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Ein Sieg, der gleichermaßen positiv wie negative Aspekte hatte: Deutschland bewies gegen Algerien starke Moral, offenbarte aber so nicht gekannte Mängel.

Porto Alegre. Die Messer waren gewetzt, weltuntergangsartige Szenarien wurden in den sozialen Netzwerken beschrieben und die Kritiker standen bereit zum Schlag gegen Joachim Löw sowie ausgewählte Nationalspieler. Nach 120 Minuten endete doch noch alles gut: Deutschland schied nicht früh aus, sondern rang in einem packenden, aber keinesfalls hochklassigen Achtelfinale der Weltmeisterschaft den krassen Außenseiter Algerien mit 2:1 nieder.

Bei dieser Endrunde trumpfen die ehemals "Kleinen" auf und es ist eigentlich nicht groß überraschend, dass es für die favorisierte DFB-Elf gegen die Afrikaner ein so hartes Stück Arbeit wurde. Die Art und Weise, wie die Löw-Schützlinge in Durchgang eins auftraten, erschreckte dann aber doch.

Fehlpässe en Masse, keine Durchschlagskraft im Spiel nach vorne und vor allem große Unsicherheiten in der Rückwärtsbewegung: Von der 4:0-Gala, die neun der elf Spieler mit dem Adler auf der Brust vor genau zwei Wochen gegen Portugal geboten hatten, war nicht mehr viel zu sehen.

Was Bundestrainer Joachim Löw vermutlich auch zu Denken geben wird: Seine Variante der Viererkette mit vier Innenverteidigern wurde mehrfach entblößt. Für jede Mannschaft und jede Defensive ist es schwer, wenn ein Team wie Algerien das Mittelfeld mit einem Pass überbrückt und die Angreifer über die Flügel steil gehen. "Das können sie richtig gut", lobte Löw anschließend. Nur hatte man immer das Gefühl, dass diese Situationen von gelernten Außenverteidigern besser bewältigt worden wären.

Löw muss sich überlegen, ob er auch gegen die Franzosen mit Spielern wir Griezmann, Benzema und Valbuena in Topform dieses Wagnis eingehen möchte. Notgedrungen musste er nach Skhrodan Mustafis Verletzung ohnehin umstellen: Philipp Lahm zog er auf die angestammte rechte Seite, im Mittelfeld spielten Toni Kroos, Bastian Schweinsteiger und Joker Sami Khedira. Es wäre keine große Überraschung, wenn er so auch gegen die Equipe Tricolore beginnen ließe. Auch, weil die WM für Mustafi nach einem Muskelfaserriss im linken Oberschenkel beendet ist.

„Die erste Hälfte war schlecht“

Aber nicht nur die Verteidigung muss im Viertelfinale am Freitag (18 Uhr im LIVE-TICKER) einen Zahn zulegen. Edeltechniker wie Mario Götze oder Toni Kroos unterliefen ungewohnte Fehler in der Ballbehandlung und die Fehlpassquote war höher als in den bisherigen Turnierspielen. Ein Sache, die Löw anschließend kritisierte: "Die erste Hälfte war schlecht“, sagte er ohne Umschweife.

Positiv zu nennen ist allen voran Manuel Neuer. Auf der Linie hatte er relativ wenig zu tun. Wie er jedoch in klassischer Ausputzer-Manier mehrfach Steilpässe weggrätschte, war nicht nur spektakulär (Oliver Kahn sprach im ZDF von "Harakiri"), sondern auch sehr wichtig.

Dann war dieser Erfolg auch ein erneuter Triumph der Moral. Wie schon gegen Ghana lief es nicht nach Plan, doch erneut wehrte sich die Mannschaft. "Es war ein Sieg des Willens", konstatierte der Bundestrainer anschließend.

Moral und Wille, das sind schon mal keine schlechten Eigenschaften für den zu erwartenden neuerlichen Kraftakt gegen Frankreich. Dazu kommt trotz vieler Ausfälle eine starke Ersatzbank. Torschütze Andre Schürrle und auch Khedira empfohlen sich für einen Platz in der Startelf gegen Frankreich. Falls dann auch Mats Hummels und Lukas Podolski wieder zur Verfügung stehen, verfügt Löw über eine ordentliche Auswahl auf vielen Positionen.

"Je weiter wir kommen, desto weniger Fehler dürfen wir uns erlauben", warnte Manager Oliver Bierhoff nach dem Abpfiff. So ist es. Am Montagabend wurden die Fehler nicht bestraft und nun bleiben vier Tage Zeit für die Vorbereitung auf Frankreich. Bis dahin werden die zahlreichen Sofa-Bundestrainer ihre Messer sicher wieder wetzen.

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