Spielbericht Champions League: FC Barcelona – Inter Mailand
Inter wurde im Vorfeld die Favoritenrolle zugeschoben, da Barca in der Liga geschwächelt hatte. Doch die Katalanen straften allen Kritikern Lügen und besiegten die Nerazzurri mit 2:0.
Von Christoph VOGEL
Barcelona. Durch einen verdienten und stark herausgespielten 2:0-(2:0-)Heimerfolg schob sich der FC Barcelona in der Tabelle vorbei an Inter Mailand auf Rang 1 und steht so mit einem Bein im Achtelfinale der Champions League. Insbesondere in der ersten Halbzeit führten die Katalenen die Gäste aus Italien zeitweise vor.
PERSONAL & TAKTIK
Bei den Katalanen fanden sich Ibrahimovic und Messi angeschlagen nur auf der Bank wieder, für sie begannen auf den Flügeln der junge Pedro und Iniesta. Gäste-Trainer José Mourinho musste auf den Niederländer Wesley Sneijder verzichten, weshalb er die selbe Elf wie vom Sieg am Wochenende gegen Bologna auftsellte, nur dass Eto'o wieder in der Startelf begann. Dafür nahm der junge Balotelli wieder auf der Bank Platz. Dem 4-3-3 Barcelonas setzte Inter ein stabiles 4-4-2 mit Zanetti, Stankovic und Motta in der Zentrale entgegen.
SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE
Das Ergebnis aus Russland (0:0 zwischen Kazan und Kiew) war beiden Teams bekannt und Barcelona begann damit, Inter schon in der eigenen Hälfte per Pressing gehörig unter Druck zu setzen. Vorsicht war dennoch zu spüren, doch die wich schnell großem Jubel: Henry verlängerte einen Eckball auf Piqué, der sich gegen Motta stark durchsetzte und aus kurzer Distanz das frühe 1:0 schoss (10.). Von Inter war in der ersten Viertelstunde offensiv nichts zu sehen, wobei sie in der Defensive auch nur weitesgehend Zuschauer waren. Xavi war es, der einen Freistoß aus gut 25 Metern auf's Tornetz bugsierte (15.). Wenig später war Pedro fast frei durch im Strafraum, aber anstatt selbst abzuziehen versuchte er einen Pass, was nicht die beste Lösung war (20.).
Barca dominierte die Partie und von Inter kam herzlich wenig. Die Konsequenz war das 2:0 – und was für ein Tor: Dani Alves wurde auf rechts toll freigespielt, der hatte das Auge für Pedro am langen Pfosten und der Linksaußen verwandelte per Direktabnahme (26.). Für die Nerazzurri war es nicht schön mit anzusehen, wie ihre Mannschaft phasenweise vorgeführt wurde. Chancen aus dem Spiel gab es für Mailand nicht, es sei denn es gab seltene Patzer wie den von Victor Valdes, als der Keeper den Ball zu weit vorlegte und Stankovic fast ins verlassene Tor treffen konnte (35.).
Barca gönnte sich eine kleine Schaffenspause, ohne jedoch Inter oft an den Ball zu lassen. Die Katalanen ließen das Leder zeitweise minutenlang in den eigenen Reihen zirkulieren. Diego Milito sorgte zumindest für einen Schuss auf's Tor von Valdes (43.). Auf der Gegenseit war der Kopfball von Keita nach einer Ecke um einiges gefährlicher (45.). Nach 46 beeindruckenden Spielminuten bat Schiri Busacca in die Halbzeitpause.
SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE
Esteban Cambiasso musste in der Kabine bleiben und wurde durch Muntari ersetzt. Ansonsten blieb zunächst alles wie gehabt: Barca kombinierte traumhaft sicher, Inter schaute nur hinterher. Plötzlich aber war Eto'o frei durch und fiel im Strafraum nach dem Zweikampf mit Dani Alves. Der Brasilianer ging da mehr auf den Mann und Barca konnte sich über den ausbleibenden Pfiff nicht beschweren (52.). Auf der anderen Seite zeigte Alves seine anderen Qualitäten und flankte mustergültig auf Xavi, dessen Kopfstoß am linken Pfosten landete (55.).
Inter kam nun zu etwas mehr Spielanteilen, auch wenn weiter die meißte Zeit die Blaugrana im Ballbesitz blieben. Nach etwa einer Stunde beruhigte sich das Spiel, wobei die Zahl der Fouls anstieg, so fiel Pedro nach einem vermeintlichen Schlag von Lucio zu Boden (61.). Dani Alves sorgte mit einem strammen Freistoß für das nächste sportliche Moment (68.). Vielleicht ein wenig überrascht war Eto'o, dass der Assistent nicht die Fahne hob, als er frei durch war: Der Kameruner lief über links in den Strafraum und verfehlte das Tor deutlich (69.).
Bei Barcelona schlich sich langsam aber sicher der zuletzt immer wieder herangezogene Schlendrian ein, denn man ließ Inter ins Spiel finden. Der italienische Meister machte jedoch wenig bis gar nichts aus der Auszeit Barcas. Für einen negativen Höhepunkt sorgte Chivu, der Iniesta mit einem Bodycheck seinen puren Frust spüren ließ (80.). Barcelona musste nicht mehr viel investieren und machte nur noch das Nötigste. Standing Ovations bekam Pedro bei seiner Auswechslung – zurecht (85.)! Ansonsten ging nichts mehr: Barca schonte sich für den EL Clásico gegen Real am Wochenende und Inter wollte einfach nur noch weg. So stand es auch beim Abpfiff durch Schiri Busacca 2:0!
SCHLÜSSELSPIELER
Bei Barca beeindruckten Xavi, Iniesta und Pedro mit beeindruckender Technik und viel Spielintelligenz. Dani Alves war an vielen Offensivaktionen beteiligt. Einzig Julio Cesar erreichte bei Inter annähernd Normalform.
SCHLÜSSELSZENE
Mit einem Tor des Willens erzielte Piqué das frühe Führungstor und nahm so viel Druck von den Schultern seiner Teamkollegen.
SPIELER DES SPIELS: Xavi
Der spanische Mittelfeldstratege zeigte eine gewohnt Weltklasse-Leistung und war nicht nur wegen seiner Übersicht und Technik der bestimmende Akteur im Mittelfeld der Katalanen.
SCHIEDSRICHTER – Note: 6.5
Massimo Busacca aus der Schweiz hätte bei der Szene zwischen Dani Alves und Eto'o durchaus auf Elfmeter entscheiden können. Bei der Kartenverteilung sehr, sehr großzügig, so wandelte Motta fast von Beginn an auf der Schwelle zur gelb-roten Karte und auch Chivu hätte Rot sehen können.
Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).
SPIELNOTE: 8
Barcelona zeigte, wie man Fußball spielt. Zwar gönnten sich die Hausherren in Halbzeit zwei phasenweise eine Auszeit, insgesamt jedoch sahen die Zuschauer im Camp Nou eine Lehrstunde.
STATISTIK
Anstoß: Dienstag, 24. November, 20.45 Uhr
Stadion: Camp Nou, Barcelona
Zuschauer: 97.000
Tore: 1:0 Piqué (10.), 2:0 Pedro (26.)
FAZIT
Es war ein toller Fußballabend in Barcelona, in dem die Gäste kein Land sahen. Die Katalanen siegten verdient, da es Inter nie verstand die Kreise des Gegners zu stören. Barca hat damit eine gute Ausgangsposition für den letzten Spieltag.
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