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Spielbericht Champions League: Girondins Bordeaux – FC Bayern München
Der FC Bayern München verliert in der Champions League trotz großer Bemühungen bei Girondins Bordeaux mit 1:2 (1:2). Nach einer frühen Führung durch ein Eigentor bricht der deutsche Rekordmeister zwischenzeitlich ein, so dass die Gastgeber das Kommando im Spiel übernehmen können. Platzverweise für Thomas Müller und Daniel van Buyten spielen den Franzosen zudem in die Karten. Hans-Jörg Butt hält zwei Elfmeter und Luca Toni trifft in der Schlussphase nur den Pfosten. Eine schwache Phase entscheidet ein ganzes Spiel! Und kurioser hätte dieses Match nicht verlaufen können...
Bordeaux. An der fehlenden Konstanz scheiterte der deutsche Rekordmeister in Frankreich. Der FC Bayern München verlor bei Girondins Bordeaux, weil sich die Mannschaft eine schwache Phase in der ersten Halbzeit gönnt. Spielerisch kann der amtierende deutsche Vize-Meister ebenfalls nur bedingt überzeugen. Kurios war das Spiel aber in jedem Fall.
PERSONAL & TAKTIK
Beide Mannschaften spielten mit sehr flexiblen Systemen. Beim FC Bayern München sollten dabei Thomas Müller, Luca Toni und Miroslav Klose für die notwendigen Tore sorgen. Bordeaux setzte im Angriff ganz auf Marouane Chamakh. Dahinter standen aber so bekannte Akteure wie Wendel und Gourcuff bereit. In der Defensive wollten beide Teams zunächst gut stehen und dann aus einer sicheren Position heraus durch schnelle Angriffe zu den Erfolgen kommen. Klar war auch: Hier durfte keine Mannschaft pennen. Denn die Disziplin stand in diesem Match an oberster Stelle bei beiden Trainern.
SPIELVERLAUF: 1. HÄLFTE
Der deutsche Rekordmeister war in Frankreich von der ersten Minute ab direkt um Kontrolle in diesem Spiel bemüht. Ein frühes Tor sollte die notwendige Sicherheit im Spielaufbau beibringen. Dieser Plan von Louis van Gaal und seinen Spielern ging dann auch in der Tat auf: Nach einer Ecke des fleißigen Holger Badstuber wherrschte in der Mitte Konfusion. Plötzlich kam Michael Ciani in an den Ball. Er versuchte zu klären, lenkte das Leder aber unglücklich ins eigene Netz (6.). In der Folgezeit wurden die zunächst sehr passiven Franzosen etwas besser. Torgefährlich waren sie aber nur nach Standardsituationen von Wendel.
Insgesamt machten die Gastgeber auch nach diesem Gegentreffer keinen geschockten Eindruck. Oft brachten sich die Gäste aus der Bundesliga durch Abspielfehler und Ungenauigkeiten selbst in Bedrängnis. Vor allem im Zentrum wirkte Bordeaux mitunter sogar überlegen. Besonders unterhaltsam war das Match aber nach einer Viertelstunde nicht mehr wirklich: Die Bayern reagierten nur noch und Bordeaux kam nicht zu Großchancen. Zumindest dem deutschen Rekordmeister durfte aber dieser Spielverlauf noch ganz gut gefallen. Immerhin stand nach wie vor die Führung zu Buche.
Aber das war auch nur noch bis zur 28. Minute der Fall. Dann glich Bordeaux aus, wobei ebenfalls ein Eckball herhalten musste. Für den Ausgleich zeichnete sich dabei der schon bekannte Michael Ciani verantwortlich. Nach dem ruhenden Ball gingen die Verteidiger der Gäste viel zu halbherzig zur Sache. Der bemühte Torschütze kam mit der Hacke an den Ball und überwand so die komplette Münchner Mannschaft – ein Traumtor. Und damit noch nicht genug: Nach seinem zweiten rüden Foul musste Thomas Müller mit Gelb-Rot vom Platz (30.). Es war fast gutmütig vom Unparteiischen. Auch eine glatte Rote Karte wäre vertretbar gewesen. Noch vor wenigen Sekunden sah es gut für den FCB aus, nun war Bordeaux klar im Vorteil.
Aber noch vor der Pause wurde es noch bitterer: Wieder war es eine Standard-Situation, die Bordeaux zum Treffer verhelfen sollte. Nach einer Freistoß-Flanke ging Hamit Altintop zu zögerlich zum Ball. Planus rannte an und kam mit dem Fuß zum Ball – 2:1 (41.). Nun wurde es richtig dicke für den FC Bayern München. In Unterzahl, in Rückstand und spielerisch neben der Rolle. Im zweiten Durchgang musste sich das Team von Louis van Gaal erheblich steigern. Sonst drohte hier ein Debakel.
