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Wer war die bessere Verpflichtung - Gareth Bale oder Neymar?

Die Rekordverpflichtungen der Königlichen und der Katalanen treffen am Sonntag im Clasico erneut aufeinander. Wer hat sich als beste Investition erwiesen?

DEBATTE

Von Jon Fisher & Peter Staunton

Zwei der meistdiskutierten Transfers des vergangenen Sommers kreuzen am Sonntagabend im Clasico die Klingen: Gareth Bale für Real Madrid und Neymar für den FC Barcelona .

Der Waliser hat nach der, von einer Verletzung erschwerten, Eingewöhnungsphase zu beeindruckender Form gefunden - und dabei geholfen, dass die Königlichen die Tabellenspitze der Primera Division gestürmt haben.

Für Neymar und Barca hat 2014 dagegen durchwachsen begonnen, als das Team punktemäßig hinter seinen Erzrivalen zurückgefallen ist. Zudem wurden die Leistungen des Brasilianers von einer Verletzung gestoppt und durch die Nachwehen seines nicht astrein abgelaufenen Transfers beeinflusst.

Es ist alles angerichtet für den Showdown am Sonntag: Barcelona will den Sieg aus dem letzten Clasico im vergangenen Herbst wiederholen, um das Titelrennen wieder spannend zu machen. Beim 2:1 der Katalanen im Oktober hatte Neymar das bessere Ende für sich. Doch Bales aktuelle Verfassung lässt vermuten, dass er bereit ist, im größten Spiel des spanischen Fußballs eine Schlüsselrolle einzunehmen.

Es steht enorm viel auf dem Spiel - diese Gelegenheit nutzen wir, um die Frage zu stellen: Wer hat sich als bessere Verpflichtung erwiesen? Goals Jon Fisher und Peter Staunton diskutieren kontrovers...

"ER STICHT NEYMAR IN JEDER HINSICHT AUS"



 Von Jon Fisher

Es war klar, dass der Weltrekord-Transfer für Gareth Bale schwer zu rechtfertigen sein würde. Nicht nur gegenüber den Fans, sondern auch gegenüber der Ansammlung von Superstars im Kader von Real Madrid. Dass er die Herausforderung gemeistert hat, konnte man zuletzt beim 3:1-Pflichtsieg am Dienstag gegen Schalke 04 bewundern: Ein ums andere Mal entwischte er der königsblauen Defensive, legte für die Treffer von Cristiano Ronaldo und Alvaro Morata auf.

Der bescheidene Waliser ist kein Mann großer verbaler Kundgebungen. Dennoch sah er sich verpflichtet nachzuweisen, dass Real zu Recht so viel Zeit und Geld darin investiert hat, ihn nach Spanien zu lotsen. Obwohl Bale das Handicap einiger quälender Blessuren mit sich herum schleppen musste, hat er dem Druck stand gehalten. Er ist dabei, seine exzellenten Leistungen aus Tottenham weiterzuführen. Egal aus welcher Perspektive man es sieht, er hat beeindruckt.

Statistisch sticht er Neymar in jeder Hinsicht aus. Bale weist 14 Tore in 27 Einsätzen auf, darunter vier Treffer in sieben Champions-League-Matches. Zum Vergleich: Neymar hat bis dato zehnmal in 28 Spielen eingenetzt, dabei dreimal in 8 Einsätzen in der Königsklasse. Überdies entpuppte sich Bale als der bessere Vorbereiter: 14 Assists des Walisers in allen Wettbewerben stehen elf Vorlagen Neymars gegenüber. Es ist eine klare Angelegenheit ...

Barca-Fans werden nun darauf pochen, dass Statistiken auch in die Irre führen können. Im Allgemeinen haben sie Recht, aber nicht in diesem Fall. Betrachtet man den Einfluss der beiden Akteure auf ihr jeweiliges Team, gibt es kein Gegenargument: Bale ist Neymar um Längen voraus.

