Spielbericht Champions League: AC Florenz – VSC Debrecen

Von wegen italienischer Fußball ist langweilig – der AC Florenz bot seinen Fans ein echtes Spektakel und schenkte dem Gegner aus Debrecen fünfmal ein, vernachlässigte aber auch zweimal die Defensive.

Champions League: Fiorentina-Debrecen - Montolivo celebrates (Getty Images)

Von Christoph VOGEL

Florenz. Mit einem klaren und in der Höhe auch verdienten 5:2-(1:1-)Erfolg siegte der AC Florenz in der Champions League gegen den VSC Debrecen und hat damit weiter gute Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale. Wie schon im Hinspiel hielten sich beide Teams nicht allzu sehr mit der Defensive auf, sondern gingen in die Offensive. Nach dem überraschenden Ausgleich vor der Pause wurde Debrecen von der Fiorentina in den ersten Minuten nach dem Seitenwechsel buchstäblich überrant.

PERSONAL & TAKTIK

Cesare Prandelli bot ein 4-5-1 System auf, wobei die vordere Mittelfeldreihe mit Vargas, Mutu und Marchionni eher offensiv ausgerichtet war. Im Tor stand Vlada Avramov, Sebastien Frey und Stevan Jovetic standen gar nicht erst im Kader. Debrecen entgegnete dem mit demselben System, doch dieses war viel defensiver und auf Punktesicherung ausgerichtet als das der Fiorentina.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Die Zeichen standen vor der Partie auf Sturm, denn in den letzten zehn Partien mit Beteiligung der Ungarn fielen sage und schreibe 56 Tore. Florenz kam besser ins Spiel und kam durch Dainelle zu einer ersten (Kopfball-)Chance nach einer Vorlage von Mutu (5.). Noch vor dem ersten Torschuss musste die Gegenseite schon wechseln, denn Adam Komlose hatte sich am Kopf verletzt und musste aufgrund einer klaffenden Wunde raus (9.). Die Fiorentina spielte gefällig nach vorne, doch je näher sie dem Strafraum der Gäste kamen, desto ungenauer wurde das Passspiel.

Nach fast einer Viertelstunde brandete dann doch Jubel im weiten Rund auf: Marchionni überlistete die Abseitsfalle der Ungarn und brachte den Ball in die Mitte zu Mutu. Der Rumäne setzte zum Flugkofball an und bugsierte das Leder zum 1:0 in die Maschen (14.). Während Avramov im Tor quasi nicht geprüft wurde, schlief auch das Offensivspiel der Fiorentina etwas ein. Das lag vor allem daran, dass die Viola den Ball in den eigenen Reihen laufen ließen und das Spiel kontrollierten. Die Spieler der Hausherren wagten am Ball keine Experimente, doch waren sie dem 2:0 auch dank eines starken Vargas viel näher als die Gäste dem Ausgleich.

Kurz nachdem Gamberini bei Florenz ebenso verletzt vom Platz musste, erzitterte die Latte: Eine Ecke von Vargas köpfte Gilardino aus Rücklage den Ball völlig ungedeckt an das Aluminium (34.). Wenn sich Debrecen eine Möglichkeit zum Kontern aufbot, dann schalteten sie nicht schnell genug um – mit einer plötzlichen Ausnahme: Cvitkovics führte den Ball über links und flankte mustergültig in die Mitte zu Rudolf, der das Leder in die lange Ecke beförderte (37.). Fast im Gegenzug hätte Gilardino die erneute Führung erzielen können, aber der Italiener scheiterte mit seinem Schuss an Keeper Pantic (39.). Florenz hatte damit für den unkonsequenten Auftritt bis dato Lehrgeld bezahlt und es ging mit 1:1 in die Pause.