SPIELVERLAUF: 2. HÄLFTE
Aber die Münchner schienen sich nach der Pause wieder etwas aufzubäumen. Die Mannschaft wollte nicht untergehen und das merkte man jedem einzelnen Spieler an. Aber es war auch auffällig, wie passiv fast schon arrogant die Franzosen auftraten. Offenbar waren diese sich ihres Sieges sehr sicher und dementsprechend locker traten sie auch auf. Der deutsche Rekordmeister fand deshalb etwas besser in die Begegnung, war aber von einer Normalform noch ein ganzes Stück entfernt. Zu behäbig spielte die Truppe nach vorne und zu gefährlich blieb der Gastgeber bei seinen wenigen Kontermöglichkeiten.
Einen Aufreger sollte es dann aber erst nach 65 Minuten geben. Hans-Jörg Butt hatte den Ball im Strafraum am Fuß, ließ sich aber unnötig in Bedrängnis bringen und verlor das Leder nochmals. Im Nachsetzen foulte er seinen Gegenspieler, so dass der Pfiff zum Elfmeter nicht lange auf sich warten lassen sollte. Beim fälligen Strafstoß trat Courcuff an. Dieser war aber nur allzu leichtsinnig, versuchte den Ball arrogant ins Tor zu lupfen. Butt hielt den Strafstoß und sah auch den Nachschuss das Tor verfehlen. Da hatten die Spieler von der Isar aber noch einmal richtig dickes Glück gehabt. Es hätte 1:3 stehen können!
Es folgte aber eine spannende Schlussphase, in der etwa Luca Toni mit einem Kopfball nur den Pfosten treffen sollte (71.). Aber damit noch nicht genug. Das kuriose Spiel sollte seinen Höhepunkt noch erreichen: Nach einem Foul im Strafraum sah auch Daniel van Buyten noch einen Platzverweis, eine Rote Karte (88.). Damit gab es auch den zweiten Elfmeter der Franzosen, den Butt aber gegen Jussie abermals hielt. Damit war eine höchst kuriose Begegnung beendet. Es fielen keine Treffer mehr.
SCHLÜSSELSPIELER & -SZENEN
Schlüsselszenen gab es in diesem Match viele. Neben den Toren sind da etwa die Platzverweise für Müller und van Buyten oder auch die verschossenen Elfmeter anzuführen. Zu den Schlüsselspielern zählt sicherlich Ciani, der neben einem bedeutenden Eigentor auch noch einen „richtigen“ Treffer folgen ließ. Ebenfalls immer wieder im Mittelpunkt: Hans-Jörg Butt. Der Schlussmann hatte einige tolle Paraden, aber auch einen Patzer vorm ersten Elfmeter.
SPIELER DES SPIELS: Michael Ciani
Nach sechs Minuten war er durch das Eigentor noch der Flop der Partie. Nach dem Spiel aber war er der Gewinner. Er traf zum Ausgleich selbst und war ansonsten in der Defensive ein absoluter Leistungsträger. Immer wieder stellte er seine Gegenspieler wie Luca Toni und Miroslav Klose früh und so verhinderte er weitere Torchancen. Eine sehr reife Leistung des Hünen in der Innenverteidigung der Franzosen.
SCHIEDSRICHTER – Note: 8
Der Unparteiische leitete die Begegnung über weite Strecken sehr souverän und er ließ keine Unruhe aufkommen. Die Platzverweise waren absolut gerechtfertigt und auch eine Rote Karte gegen Müller wäre denkbar gewesen. Insgesamt eine sehr ordentliche Leistung des Schiedsrichters, der seine Erfahrung umsetzen konnte.
Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).
SPIELNOTE: 7.5
Insgesamt war das Spiel sehr unterhaltsam, weil es alles zu sehen gab, was in einem guten Spiel Pflicht ist: Tore, Strafstöße, Paraden und zwei Platzverweise. Mehr kann sich ein Fan nicht wünschen und deshalb gibt es auch eine entsprechend gute Bewertung für die Leistung der beiden Mannschaften.
Das Spiel in der Goal.com-Statistik
FAZIT
Nach einem guten Start ließ der
deutsche Rekordmeister doch sehr stark nach. Deshalb war am Ende
trotz aller Bemühungen kein Punktgewinn möglich. In der
Tabelle bleibt es damit spannend, weil sich der FCB nicht absetzen
konnte. Insgesamt wirkte die Mannschaft über weite Strecken
gefestigt, aber zu viele individuelle Fehler und zwischenzeitlich
eine richtig schwache Phase entschieden diese Begegnung. Bordeaux
hingegen gefiel durch die notwendige spielerische Klasse, war aber
nicht gewillt, den Sack frühzeitig zuzumachen. Vor dem 0:1 und
nach dem 2:1 spielten die Franzosen in der Offensive und im
Mittelfeld sehr passiv. Bayern muss sich ankreiden lassen, über weite Strecken nicht clever genug gespielt zu haben.
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