Die ELF spektakulärsten Champions League-Matches (1): AC Milan – FC Liverpool (2005)

Ihr liebt ELF, unser neues, populäres Ranking, bei dem Goal.com euch zu Kultthemen mit ordentlich Diskussionsstoff versorgt? Dann anschnallen zur nächsten Achterbahnfahrt: Dieses Mal hat die Redaktion erneut getagt und eine Liste erstellt mit den ELF spektakulärsten Champions League Matches der Geschichte. Wann und wo schlug die Sternstunde der „Königsklasse“? And the winner is…das grandiose Finale zwischen dem FC Liverpool und AC Mailand. Milan gab eine 3:0-Pausenführung aus der Hand und unterlag im entscheidenden Elfmeterschiessen.

Das Programmheft vom großen CL-Finale 2005 (Goal.com/Pauly)
Von Torsten PAULY

Unfassbares spielte sich an jenem 25. Mai 2005 im neuen und ausverkauften Istanbuler Atatürk-Stadion vor 69.500 Zuschauern ab. Was die und die Millionen Zuschauer vor den TV-Geräten erlebten, wird wohl einmalig in der Geschichte der Champions League bleiben. Der unterlegene Trainer Carlo Ancelotti sollte nach dem Spiel sagen: „Die sechs Minuten des Wahnsinn.“

Frühe Führung und Doppelschlag

Aber der Reihe nach: Der Minutenzeiger hatte in Istanbul noch keine volle Umdrehung hinter sich, da  klingelte es bereits im Tor des FC Liverpool. Und das war Chefsache, denn Milans legendärer Kapitän Paolo Maldini traf schon nach 52 Sekunden zur frühen Führung für den AC Milan. Die Engländer wirkten ob des frühen Rückstands völlig verunsichert und bekamen gegen die in den ersten 45 Minuten überragend aufspielenden Italiener kein Bein auf den Boden. Weitere Tore schienen nur eine Frage der Zeit und sie fielen noch vor der Pause wie reife Früchte. Der Argentinier Hernan Crespo sorgte mit einem Doppelschlag binnen vier Minuten für die vermeintliche Entscheidung (39., 43.).

Keinen Cent auf Liverpool-Sieg

Die Wett-Quoten für einen Milan-Sieg sanken nach 45 Minuten ins Bodenlose und kein Fan hätte nach dieser ersten Halbzeit auch nur noch eine Cent auf die Reds gesetzt ohne für völlig verrückt erklärt zu werden. Doch man hätte reich werden können ob der „sechs Minuten des Wahnsinns.“

Hamann kam, sah und siegte

Trainer Rafael Benitez brachte Didi Hamann für Finnan. Doch nicht, um mit dem früheren Bayern-Spieler die Wende zu schaffen, sondern wohl eher um für Schadensbegrenzung zu sorgen. „Wenn wir ein frühes Tor schießen, ist vielleicht noch etwas drin“, soll Benitez seinen Spielern in der Halbzeit mit auf den Weg gegeben haben. So recht dran glauben, mochte wohl keiner mehr. Legendär: Didi Hamann verletzte sich bei einem Zweikampf, spielte aber bis zum Ende durch. Hinter wurde bei einer Untersuchung fetsgestellt, dass sich der deutsche Eisenfußm einen Zeh gebrochen hatte.

Unglaubliche Fans

Allen die damals das Glück hatten im Stadion gewesen zu sein, läuft sicher heute noch ein kalter Schauer über den Rücken, als der FC Liverpool nach der Pause aufs Feld kam und von Zehntausenden Fans mit „You’ll never walk alone“ empfangen wurde. Es bleibt ein Rätsel, was dann geschah, denn ist kaum davon auszugehen, dass sich die Weltklasse-Verteidiger um Cafu, Nesta, Maldini und Stam davon hätten beeindrucken lassen. Es waren eben nur „sechs Minuten des Wahnsinns“.

Sechs Minuten des Wahnsinns

Und die gingen so: Steven Gerrard traf neun Minuten nach Wiederanpfiff mit einer Energieleistung zum 1:3. Plötzlich zeigte Liverpool englische Stärken, kämpfte verbissen um jeden Ball und kam nur zwei Minuten später durch den Tschechen Smicer zum 2:3. Die Liverpool-Fankurve stand jetzt komplett Kopf, peitschte ihre Mannschaft weiter nach vorn. Benitez sagte nach dem Spiel: „Die Zuschauer tragen mit den größten Anteil heute.“ Und dann kam die 60. Minute. Elfmeter Liverpool. Die Chance zum nicht mehr möglich gehaltenen Ausgleich. Xabi Alonso läuft an, scheitert zunächst an Dida und trifft dann im Nachschuß doch noch zum Ausgleich.

Dudek mit unglaublicher Rettungstat

Die restlichen 30 Minuten verliefen wie in Trance, Milan wankte, fiel aber nicht endgültig, weil der FC Liverpool einen Gang zurückschaltete, um nicht in einen unnötigen Konter einzufangen. Also ging es in die Verlängerung. Dort hatte der Ukrainer Andrej Schewtschenko in der 117. Minute den Siegtreffer auf dem Kopf bzw. auf dem Fuß. „Ich werde nie begreifen, wie er diesen Ball halten konnte“, sagte Milans-Stürmer später. Gemeint war Jerzy Dudek, der ließ einen Kopfball des Ukrainers abprallen - und lenkte dessen Nachschuss aus einem Meter Entfernung, auf dem Boden liegend, mit einer reflexartigen Armbewegung doch noch über die Latte. Eine unglaubliche Parade, die Liverpool ins Elfmeterschiessen rettete.

Torwart hampelte bei Elfer-Schiessen

Und auch dort sollte der polnische Torwart dem Ukrainer Schewtschenko den Zahn ziehen. Dudek irritierte mit kasperartigen Bewegungen die Elfermeterschützen und hatte zuvor damit schon bei Serginho und Pirlo Erfolg. Schewtschenko, der zwei Jahre zuvor gegen Juventus Turin den entscheidenden Elfer verwandelt, ließ sich auch von Dudek verrückt machen und scheiterte mit einem kläglichen Elfer. Den Spieler und Fans des FC Liverpool war es egal, sie hatten das Wunder von Istanbul geschafft bzw. miterlebt und feierten tagelang den ersten Titel in der Champions League nach über 21 Jahren.

Das Spiel vom 25. mai 2005 in der Statistik

AC Mailand - FC Liverpool 5:6 i.E. (3:0, 3:3)

1:0 Maldini (1.), 2:0 Crespo (39.), 3:0 Crespo (43.), 3:1 Gerrard (54.), 3:2 Smicer (56.), 3:3 Xabi Alonso (60.)

Das Elfmeterschießen: Serginho schießt über das Tor, 0:1 Hamann, Dudek hält gegen Pirlo, 0:2 Cisse, 1:2 Tomasson, Dida hält gegen Riise, 2:2 Kaka, 2:3 Smicer, Dudek hält gegen Schewtschenko

AC Milan: Dida - Cafu, Stam, Nesta, Maldini - Gattuso (112. Rui Costa), Pirlo, Seedorf (86. Serginho) - Kaka - Schewtschenko, Crespo (85. Tomasson)

FC Liverpool: Dudek - Finnan (46. Hamann), Carragher, Hyypiä, Traore - Xabi Alonso - Luis Garcia, Gerrard, Riise - Kewell (23. Smicer), Baros (85. Cisse)

Eure Meinung: Ein Spiel für die Ewigkeit – ist es auch Eure Nummer 1? Welches CL-Spiel hättet Ihr auf Rang 1 gewählt?


 
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