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Die Fiorentina kam prächtig aus der Kabine: Nach schönem Kurzpassspiel am Strafraumeck kam Mutu in Schussposition – aber Pantic fischt den Ball noch aus der Ecke (48.). Wenig später zog der Rumäne erneut ab, aber wieder fand er seinen Meisterin Pantic. Der konnte den Ball aber nur abklatschen lassen, sodass Gilardino per Nachschuss das 2:1 hätte machen können, aber Leandro rettete grandios mit einem Tackling (51.). Eine Minute darauf war es dann aber geschehen: Pantic, zuvor fantastisch, nun mit dem Fehler, bekam eine Flanke nicht zu fassen und Dainelli bedankte sich – 2:1 (51.)!

Der Druck auf das Tor von Debrecen blieb hoch und Florenz presste auf die Vorentscheidung. Die kam dann auch schneller als gedacht, denn Vargas brach über links durch und flankte von der Grundlinie. Gilardino zog Gegenspieler auf sich, sodass Montolivo aus dem Hintergrund kommend das 3:1 machen konnte (58.). Doch damit war noch nicht aller Tage Abend, da es munter weiter ging: Zwei tolle Pässe hebelten die Abwehr der Ungarn aus, Marchionni startete genau im richtigen Moment in den Strafraum und hob den Ball über den herausgelaufenen Pantic (61.). Eine Chance von Coulibaly, die Avramov vereitelte, glich der Kasten von Pantic in dieser Phase einer Schießbude.

Nach fast 70 Minuten nahm Florenz das Tempo ein wenig raus. Debrecen nutzte dies direkt aus und kam wie aus dem Nichts zum Treffer: Der eingewechselte Szakaly brachte eine Flanke in den Strafraum, wo Coulibaly als einzige Anspielstation dennoch ungedeckt zum 4:2 einnickte (69.). Lange konnte sich Debrecen aber nicht über das Tor freuen, denn die Abwehr nahm ihre Hauptaufgabe ein weiteres mal nicht allzu genau: Nach einem Freistoß von Vargas stand Gilardino völlig frei und köpfte das entscheidende 5:2 (73.). Zehn Minuten vor dem Ende nahm Florenz wieder das Tempo raus, aber dieses Mal kam Debrecen nicht noch einmal auf und es blieb beim 5:2.

SCHLÜSSELSPIELER

In den Reihen der Fiorentina brillierte die Offensivgarde mit Vargas, Mutu, Gilardino und Marchionni, während auch Montolivo eine starke Partie machte.

SCHLÜSSELSZENE

Die furiosen Minuten nach der Pause brachten den Knockout der Ungarn mit sich, denn die Fiorentina spielte wie entfesselt und netzte mehrmals ein.

SPIELER DES SPIELS: Juan Vargas

Der Mittelfeldmann erzielte zwar kein Tor, war aber an fast jeder Offensivaktion beteiligt und zeigte eine wahnsinnig gute Leistung.

SCHIESRICHTER: Manuel Mejuto Gonzales (Spanien)

SPIELNOTE: 7

Wie bereits erwähnt: Eine Partie mit Beteiligung von Debrecen ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Torgala. Auch am heutigen Abend machten die Treffer das Salz in der Suppe aus und den Fans der Fiorentina wurde viel geboten.

Anmerkung: Die Notenskala reicht von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

STATISTIK

Anstoß: Mittwoch, den 4. November um 20.45 Uhr

Stadion: Stadio Artemio Franchi, Florenz

Tore: 1:0 Mutu (14.), 1:1 Rudolf (37.), 2:1 Dainelli (51.), 3:1 Montolivo (58.), 4:1 Marchionni (61.), 4:2 Coulibaly (69.), 5:2 Gilardino (73.)

FAZIT

In einem wahren Schützenfest siegte die Fiorentina am Ende völlig verdient mit 5:2 gegen Debrecen. Die Tore der Gäste fielen teils aus dem Nichts, doch Florenz muss man vorhalten, nach den eigenen Treffern den Druck zu sehr gesenkt zu haben.

Eure Meinung: Wie weit kommt der AC Florenz mit dieser Offensive in der Champions League? Scheitern die Viola an den vielen Gegentoren?

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