portos Abwehr stand weiter offen wie ein Scheunentor.

Wenger wechselte munter durch und brachte den schnellen Walcott für Arshavin. Die Gäste hatten sich aufgegeben. Zu guter Letzt brachte der ganz schwache Fucile seinen Gegenspieler Eboue im Strafraum zu Fall - Elfmeter! Bendtner ließ sich die Chance nicht nehmen und verwandelte präzise in die linke untere Ecke zum 5:0-Endstand (90.).

SCHLÜSSELSPIELER & SCHLÜSSELSZENE

Arshavin, Nasri und Diaby waren die Antreiber des Arsenal-Spiels, während Bendtner einen Hattrick markierte. Der Schlüsselmoment war jedoch das 3:0 durch Nasri, als Porto kurzzeitig erwacht schien, aber durch den Sololauf des Franzosen in die Schranken gewiesen wurde.

SPIELER DES SPIELS: Samir Nasri

Der kleine Franzose „musste“ seinen Kapitän Cesc Fabregas im Mittelfeld ersetzen und meisterte diese Aufgabe mit Bravour. Höhepunkt seiner bärenstarken Leistung war sein Tor zum 3:0.

SCHIEDSRICHTER: Frank De Bleeckere (Belgien) – Note: 6

Der erste Treffer hätte nicht zählen dürfen, da Arshavin beim langen Ball von Almunia im Abseits stand. Ansonsten musste der Belgier nicht allzu viele unfaire Aktionen abpfeifen, da es Porto ihm leicht machte und weit weg von den Gegenspielern stand und es zu wenig Körperkontakt kam. Dennoch: Die Fehlentscheidung beim 1:0 ist ein kleiner Wermutstropfen.

Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

SPIELNOTE: 9

Arsenal zeigte alles, was sich die heimischen Fans erhofft hatten. Schnelle Kombinationen, vier wunderschöne Tore und all das garniert mit dem Einzug in die nächste Runde. Der FC Porto trug durch seine fahrlässige Defensivleistung seinen Teil dazu.

STATISTIK

Für Nicklas Bendtner war es das vierte Tor im laufenden Wettbewerb. Klingt schonmal gut, aber noch besser, wenn man seine lange Krankenakte berücksichtigt. Denn das Spiel gegen Porto war erst der dritte Einsatz des Dänen. Mit dem Schwung aus dieser Partie wird Bendtner auch in den Castrol Rankings demnächst wieder Fahrt aufnehmen, nachdem er im letzten Monat von Platz 479 auf 827 gefallen ist. Vorausgesetzt, er bleibt von weiteren Verletzungen geschont.

FAZIT

Die Gunners zeigten, dass sie ohne Fabregas groß aufspielen können und drehten das Spiel in unnachahmlicher Art und Weise. Arshavin, Nasri und Co spielten Portos Abwehr schwindelig und sorgten für einen völlig verdienten Viertelfinal-Einzug der Londoner.

Eure Meinung: Ist Arsenal in dieser Form ein heißer Kandidat für den ganz großen Triumph?



 
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