Während der Brasilianer um Fitness, Konstanz und seine Rolle in Barcas gut strukturiertem System gerungen hat, wurde Bale zu einem der Leistungsträger bei den Madrilenen und hat wesentlichen Anteil an der Tabellenführung. Sein Harmonieren mit Ronaldo und Karim Benzema hat der Mannschaft neue Möglichkeiten eröffnet. Und nicht zuletzt ist Bale ein wohl ein Grund dafür, dass Benzema die effektivste Periode seiner Zeit bei den Königlichen verlebt.

Es ist nicht unfair zu behaupten, dass Neymars Transfer nach Barcelona einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen hat, der im Abschied von Präsident Sandro Rosell gipfelte. Und er soll die Mannschaft besser gemacht haben? Verglichen mit Bale steht diese Frage nicht im Raum.

Der Waliser war jeden Cent wert.

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"ER HAT SICH IM GRÖßTEN SPIEL ÜBERHAUPT BEWIESEN"



Von Peter Staunton

Die Kontroverse um Neymars Wechsel von Santos nach Barcelona hat seinen positiven Einfluss auf dem Spielfeld überschattet. Selten hat ein Südamerikaner den Atlantik überquert und ist dabei so sehr gemustert worden. Die Umstände seiner Ankunft und die initiale Skepsis seitens des europäischen Publikums lassen Neymar auf dem Spielfeld kaum einen Atemzug nehmen, ohne dass davon breite Notiz genommen würde.

Trotz dieses riesigen Drucks, noch dazu in einem Jahr, in dem er Brasilien im eigenen Land zum Weltmeistertitel führen soll, ist der 22-Jährige nicht zerbrochen. Seit dem Tag, als er das Camp Nou betrat, hat er hart geschuftet und sich in ein komplexes und anspruchsvolles Barca-System integriert. Nicht viele große Stürmer haben das in den vergangenen Jahren gemeistert.

Er hat Barcelona in dieser Saison bereits zahlreiche Dienste erwiesen: Ein Flügelspieler, um das Spiel auseinander zu ziehen, umgeben von Lionel Messi, einem atemberaubenden Dribbler. Sieben Tore und acht Assists in 20 Ligaspielen beweisen, dass er in punkto Produktivität nicht hinterherhinkt. Zudem hat er drei Treffer und drei Vorlagen in der Champions League beigesteuert.

Und obendrein musste er sich mit einer kräftezehrenden Verletzung herum plagen, die für ihn zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt hötte kommen können. Messi befand sich gerade auf dem Weg zurück zu seiner Fitness - und in welch beeindruckender Weise Neymar für den Argentinier in die Bresche sprang, obwohl er selbst litt, wurde verheerenderweise fast komplett übersehen.

Neymar kam aus einer gerade beendeten Saison in Brasilien und hatte den Confederations Cup in der sängenden Hitze in den Knochen. So musste er sich bei einem Klub mit einer klar definierten Ausrichtung einfinden - und sich überdies mit einem Star messen, der das Rampenlicht nicht gerne teilt. Dennoch hat Neymar im Spiel der Spiele seine enorme Qualität nachgewiesen, war beim 2:1-Erfolg im Camp Nou gegen Real Madrid der beste Mann auf dem Platz - und dort standen damals neben ihm noch Messi, Cristiano Ronaldo und Gareth Bale. Die Art und Weise, wie er diese Gelegenheit beim Schopf gepackt und seine Fähigkeit demonstriert hat, mit solch außergwöhnlichen Situationen umzugehen, stellte Gareth Bales beschämende Vorstellung in den Schatten.

Hier ist ein Mann zu sehen, der bis zum Ende alles gibt - auch für einen niedrigeren Preis. Neymar hat nicht nur sich selbst befreit, er hat es atemberaubend gut getan.

Und das Beste kommt erst noch ...

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