Spielbericht Champions League: Besiktas Istanbul – VfL Wolfsburg

Der VfL Wolfsburg war Feuer und Flamme in der Hölle Inönü und bezwingt Besiktas Istanbul klar und deutlich mit 0:3. Nach einer dominanten ersten Hälfte, in der Misimovic per Weitschuss die Führung erzielte, konnte die Veh-Elf jedoch erst spät im zweiten Durchgang den Sack zumachen.

Wolfsburgs Edin Dzeko im Duell mit Besiktas Ibrahim Kas (Getty Images)
Von François DUCHATEAU

Istanbul.
Die Sterne beim Königsball stehen gut, dass der VfL Wolfsburg in die nächste Runde einzieht.

PERSONAL & TAKTIK

Wenige Minuten vor Matchbeginn musst Besiktas umbauen, da Fabian Ernst seinen Ausfall bekanntgab, der von Ugur Incemann ersetzt wurde. Michael Fink hingegen konnte wie geplant neben Ekrem Dag im Mittelfeld auflaufen. Mustafa Denizli vertraute ausnahmsweise auf einen Dreiersturm, bestehend aus Tabata, Bobo und Serdar Özkan, während Ibrahim Üzüömez, Matteo Ferrari, Tomas Sivok und Ibrahim Kas die Viererkette bildeten. Statt Rüstü stand Hakan Arikan zwischen den Pfosten.
Der Sturm des deutschen Meisters bestand erwartungsgemäß aus Edin Dzeko und Obafemi Martins, die auf Vorlagen von Zvjezdan Misimovic warteten. Der Rücken des Bosniers wurde von Makoto Hasebe freigehalten, während Christian Gentner und Josue das Mittelfeld komplettierten. In der Abwehr ließ Armin Veh Sascha Riether, Ricardo Costa, Alexander Madlung sowie Marcel Schäfer vor Diego Benaglio starten. Grafite stand nach seiner Brasilien-Reise nicht im Kader.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE


Obwohl der deutsche Meister bedacht das Tempo in der Hölle Inönü niedrig hielt, waren es doch die Wolfsburger, die die ersten kontrollierten Angriffe platzierten, nachdem Ricardo Costa  eine Özcan-Flanke vor Bobo klären konnte (3.). Nach einem Schuss aus der Drehung von Obafemi Martins (6.), zeigte Rüstü-Vertreter Arikan erste Unsicherheiten, als er eine Schäfer-Flanke nicht unter Kontrolle bekam, jedoch Glück hatte, dass weder Dzeko noch Hasebe davon profitieren konnten (7.). Auch beim Schuss von Gentner Sekunden später machte der Istanbuler-Keeper keine gute Figur (8.), weswegen Zvejdan Misimovic es fortan mit Dauerbeschuss aus der Ferne versuchte. Konnte sein erster Distanzknaller aus 25 Metern noch zu einer Ecke geklärt werden, bei der Ricardo Costa nur knapp vorbeiköpfte (10.), landete der zweite Versuch mit links aus gleicher Entfernung wunderbar im Toreck und bescherte die Gäste-Führung. Im Gegenzug probierte es Tabata nach dem Wiederanstoß zwar auf die gleiche tückische Weise bei Diego Benaglio (15.), dennoch waren es die Niedersachsen, die weiter am Drücker bleiben, zum Beispiel durch einen Martins-Schuss aus dem Strafraum, der nicht weit über die Latte zwirbelte (16.) und einem Kopfball von Zvjezdan Misimovic knapp neben das Gehäuse, nachdem Dzeko Gentners Hereingabe verpasst hatte (24.). Außer einem harmlosen Kullerball von Michael Fink, bekam Besiktas keinen kontrollierten Angriff auf die Beine (28.). Wolfsburg zog sich zunehmend zurück, hatte aber trotz der Vorstöße von Ibrahim Üzülmez (33.) und Serdar Özkan, das Heft vollends im Griff. Sogar Alexander Madlung konnte in aller Seelenruhe zu einem Weitschussversuch ansetzen (38.), ehe Ekrem Dag Bobo per Flanke gefährlich nah vor den „Wölfe-Käfig“ brachte (38.), was gleichzeitig die letzte Szene sehr ansehnlicher, und aus Wolfsburger Sicht überzeugender, 45 Minuten darstellte.

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Dass die Halbzeitansprache gesessen haben muss war den Hausherren nun deutlich anzumerken, die wesentlich mehr Feuer zeigten, sich aber die Zähne an einer coolen Wolfsburger Abwehr ausbissen, weswegen es Tabata in der 55. Minute einfach mal mit einem Schuss aus zwanzig Metern versuchte, der nur knapp über den Querbalken strich. Das Match plätscherte vor sich hin und Besiktas fiel vor eigenem Publikum nichts Besseres ein als ein Fernschuss von Fink aus 16 Metern, der Benaglio vor keine ernsteren Probleme stellt (62.), sowie einer Kopie dieser Chance wenig später von Tabata, die allerdings ins Toraus trudelte (67.). Gerade als ein Fink einen weiteren, noch gefährlicheren Hammer aufs Wolfsburger Tor zimmerte, bei dem nur Centimeter fehlten (77.), sorgte Christian Gentner für die Entscheidung, deinen Dzeko-Abpraller nur noch an Sivok vorbeischieben musste. Kurz darauf kam Dzeko dann doch noch dazu sein Werk zu vollenden. Misimovic setzte seinen Landsmann toll in Szene, der aus elf Metern freies Schussfeld hat (87.) und den hochverdienten 0:3-Endstand erzielte.

SCHLÜSSELSZENE


Arikans Unsicherheiten in der Anfangsphase luden die Wolfsburger zum Schützenfest ein. Ab sofort wurde aus allen Lagen abgezogen – und so erzielte Schlitzohr Misimovic auch das 0:1.

SCHLÜSSELSPIELER

Der VW-Motor schnurrte heute wie ein Kätzchen: Martins, Dzeko, Misimovic, Gentner, Schäfer rackerten viel für die Mannschaft und suchten sich immer wieder. Besiktas wusste gar nicht, auf wen sie sich jetzt mehr konzentrieren sollten.

SPIELER DES SPIELS – Zvjezdan Misimovic

An allen Toren beteiligt, beim ersten sogar als aktiver Torschütze. Zeigte erneut auf europäischer Bühne, dass er einer der besten seiner Art ist. Bessere Spielmacher findet man nicht viele im Abendland.

SCHIEDSRICHTER - Alberto Undiano Mallenco (Spanien)

Note 7 – Leitete eine gute Partie, ohne große Fouls, lag aber bei der gelben Karte an Misimovic total daneben. Da spielte der Bosnier klar den Ball. Das Foul an sich war schon keins, da Gelb zu zücken total unverhältnismäßig.

Das Goal.com-Notensystem

SPIELNOTE: 7

In der ersten Halbzeit ein totaler Leckerbissen mit vielen Chancen, in Durchgang zwei allerdings ausschließlich von Taktik und Fernschüssen geprägt, ehe Wolfsburg den Sack zumachte.

FAZIT

Wolfsburg kramt die Souveränität aus seiner Meistersaison wieder aus und sollte diese äußerst kontrollierende Ausrichtung nun versuchen in den Ligaalltag zu transportieren. Ohne großen Kraftaufwand bezwingt die Veh-Elf ein erschreckend leidenschaftsloses Besiktas, das sich nicht in die kommende Runde kämpfen wird.

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